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Formel E - Formel 1: Wem gehört die Zukunft?

Die Formel E ist in ihrer fünften Saison. Die renommiertesten Autohersteller der Welt standen Schlange, um einen Startplatz in der Elektroserie zu ergattern. Doch als Konkurrenz zu Rennserien wie der Formel 1 nimmt die Formel E bisher kaum jemand wahr. Könnte sich das in den nächsten Jahren ändern?

BMW Formel E

BMW Formel E

Das achte Rennen - der achte Sieger. Am vergangenen Wochenende konnte sich Robin Frijns beim Rennen in Paris zum ersten Mal in die Siegerlisten der Formel E eintragen. "Das war ein sehr gutes Ergebnis in einem extrem aufregenden Rennen", so Audi-Motorsportchef Dieter Gass, "es gab so viel Action auf der Strecke mit dem wechselhaften Wetter, mehreren Gelbphasen und dem Safety-Car. Bisher hat es acht verschiedene Sieger gegeben, aber drei davon fuhren einen Audi." Am gleichen Wochenende war die Formel 1 in Baku / Aserbaidschan unterwegs. Ebenfalls ein Stadtkurs und ebenfalls beeindruckende Bilder. Doch im vierten Rennen gab es den vierten Doppelsieg für Mercedes - Ferrari fährt nur hinterher und der Rest sowieso. Spannender ist es ohne Frage in der Formel E, auch wenn die Rennserie von echten Motorsportfans nach wie vor belächelt wird.

Wem gehört die Zukunft?
BMW Formel E

BMW Formel E

Die Formel E hat sich den in vergangenen fünf Jahren gemausert und so ist es kein Wunder, dass sich die Autohersteller längst die Finger nach der anfangs müde belächelten Rennserie ohne Benzingeruch lecken. Nach Marken wir Audi, Renault (mittlerweile durch Konzerntochter Nissan vertreten) oder Mahindra sind mittlerweile weitere Hersteller auf den elektrischen Zug in die Zukunft aufgesprungen. Jaguar, BMW und Mercedes (bis zur sechsten Saison durch HWA Racelab vertreten) fahren ebenfalls mit und Porsche steht in den Startlöchern. Formel-E-Chefvermarkter Alejandro Agag: "Die Formel E möchte sich zu der Plattform entwickeln, auf der die Automobilhersteller neue Technologien testen und entwickeln, bevor sie sie in ihren Straßenfahrzeugen einführen. Die Formel E entwickelt sich zu einer spannenden Mischung aus etablierten Herstellern wie DS, Audi, Mahindra oder Jaguar sowie neuen futuristischen Marken wie Nio oder großen Komponentenherstellern wie Schaeffler und ZF."

Bei den deutschen Premiumherstellern haderte man lange. Doch der Druck, eine nennenswerte Zahl von Elektroautos auf die Straße zu bringen, wird immer größer. Da kommt eine Rennserie, die motorsportlich weitgehend unbefleckte Familien als potenzielle Elektrofans auf die Zuschauertribünen der Innenstadtkurse bringt, gerade recht. "In den letzten zehn Jahren haben wir uns hier mit BMW i eine führende Position in der Automobilindustrie erarbeitet", so BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, "durch unsere Partnerschaft mit Andretti in der Formel E findet jetzt im Unternehmen zusätzlich ein intensiver Austausch zwischen Rennsport und Serienentwicklung statt, von dem beide profitieren."

"Mit den gewonnenen Erkenntnissen werden wir bei der Entwicklung des Porsche Antriebsstrangs einen großen Schritt vorwärts machen", so Malte Huneke, technischer Projektleiter bei Porsche, die in der nächsten Saison einsteigen, "vor uns liegt noch eine Menge Arbeit, aber die Entwicklung verläuft absolut planmäßig." Dabei hat die Formel E mit den gleichen technischen Problemen zu kämpfen wie die Elektroautos auf der Straße. Doch mittlerweile müssen die Piloten nicht mehr zur Mitte des Rennens peinlich das Auto wechseln, weil die Standardakkus nicht für ein ganzes 60-Minuten-Rennen langten. "Man bekommt beim Rennen einfach mehr von den Fans mit", erklärt Daniel Abt, der seit der ersten Saison von das Team Abt-Schaeffler ins Steuer greift, "natürlich muss man sich im Vergleich zu anderen Serien umstellen. In den Städten gibt es viele 90 Grad Kurven, zudem ist es wellig wir haben eben nur einen bestimmten Energiegehalt. Damit muss man haushalten." Die Strecken befinden sich anders als bei den meisten anderen Rennserien in Innenstädten von attraktiven Metropolen wie Hong Kong, New York, Mexiko City, Marrakesch oder Berlin. So wird der Rennsamstag schnell zu einem bunten Wochenendausflug. Training, Rahmenprogramm und Rennen - alles an einem Tag. Da kommt man zu überschaubaren Preisen auch einmal mit der ganzen Familie vorbei. Einigen ist das Ganze sogar zu komprimiert.

"Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich nach meiner Zeit in der Formel 1 einmal in der Formel E fahren werde", so der amtierende Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton. Jean-Eric Vergne hat diesen Wechsel ebenso schon hinter sich wie Stoffel Vandoorne. Nach drei Jahren in der Königsklasse des Motorsports wechselte der junge Belgier Ende vergangenen Jahres ins Formel-E-Team von HWA Racelab und ist seither in einem elektrischen Monoposto unterwegs. "Das Fahren in der Formel E ist etwas ganz anderes. Nicht nur durch die Einheitsreifen und das entsprechende Chassis, sondern auch das Fahren selbst kann man kaum vergleichen", erklärt Vandoorne, "in der Formel 1 geht es darum, das Beste aus dem Wagen auf der entsprechenden Strecke herauszuholen. Doch in der Formel E spielt das Energiemanagement eine große Rolle. Wann gehe ich vom Gas und wie kann ich das meiste aus meiner Fahrweise herausholen, damit ich am Ende des Rennens noch attackieren kann."

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"Das in der Formel E wäre nichts für mich", blickt Rekord-DTM-Champion Bernd Schneider auf seine aktive Zeit als Rennfahrer zurück, "ich wollte immer so schnell fahren wie es geht, aus mir und dem Auto das beste herausholen und so schnell wie möglich sein. Ich bin froh, dass ich zu einer anderen Zeit Rennfahrer in der DTM gewesen bin." Hört man sich an den Rennstrecken dieser Welt in Australien, Deutschland, den USA oder Singapur um, teilen viele die Ansicht von DTM-Legende Bernd Schneider. Bei Geräuschkulisse und Höchstgeschwindigkeiten muss der langjährige Monaco-Fan Abstriche machen; bei der Rennaktion allerdings keinesfalls. Kein Röhren, kein Benzingeruch, sondern allenfalls Surren und eine ungewöhnliche Geräuschkulisse, wenn die 900 Kilogramm schweren Monoposti vor der Kurve rekuperieren und über Streckenbegrenzungen düsen. Die bis zu 250 kW reichen für Tempo 240 und mittlerweile ein ganzes Rennen Spannung, denn jeder kann seine Energiemenge von 52 kWh ganz nach Gusto und Strategie einsetzen. Die Fans können dabei direkt Einfluss in das Renngeschehen nehmen. Per Fan-Boost bekommen die beliebtesten Fahrer einen kurzzeitigen Leistungsnachschlag von 272 auf bis zu 340 PS und können die Konkurrenz so in Schach halten. Wenn Porsche Ende des Jahres in die neue Saison einsteigt, wird es noch einmal spannender. Abwarten, ob die Serie dann im Vergleich zur Formel 1, Nascar und Co. mehr als realer Motorsport wahrgenommen wird.

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