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LA Auto Show: Die Zukunft stinkt nicht

Aufs Image bedachte Stars fahren Hybrid. Autoriese GM bringt die Brennstoffzelle auf die Straße. Die Deutschen setzen auf den Sauber-Diesel. Dabei sind die Sympathien der Kundschaft bereits klar vergeben.

Von Frank Janssen/LA

In Los Angeles hat die Zukunft längst begonnen. Hybridautos, die einen abgasarmen Benzinmotor mit einem Elektroantrieb kombinieren und beim Bremsen Energie gewinnen, gehören in den feineren Stadtteilen wie Beverly Hills bereits zum Straßenbild wie in Deutschland der VW Golf. Vor allem die stets auf Image bedachten Stars der Showbranche wie der Popmusiker Sting haben Vehikel wie den Toyota Prius salonfähig gemacht. "Wenn einer von denen mit so einem Auto statt mit einer Stretchlimousine vorfährt, ist das eine starke Aussage", sagt Drew Martin von der Organisation Greencar. In Kalifornien haben emissionsarme Fahrzeuge sogar bereits eine gewisse Tradition, denn der Bundesstaat am Pazifik hatte jahrelang die schärfsten Abgasgesetze der USA. Mittlerweile haben andere Staaten nachgezogen.

Kein Wunder also, dass die Hersteller von Autos mit alternativen Antrieben auf der Auto Show von Los Angeles, die bis zum 10. Dezember im Convention Center läuft, so richtig Gas geben. Kein Autobauer lässt die Gelegenheit aus, sich beim Umweltschutz als fortschrittlich darzustellen.

Der Riese entdeckt die Umwelt

Rick Wagoner, Chef des auf der Kippe stehenden Branchenriesen General Motors (GM), ließ bei einem Pressefrühstück am Morgen der Eröffnung keinen Zweifel daran, dass er das Überleben seines Konzerns von der Entwicklung neuer Antriebstechnik abhängig macht. Ab 2007 will GM den kleinen Geländewagen Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle in einem Testprogramm für Kunden auf die Straße bringen - freilich mit enger Betreuung durch den Hersteller. Bis 2011 will GM einige Tausend Brennstoffzellenfahrzeuge im Verkehr haben, 2013 soll die Zahl fünfstellig sein. Ein Massenmarkt ist das noch nicht, aber die Botschaft ist eindeutig: Wir sind dabei.

Bei Honda ist die Brennstoffzellentechnik, die aus Wasserstoff Strom erzeugt, weiter fortgeschritten. Auf ihrem Stand zeigen die Japaner das Modell FCX der zweiten Generation (FC steht für Fuel Cell; zu deutsch: Brennstoffzelle) zwar noch als Konzeptstudie, aber die schnittige rote Limousine fährt bereits. "Wir haben entschieden, den FCX 2008 auf den Markt zu bringen", sagt PR-Mann Chris Martin. Auch wenn dieses unter ähnlich enger Kontrolle geschehen wird wie bei GM. Deshalb ist es zunächst auch wenig wahrscheinlich, dass Kunden den FCX kaufen können - sie werden ihn wohl leasen und später zurückgeben müssen.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Bluetec statt "Stink-Diesel"

DaimlerChrysler und Volkswagen betonten am Vorabend der Messe auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, auf die sauberere, weil schwefelarme Dieselvariante namens Bluetec zu setzen - wenn auch ein wenig halbherzig: Als Ort der Veranstaltung war zwar das berühmte Kodak-Theatre gewählt worden, in dem sonst die Oscar-Verleihungen stattfinden. Doch die Spitzenmanager der beiden Konzerne, Dieter Zetsche (Daimler-Chrysler) sowie der designierte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, fehlten. Für den Diesel, der in Amerika von einer ähnlichen Marktdominanz wie in Europa noch weit weg ist, hätte die Präsenz der beiden Top-Leute das Signal erheblich verstärkt, dass es die Konzerne mit aller Macht versuchen wollen. So wirkte es halbherzig.

Hohe Sympathiewerte

Die Kundschaft, die sich für sparsame und saubere Fahrzeuge interessiert, bevorzugt offenbar ohnehin Hybridautos. Nach einer Studie des Marktforschers Kelley Blue Book liegt die Sympathiequote für diese Technik mit 59 Prozent etwa doppelt so hoch wie jene für den Diesel. Das spiegelt die LA Auto Show deutlich wieder: Der Hybrid ist Technik- und Umwelttrend Nummer eins.

Symbolträchtig engagierte Ford zur Vorstellung des neuen Escape Hybrid - natürlich grün lackiert - einen obergrünen Präsentator: Frosch Kermit aus der Sesamstraße. Am Arm des Puppenspielers Steve Whitmire gab sich die Kultfigur den Fernsehreportern sachkundig: "Der Escape Hybrid ist gut für die Umwelt", schnarrte Kermit in die Kameras auf dem Ford-Stand und nickte hektisch. "Die Sitze sind sogar aus recyceltem Material. Das finde ich toll."

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