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VW-Abgasskandal Briten fahnden nach Abgas-Software


Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ist am Mittwoch nach der Aufregung um die manipulierten Diesel-Fahrzeuge zurückgetreten. Jetzt steht offenbar sein Nachfolger fest. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Volkswagens Abgas-Skandal zieht immer weitere Kreise. Was viele vermuteten, bestätigt sich jetzt: Auch Europa ist betroffen. Während sich in den USA ein Klage-Sturm zusammenbraut, hat der Aufsichtsrat nach dem Aus von VW-Chef Winterkorn offenbar schon einen Nachfolger gefunden. Auch Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg und Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz müssen ihre Posten wahrscheinlich räumen. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen:

+++ 18 Uhr: Briten fahnden in der Autobranche nach Abgas-Software +++

Aufgeschreckt durch den VW-Skandal nimmt auch Großbritannien die Autobranche genauer unter die Lupe. In Zusammenarbeit mit den Fahrzeugherstellern solle sichergestellt werden, dass der Einsatz von Software zur Abgas-Manipulation keine industrieweite Praxis sei, erklärt das Londoner Verkehrsministerium. Dafür werde die Kraftfahrtbehörde Emissionstests auf Prüfständen wiederholen und sie falls nötig mit den Abgaswerten im tatsächlichen Fahrbetrieb vergleichen. "Wo es nötig sei", würden Tests im Labor wiederholt und die Ergebnisse mit tatsächlichen Emissionen verglichen, sagte Verkehrsminister Patrick McLoughlin am Donnerstag in London. Die Regierung nehme die "inakzeptable Vorgehensweise" bei Europas größtem Autobauer "extrem ernst". Großbritannien fordere, europaweit zu untersuchen, welche Autos betroffen seien, sagte McLoughlin.

+++ 17.16 Uhr: Moody's senkt VW-Ausblick auf "negativ" +++

Als dritte große Ratingagentur senkt auch Moody's den Daumen über Volkswagen. Die Bonitätswächter drohen mit einer Herabstufung und senken den Ausblick für die Kreditwürdigkeit auf "negativ" von "stabil". Die Bonitätsnote verharrt vorerst bei "A2". Die Ratingagenturen Fitch und S&P hatten bereits zuvor erklärt, die Bonitätsnote des weltgrößten Autobauers auf eine Herabstufung zu prüfen.

+++ 16.39 Uhr: Porsche-Chef Müller wird wohl neuer VW-Boss +++

Porsche-Chef Matthias Müller wird einem Insider zufolge neuer Vorstandschef von Volkswagen. Der Aufsichtsrat werde den 62-jährigen Manager am Freitag zum Nachfolger von Martin Winterkorn bestellen, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person.

+++ 16.20 Uhr: Frankreich plant Stichproben bei Dieselautos +++

Die französische Regierung plant Stichproben auf Abgas-Manipulationssoftware bei Dieselautos. Das sagte Umweltministerin Segolene Royal nach Gesprächen mit den Herstellern Peugeot und Renault.

+++ 16.15 Uhr: Skoda-Chef soll US-Geschäft übernehmen +++

VW plant Insidern zufolge im Konzernvorstand ein eigenes Ressort für das US-Geschäft. Kandidat für den Posten ist Skoda-Chef Winfried Vahland.

+++ 15.40 Uhr: BMW- und Daimler-CDS verteuern sich kräftig +++

Ein Zeitungsbericht über überhöhte Abgas-Werte bei BMW -Fahrzeugen hat Spekulationen um Belastungen in Milliardenhöhe genährt. Vor diesem Hintergrund verteuert sich die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets von Anleihen des Autobauers um knapp die Hälfte auf 114.730 Euro. Die Credit Default Swaps (CDS) auf Verbindlichkeiten des Erzrivalen Daimler steigen ähnlich stark auf 99.010 Euro. VW-CDS verbilligen sich zwar leicht auf 207.550 Euro, kosten damit aber immer noch knapp drei Mal so viel wie vor Bekanntwerden der US-Abgasaffäre des Wolfsburger Konzerns. 

+++ 14.55 Uhr: Skandal weitet sich auf Skoda und Seat aus +++

Von den Problemen mit manipulierten Abgaswerten bei VW sind neben Audi weitere Konzerntöchter betroffen. Innerhalb des Konzerns teilen sich die Unternehmen etliche Bauteile, darunter auch Motoren und Getriebe. Ein Sprecher der Volkswagentochter Skoda bestätigt, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den betroffenen Dieselmotoren ausgerüstet worden. Bei aktuellen Modellen gebe es keine Probleme.

Auch Seat bestätigt, dass in dem Werk der spanischen VW-Tochter Fahrzeuge mit der manipulierten Diesel-Technologie montiert worden seien. Die genaue Zahl sei nicht bekannt, verlautete aus Unternehmenskreisen. Eine Untersuchung solle nähere Aufschlüsse bringen.

+++ 14.25 Uhr: Ermittlungen gegen VW in Italien +++

Die Staatsanwaltschaft in Turin leitet Justizkreisen zufolge Vorermittlungen gegen Volkswagen ein. Es soll überprüft werden, ob auch in Italien Abgaswerte manupuliert wurden. Nach eigenen Angaben prüft VW bereits nach eigenen Angaben, ob in Italien verkaufte Dieselautos ebenfalls die in den USA aufgefallene Manipulations-Software an Bord hatten.

+++ 14.11 Uhr: Schwedische Nordea-Bank verbietet Kauf von VW-Aktien +++

Die schwedische Bank Nordea untersagt ihren Händlern vor dem Hintergrund des VW-Skandals den Kauf von Volkswagen-Aktien. Das bestätigt eine Sprecherin der Bank in Stockholm. Die Entscheidung sei am Mittwoch gefallen. Wie lange das Verbot gelten sollte, sagt die Sprecherin nicht. Der schwedischen Zeitung "Dagens Industri" zufolge soll es für sechs Monate aufrechterhalten werden.

+++ 13.35 Uhr: Hackenberg und Hatz müssen VW-Konzern verlassen +++

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, müssen Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg und Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz zurücktreten. Das will die Zeitung aus Konzernkreisen erfahren haben. Damit sollen die beiden Entwicklungsvorstände technische Verantwortung für die Abgas-Affäre übernehmen. Ihr Rücktritt soll voraussichtlich am Freitag bei der VW-Aufsichtsratssitzung beschlossen werden.

Die beiden Manager waren viele Jahre für VW tätig, Hackenberg als Entwicklungschef und Hatz als oberster Motorenentwickler. Der Einbau der verbotenen Software fällt dem Bericht zufolge in ihre Amtszeit. Volkswagen, Audi und Porsche lehnten eine Stellungnahme ab.

Hackenberg war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt. Er gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen.

+++ 12:04 Uhr: Dobrindt: Skandal betrifft auch Autos in Europa +++

Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an VW-Dieselfahrzeugen sind auch Autos in Europa betroffen. Das hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin mitgeteilt.

+++ 11:27 Uhr: Motorentyp in vier Audi-Modellen verbaut +++

Bei der Überprüfung des Abgas-Skandals müssen auch vier Modellreihen der VW-Tochter Audi unter die Lupe genommen werden. Der Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, so ein Audi-Sprecher. Zuvor hatte es entsprechende Medienberichte gegeben. Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, sei ebenfalls noch unklar.

+++ 11:21 Uhr: VW will Freitag weitere Verantwortliche benennen +++

Aus VW-Insiderkreisen verlautet, dass der Aufsichtsrat des Konzerns am Freitag weitere Personalentscheidungen im Abgasskandal verkünden wird. Offenbar werden weitere Verantwortliche das Unternhemen verlassen müssen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Am Freitag soll zudem der Nachfolger für den zurückgetretenen VW-Chef Winterkorn benannt werden.

+++ 11:00 Uhr: Nachrichtenportal Bloomberg rechnet aus: So stark wurde die Umwelt verschmutzt +++

Bei den geschönten Abgas-Werten von Volkswagen hat der tatsächliche Ausstoß von Stickoxid die gesetzliche zugelassene Höchstmenge teilweise um das vierzigfache überschritten. Die Nachrichtenseite "Bloomberg Business" hat jetzt ausgerechnet, dass bei den 482.000 betroffenen Autos in den USA fast 12.000 Tonnen zusätzliches Stickoxid pro Jahr in die Luft geblasen wurde.

+++ 9:42 Uhr: Volkswagen-Aktie legt nach Rücktritt von Martin Winterkorn wieder zu +++

Nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn hat sich die Volkswagen-Aktie zunächst erholt. Seit Börsenstart in Frankfurt am Main stieg das Wertpapier am Donnerstag zeitweise um über sechs Prozent auf rund 118 Euro. Am Montag begann der dramatische Kurssturz, am Dienstag sank die Vorzugsaktie auf 101,75 Euro ab - ein Verlust von 20 Prozent. Noch vor genau einer Woche, am 17. September, schloss die Aktie bei 167,90 Euro.

+++ 9:14 Uhr: VW-Aufsichtsrat fordert weitere personelle Konsequenzen +++

Der niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) erwartet, dass es im Zuge des VW-Abgas-Skandals nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn zu weiteren personellen Konsequenzen kommen wird. Lies, der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, sagte im rbb-Inforadio am Donnerstag: "In den nächsten Tagen, davon gehe ich aus, wird es auch weitere personelle Konsequenzen geben. Es muss ja Verantwortliche geben, die zugelassen haben, dass die Manipulation von Abgaswerten möglich ist. Und die, die herausgefunden werden, haben auch die Konsequenzen zu tragen. Die haben dem Unternehmen Schaden zugefügt." Das Bundesland Niedersachsen hält 20 Prozent am Volkswagen-Konzern. 

+++ 8:47 Uhr: Klagewelle gegen VW in den USA +++

Auf den Volkswagen-Konzern kommt wegen der Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselautos eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada zu. Rund 40 solcher Klagen sind dort nach Informationen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" bereits eingereicht worden. Kläger sind demnach vor allem private Autokäufer, in einem Fall auch ein Autohändler. Die Käufer sehen sich in Sachen Umweltfreundlichkeit von VW getäuscht.

+++ 7:07 Uhr: Volkswagen fordert im April Kunden aus Kalifornien zum Software-Update auf +++

Volkswagen hat bereits im April Briefe an kalifornische Diesel-Fahrer geschickt. Darin wurden die Besitzer von VW- und Audi-Fahrzeugen dazu aufgefordert, ihre Autos zu den Händlern zu bringen, um eine neue Software zu bekommen. Diese solle die Emissionen optimieren. Der Konzern wollte diesen Brief nicht kommentieren.

+++ 6:31 Uhr: US-Klagen gegen Volkswagen sollen in Kalifornien verhandelt werden +++

Ein US-Bundesgericht in Kalifornien soll sich mit den Sammelklagen gegen Volkswagen wegen des Abgas-Skandals befassen. Am Mittwoch beantragte ein Klägeranwalt, mindestens zwei Dutzend Klagen zusammenzufassen und an das Gericht von Bezirksrichter Fernando Olguin zu verweisen. Hier hat man Erfahrung mit Klagen gegen Autobauer: Toyota erklärte sich 2012 in einem Vergleich zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar bereit, um eine Sammelklage wegen Problemen mit Fußmatten und klemmenden Gaspedalen beizulegen. Hyundai und Kia haben sich verpflichtet, 255 Millionen Dollar zu zahlen, weil sie einen zu niedrigen Benzinverbrauch angegeben hatten.

+++ 2:11 Uhr: Volker Kauder fürchtet, der VW-Skandal wird der gesamte Autoindustrie schaden +++

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen wird nach Einschätzung von Unionsfraktionschef Volker Kauder negative Konsequenzen für die gesamte Branche haben. "Ich fürchte, dass die gesamte Automobilindustrie einen Schaden davonträgt", sagte Kauder den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Vorfall mache ihn "fassungslos", ergänzte der CDU-Politiker. Sein Wahlkreis liegt in Baden-Württemberg, wo unter anderem mit Daimler und Porsche wichtige Autokonzerne beheimatet sind.

ivi/law DPA AFP Reuters

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