Genfer Autosalon Katze auf dem heißen Klappdach


Wer hat eigentlich gesagt, dass ein Cabrio ein Klappdach haben muss? Ein Rundgang auf dem Genfer Salon treibt vielen Cabriofans die Zornesröte auf die Stirn. Wo sind sie geblieben, die dunklen Stoffmützen von einst?

Nachdem im vergangenen Jahr kaum ein neues Cabriomodell das Laufen lernte, stehen in diesem Sommer wieder mehr offene Spaßmodelle auf der Messe und bald beim Händler. Doch bei einem Cabriolet allein möchte es kaum noch ein Hersteller belassen. Coupe-Cabriolet heißt der zauberhafte Begriff, der eigentlich nur sagen möchte: Ich kann alles! Immer und überall! Die ersten Klappdach-Cabrios gab es bereits vor dem zweiten Weltkrieg, aber erst mit dem 1996 vorgestellten Mercedes-Benz SLK begann eine neue Ära. Auf dem hochpreisigen Schönling aus Stuttgart folgte zwei Jahre später der Peugeot 206 CC. Alles in allem das gleiche Konzept, nur ein ganze Ecke günstiger. Der Erfolg wurde immens. Bei schlechtem Wetter war der schnittige Franzose ein sehenswerter 2+0-Sitzer mit festem Dach und ohne jegliche Allüren. Doch nach ein paar Sonnenstrahlen erblätterte sich der 206er ebenso wie sein zweisitziger Genosse SLK in wenigen Sekunden und wurde zum offenen Spaßmacher.

Das Ende der Badekappen

Das Ganze ist erst ein paar Jahre her. Peugeot 206 CC und die zweite Generation des Mercedes SLK erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. Ein Rundgang auf dem 76. Genfer Salon bringt die sichere Erkenntnis: Mittlerweile gibt es kaum noch neue Cabriomodelle mit Stoffdach. Die neuen Messestars heißen VW Eos, Mitsubishi Colt CZC, Opel Astra TwinTop und Ford Focus C-C. Präsentieren sich die kleineren Vertreter wie Peugeot 206 CC oder Opel Tigra TwinTop mit dem Klappdach meist recht gelungen, sieht es bei den größeren Modellen deutlich schwieriger aus. Wenn man sich die brandneuen Opel Astra TwinTop und Ford Focus C-C anschaut, kommt immer mehr Cabriofans die sichere Erkenntnis, dass ein gewöhnliches Stoffdach wohl die bessere Wahl gewesen wäre.

Die Vorteile der Coupe-Cabrios sind unbestritten. Festes Dach, Ganzjahrestauglichkeit, großer Kofferraum und eine elegante Coupesilhouette sind die markigen Werbeslogans der Marketingabteilung. Doch längst hat sich in den 90er Jahren gezeigt, dass Stoffdächer im Vergleich zu einem festen Dach keine nennenswerten Nachteile mehr haben müssen. Im Gegenteil, denn das Auge isst ja auch mit – gerade bei einem Cabrio. Cabriofahrer sind Genussmenschen, zeigen sich gerne oben ohne der breiten Öffentlichkeit. Doch die neuen Mittelklasse-Cabrios tragen meist unansehnliche Hinterteile mit sich herum. Irgendwo muss das klappbare Hartschalendach schließlich untergebracht werden. So können weder Peugeot 307 CC noch die Nachkömmlinge mit hübschen Heckansichten glänzen. Das sehnlich erwartete Ford Focus Coupe-Cabrio hätte mit Stoffdach ein deutlich filigraneres Hinterteil tragen dürfen. Und auch der kleinere Mitsubishi Colt CZC hat hinten herum ein paar Kubikzentimeter zuviel auf dem Backen. Weiterer Nachteil: Nicht nur groß gewachsene Fahrer stoßen mit der Stirn an den weit nach hinten gezogenen Windschutzscheibenrahmen.

Die Stoff-Fraktion schrumpft

Wie dem auch sei: Klappdach-Cabrios liegen bei den Designern voll im Trend. So halten bei den Herstellern mit 2+2-Sitzern nur noch wenige die Stofffahne hoch. Doch Audi RS4 Cabrio und Mercedes CLK sind prächtige Beispiele, wie schön eine Mütze ausschauen kann. Doch man sollte die Hoffnung nicht aufgeben: Auf der Autoshow in New York im Frühjahr stellt Bentley seinen grandios eleganten Continental GTC vor. „Natürlich kommt der neue Bentley GTC mit Stoffdach“, erklärt Bentley-Chefdesigner Dirk van Braeckel ganz selbstverständlich. Und auch die Spaßmaschinen Opel GT und Alfa Spider kommen bald mit Stoffdach.

Stefan Grundhoff; press-inform


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