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Techno Classica 2014: Essen auf alten Rädern

Mitten im Ruhrgebiet startet die größte automobile Klassikschau der Welt. Über 2.500 Autos können nicht nur bestaunt, sondern auch gleich mitgenommen werden.

Fast 200.000 Zuschauer können sich nicht irren: die Techno Classica zieht Klassikfans aus der ganzen Welt an. Die jährlich in Essen stattfindende Klassikmesse die weltweit größte ihrer Art. In diesem Jahr "stellen sich die Aussteller vom 26. bis zum 20. März so hochwertig vor, wie nie zuvor", schwärmt Oliver Kuhrt, Vorsitzender der Messe-Geschäftsführung. Doch nicht die pure Ausstellung der Fahrzeuge, sondern die Möglichkeit über 2.500 Autos jeder Preisklasse direkt von der Messe weg zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen, macht diese Messe insbesondere für Sammler und Bewunderer interessant. "Hier werden nicht nur Autos, sondern Träume verkauft", bringt es Oliver Kuhrt auf den Punkt. Wer mitten im Pott jedoch auf ein Schnäppchen hofft, wird leider enttäuscht werden. Die Preise sind alles andere als einsteigerfreundlich.

Über 300 Anbieter haben in diesem Jahr ihre automobilen Schätze mit an die Gruga gebracht. Allein 27 von ihnen sind Fahrzeughersteller, die imageträchtig ihre Klassikabteilungen präsentieren. Allen voran zeigt sich Mercedes-Benz mit einem gewaltigen Messestand, dem mit 4.800 Quadratmetern zweitgrößten der Welt nach Frankfurt, um genau zu sein. 36 Motorsportfahrzeuge aus allen Epochen stehen neben-, über- und untereinander - das sind so viele Wettbewerbsfahrzeuge auf einem Haufen wie nie zuvor. Vom Mercedes-Simplex 40 PS aus dem Jahr 1902 bis hin zum Formel 1-Boliden der vergangenen Saison scheint bei der Marke mit dem Stern alles im Scheinwerferlicht, was die Klassikabteilung zu bieten hat.

Bei der ebenso dem Rennsport verschriebenen Marke aus Zuffenhausen feiert in diesem Jahr Porsches erstes Serienfahrzeug sein 40 jähriges Bestehen, bei dem die Leistungssteigerung durch einen Abgasturbolader erzielt wird, der Turbo. Aus diesem Grund steht einer der ersten 260 PS starken 911 Turbo 3.0 Coupes aus dem Jahr 1976 auf dem Stand. Damit nicht nur die alten Fans, sondern auch jüngeres Publikum den Weg auf den Porschestand findet, wurde extra aus Kalifornien der Porschesammler und Modeikone Magnus Walker eingeflogen. Der zottelige Mann mit softer Stimme, der unter anderem Madonna und Alice Cooper mit Kleidung versorgt hat, gibt eifrig Autogramme.

Dieselbe hauseigene VW-Konzernhalle teilen sich die Porsche-Ständler mit Audi, VW, Seat, Skoda, Lamborghini, Bugatti und Bentley. Die Preziosen-Pärchen sind ungezählt. Eines von ihnen besteht zum Beispiel aus einem VW 1600 L Variant Typ 3 und dem VW Passat Variant. Bei Skoda sind Meilensteine ihrer tschechischen Firmenhistorie ausgestellt, darunter eines der ältesten Fahrzeuge der Messe: der Laurin und Klement aus dem Jahr 1905. Bei VW selbst ist einer der ersten VW Golf I zu sehen, der 1974 den Grundstein für die bis heute erfolgreiche 40 jährige Karriere des Kompaktwagens legte. Sportlich wie bei Mercedes und Porsche geht es gewöhnlich bei Audi zur Sache. So auch in diesem Jahr. Neben zwei Le Mans-Fahrzeugen sind auch Rennsportraritäten wie ein Wanderer Stromlinie Spezial von 1939 zu sehen. Der von Ferdinand Porsche für Wanderer konstruierte 2-Liter-Sechszylinder-Leichtmetallmotor wurde dabei mit drei Vergasern auf eine Leistung von 60 PS gebracht.

Während sich die Hersteller auf das Ausstellen und Präsentieren spezialisiert haben, geht unterdessen auf dem Freigelände von morgens bis abends und auf der Coys-Auktion am Samstag das Bieten und Feilschen los. Geboten wird bei Coys in diesem Jahr unter anderem auf einen 1930 Alfa Romeo 6C 1500 Super Sport Zagato, der rund 1,5 Millionen Euro wert sein soll. Am anderen Ende der automobilen Nahrungskette steht ein 1959er King S7 für rund 6.000 Euro zum Ersteigern bereit. Ebenfalls edel, jedoch für reine Autokäufer nicht von Interesse, ist das Fahrzeugaufgebot rund um die S.I.H.A.-Burg in Halle 6. Zu Ehren des 95. Geburtstags der Marke Zagato stehen dort zehn der schönsten und vor allem unverkäuflichen Autos mit Zagato-Karosserie.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Dem eigenen Geburtstag vom 17. April vorgreifen will Ford mit einer ganzen Mustang-Reihe. Einer der bekanntesten und zugleich auch beliebtesten Oldtimer der Welt feiert in rund drei Wochen seinen 50. Glatt doppelt so alt, jedoch als ganze Marke, ist Maserati in diesem Jahr geworden. Unter dem Motto 100 Jahre Maserati - La Tradizione Italiana Sportiva 1914 - 2014, sind bei den Italienern jede Menge rassiger Schönheiten zu sehen. Vielleicht nicht unbedingt eine Schönheit mehr, doch in geschichtlicher Hinsicht ein ganz Großer, ist der Morris Mini Cooper S Rallye Werkswagen 33 EJB. Das kleine Auto fuhr am 21. Januar 1964 mit der Startnummer 37 erstmals für die Marke Mini die Rallye Monte Carlo - und gewann. Dem irischen Fahrer Patrick Hopkirk und seinem Co-Piloten Henry Liddon war das Kunststück gelungen, sich mit dem britischen Kleinwagen gegen eine vermeintliche Übermacht deutlich leistungsstärkerer Konkurrenten durchzusetzen. Ein paar Meter vom stählernen Zwerg entfernt thronen der neue und der alte Rolls-Royce Wraith Tür an Tür.

Trotz der schier endlosen Zahl an automobilen Schönheiten jeden Alters, finden sich auch 2014 große Hallenteile in der Hand von Restaurateuren, Teilelieferanten und Krimskrams-Verkäufer. Von der einfachen Ersatzlampe, über einen individualisierten Schaltknauf bis hin zur Kompletrestauration ist für jeden etwas dabei. Doch was bei den zu kaufenden Gesamtfahrzeugen auf der Techno Classica 2014 gilt, trifft auch auf die vielen Kleinigkeiten zu: günstig ist so ein Messekauf leider nicht.

Press-Inform / pressinform

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