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6-Stunden-Rennen in Spa: Generalprobe

Audi und Porsche bereiten sich mit immensem Einsatz auf die 24-Stunden-von-Le-Mans für. Beim sechstündigen Kräftemessen in Spa Francorchamps gab es neue Aufschlüsse, wer von den beiden Konzerngegnern die Nase vorne hat.

Das Rennen begann für Porsche ideal. Alle drei Autos belegten die ersten drei Startplätze. Erst dahinter folgten zwei Audis und die beiden Toyotas. Damit konnte das Zuffenhausener Trio eine Phalanx bilden und den Sieg nach Hause fahren. So der Plan. Doch der Defektteufel und Fahrfehler, die zu Zeitstrafen führten, machten den Zuffenhausenern einen Strich durch ihre Gedankenspiele und am Ende triumphierte Audi vor zwei Porsches nach einem heißen Kampf, wie beim Rennen zuvor in Silverstone.

6-Stunden-Rennen in Spa: Generalprobe
Porsche Boxenstopp beim Sechs Stunden Rennen in Spa Francorchamps

Porsche Boxenstopp beim Sechs Stunden Rennen in Spa Francorchamps

Bei diesem Stellvertreter-Duell geht es um jede Menge Prestige. Auch konzernintern, denn die Maxime "wer die schnelleren Boliden baut, hat mehr Technik-Kompetenz" schwingt bei jedem Rennen mit. Dass die Männer in Ingolstadt und Zuffenhausen nicht die besten Freunde sind, ist nicht erst seit der misslungenen Übernahme VWs durch Porsche kein großes Geheimnis. Deswegen ist das Motorsport-Engagement Chefsache: Porsche-Chef Matthias Müller und Technik-Vorstand Wolfgang Hatz waren ebenso nach Spa Francorchamps gekommen, wie Audi Technik-Chef Ulrich Hackenberg, der extra vom DTM-Saisonauftakt aus Hockenheim eingeflogen war. Die 24 Stunden von Le Mans entscheiden die Saison. Jener legendäre Langstreckenklassiker, bei dem Porsche den 17. Sieg feiern will. Allerdings dominierte Audi in den letzten Jahren den Saisonhöhepunkt und will dem Konzernrivalen aus Zuffenhausen ein Schnippchen schlagen. Die beiden Konkurrenten treten mit unterschiedlichen Konzepten an: Während Audi in der Vier-Megajoule-Klasse auf einem Diesel setzt, sind es bei Porsche acht Megajoule und ein Vierzylinder-Benziner. Je höher die Megajoule-Bezeichnung, umso größer die Batterien und die E-Power, die den Fahrzeugen zur Verfügung steht.

Für Audi war mehr als der Sprung von der zwei auf vier Megajoule aufgrund des Fahrzeugkonzepts und dem relativ schweren Gewicht des Dieselmotors nicht machbar. "Wir sind zuversichtlich für Le Mans und fühlen uns mit unserem Konzept gut aufgehoben", stellt Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich klar. In Le Mans, wo bei den langen Geraden der Speed zählt, ist ein Aerodynamik-Setup, bei dem der Luftwiderstand deutlich geringer ist der Schlüssel zum Erfolg. Die heiße Phase der Vorbereitung hat begonnen. Der Sieg-Audi fuhr in Spa Francorchamps mit einem Le-Mans-Aerodynamik-Kit. Porsche-LMP1-Rennleiter Fritz Enzinger bleibt auch nach der erneuten knappen Niederlage gelassen. "Wir werden immer besser und in Le Mans ist der Vorteil der acht Megajoule-Hybridsysteme am größten", sagt der Österreicher.

Allerdings sind die 24 Stunden eine materialmordende Zeitspanne, in der die LMP1-Boliden jede Runde volles Rohr fahren: In Le Mans wird nicht mehr taktiert, wie bei den Langstreckenrennen der früheren Jahre, sondern von der ersten Runde im Sprinttempo gefahren. Porsche hat damit zu kämpfen, die brutale 1.000-PS-Kraft des Allradantriebes auf die Straße zu bringen. Das machte den Zuffenhausenern in Silverstone einen Strich durch die Rechnung. "Wir nutzen die Reifen jetzt besser", freut sich Enzinger, der in Le Mans damit rechnet, dass ein Reifensatz etwa 30 Runden durchhalten muss.

Dass Porsche auf eine Runde schneller ist als alle anderen, konzidiert auch Audi. Zu groß die Power des Elektromotors. Beim Qualifying in Spa Francorchamps nahm der Pole-Position-Porsche dem schnellsten Audi über sieben Zehntelsekunden ab. In Le Mans soll es Schätzungen zufolge etwa eine Sekunde sein. Doch eine Super-Runde garantiert beim Saisonhöhepunkt noch keinen Sieg. Zu viele Parameter beeinflussen die Leistungsfähigkeit der Autos. Da ist zum einen der Verkehr und die Frage, ob es Porsche schafft die Energiespeicher wieder voll zu kriegen. Doch da sind die Zuffenhausener zuversichtlich. "Das Streckenlayout von Le Mans mit den langen Geraden passt perfekt zu unseren Autos", sagt Fritz Enzinger. Deswegen hat Porsche einen zusätzlichen Turbolader installiert, der über den Abgasstrom Energie generiert und so die Speicher beim Gas geben auf den langen Geraden laden kann. Die entscheidende Frage ist nämlich, ob Porsche die Speicher vollbekommt und so den ganzen Vorteil der starken Elektronik ausnutzen kann. Denn sonst sind die Batterien nur unnützer Ballast, der mitgeschleppt wird.

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Die große Unbekannte im Dreikampf ist Toyota. Die Japaner pokern. Es scheint so, als ob sie einen Schritt nach vorne gemacht hätten, aber dennoch nicht mit den beiden deutschen Teams mithalten können. "Gut möglich, dass sie für Le Mans noch etwas aus dem Hut zaubern", vermutet Enzinger. Dagegen werden Nissan mit dem futuristisch anmutenden frontgetriebenen Nissan GT-R LM Nismo keine realistischen Siegchancen eingeräumt, da das Batmobil im Moment nur getestet wird und . Auch wenn der Nissan-Pilot Harry Tincknell sagt: "Wir werden einige überraschen." Welches Konzept sich durchsetzt, werden die erst die 24 Stunden von Le Mans zeigen, die sicher eines der spannenden Rennen in der Geschichte des Langstrecken-Klassikers sein werden.

Press-Inform / pressinform

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