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Rücktritt des ADAC-Chefs: Wehleidiger Abflug mit wenig Aussicht auf Besserung

ADAC-Präsident Peter Meyer ist zurückgetreten. Seine Demission hat lange gedauert, sie ist nicht einmal aus Einsicht erfolgt. Und auch sein Nachfolger macht wenig Hoffnung auf Besserung.

Ein Kommentar von Jan Boris Wintzenburg

Der ADAC kann Aufatmen: Mit seinem längst überfälligen Rücktritt macht sein Skandal-Präsident Peter Meyer den Weg frei für einen Neuanfang. Ohne diesen Schritt wäre der gänzlich unmöglich gewesen. Jetzt ist er immer noch alles andere als einfach.

Der ADAC ist in einer verfahrenen Situation: Einerseits leistet der Automobilclub mit seiner Straßenwacht und den gelben Rettungshubschraubern richtig gute Arbeit für seine Mitglieder (meistens jedenfalls). Andererseits ist Deutschlands zweitgrößter Verein durch die Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" und die durch den stern aufgedeckten Reisen per Rettungshubschrauber durch Präsidium und regionale Funktionäre schwer in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt.

Mischung aus Allmacht und Überheblichkeit

Die Skandale haben eine Führungskultur offenbart, die noch aus dem 19. Jahrhundert zu stammen scheint: Der Fürst entscheidet, egal wie die Regeln oder Gepflogenheiten anderswo sind. Wer kann allen Ernstes glauben, es sei in Ordnung, mit Rettungshubschraubern zu Diskussionsrunden von Kfz-Sachverständigen zu fliegen, weil der Termin für den Herrn Präsidenten sonst nicht zu schaffen gewesen wäre.

Peter Meyer hat in seinem Handeln beim ADAC ein Selbstverständnis offenbart, dass mit modernen Organisationsstrukturen in einem Wirtschaftsunternehmen, wie es der ADAC ist, nicht zu vereinbaren ist. Corporate Governance? Fehlanzeige! Stattdessen eine Mischung aus Allmacht und Überheblichkeit.

Dazu passt, dass Meyer nicht sofort die Konsequenz zog, als der Skandal öffentlich wurde. Immerhin stand er dem Verein seit 2001 vor und trug damit auch die Verantwortung für vermeintliche Fehlentwicklungen, von denen er - wie immer wieder behauptet - nichts gewusst haben will. Meyer zuckte auch nicht, als ihn Präsidium und Regionalfürsten intern zum Rücktritt drängten.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Meyer will weiterhin Chef bleiben

Er ertrug sogar mehrere Tage lang eine Diskussion über seine mögliche Suspendierung, bevor er sich jetzt mit wehleidiger Geste aus dem Amt zurückzog: Er wolle nicht länger für die Verfehlungen der Hauptamtlichen alleine verantwortlich gemacht werden, ließ er verlauten. Einsicht klingt anders. Und: Meyer möchte auch weiterhin den ADAC-Regionalclub Nordrhein führen. Das grenzt an Hybris.

Man kann dem ADAC nur wünschen, dass mit dem überfälligen Abgang des einst übermächtigen Meyer jetzt keine Ruhe in der Münchener Zentrale einkehrt. Meyers Ende ist der Anfang der Aufarbeitung der ADAC-Misere. Der 19-Millionen-Mitglieder-Club braucht jetzt endlich eine moderne Führungsstruktur. Das ist er sich und seinen Mitgliedern schuldig. Im Mai wird ein neuer Präsident gewählt. Bis dahin wird der ab sofort kommissarisch amtierende August Markl, 65, zeigen müssen, ob er solche Veränderungen voran bringen kann und will. Die äußeren Anzeichen sind nicht die besten: Markl hat viele Jahre an Meyers Seite gearbeitet.

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