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Diesel-Skandal bei Volkswagen VW-Kunden sind die wahren Opfer - was sie jetzt wissen müssen


Vorstandschef Martin Winterkorn geht, die VW-Aktie rauscht in den Keller. Das ist hohe Politik, doch das wirkliche Drama steht unter den Car Ports. Egal, wie der Diesel-Skandal ausgeht: Die Besitzer eines Problemmotors sind die wahren Opfer von Diesel-Gate.

Der Diesel-Skandal betrifft zurzeit bislang nur die Kunden des Volkswagenkonzern, betroffen sind aber alle Tochtermarken. Es geht also nicht nur um VWs, sondern auch um Audis, Skodas und Seats.

Können die Kunden anderer Automarken jetzt aufatmen?

Nein. Die Umweltorganisation ICCT deckte den Diesel-Skandal von Volkswagen auf. In anderen Messreihen wurden aber auch bei anderen Marken erhebliche Abweichungen von den offiziellen Werten festgestellt. Gegenüber der "Auto Bild" sagte Peter Mock vom ICCT, dass auch ein aktueller BMW X3 die Normen um das Elffache überschritten habe. Das ist eine größere Abweichung, als beim VW Passat festgestellt wurde. Ob dafür auch eine Betrugssoftware verantwortlich war, konnte Mock aber nicht beantworten. Der getestete 2-Liter-Diesel gehört zu den Standardtriebwerken von BMW. Allerdings beteuern BMW, Mercedes und auch Ford, dass sie eine weiße Weste hätten.

In welchen Autos steckt der Problemmotor?

Bei Volkswagen handelt sich um den Vierzylinder-Dieselmotor "EA 189" mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum, der seit 2008 im Konzern verbaut wird. Er treibt Jetta, Golf, Beetle, Tiguan und Passat an, aber auch Modelle von Audi, Skoda und Seat. Bei Audi ist er verbaut in den Modellreihen A1, A3, A4 und A6, bei Skoda zumindest teilweise in den Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013. Insgesamt sind laut Volkswagen elf Millionen Fahrzeuge betroffen, der Konzern arbeitet mit Hochdruck an einer Liste, welche Modelle genau betroffen sind.

Woran erkenne ich, dass ein solcher Motor in meinem Auto verbaut ist?

Das lässt sich an der Motornummer erkennen - diese besteht aus maximal drei Buchstaben und einer Zahl - im aktuellen Fall aus "EA189". "Die Motornummer steht eingeschlagen im Motorblock", erklärt eine Mitarbeiterin vom Autohaus Volkswagen Automobile Frankfurt.

Ich haben einen Diesel von Volkswagen - wie bin ich betroffen?

Das kann man derzeit noch nicht sagen. Volkswagen gibt an, dass die Software zwar auf allen Motorsteuergeräten aufgespielt sei, aber nicht aktiv werde. Stimmt diese Aussage, leiden die deutschen VW-Diesel nicht unter dem in den USA entdeckten Phänomen. Aufklärung können nur die von Verkehrsminister Dobrindt angeordneten neuen, objektiven Tests bringen. Best Case: Die VW-Diesel haben in Deutschland nicht geschummelt. Dann gibt es nach dem Schock eine Entwarnung. Worst Case: Die Autos halten auch hier die Abgasnormen nicht ein.

Aktualisierung: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt teilte mit, dass auch Fahrzeuge in Europa von den Manipulationen betroffen seien. Das habe Untersuchungskommission am Mittwoch bei ersten Gesprächen in Wolfsburg erfahren. Ein Happy-End für die Kunden von Volkswagen wird also immer unwahrscheinlicher.

Nachbesserung abwarten

Angenommen, der Motor versagt beim Dobrindt-Test. Auf eigene Faust kann niemand das Problem lösen. Aber VW wird einen Rückruf anbieten und versuchen den Motor regelkonform umzurüsten. Die Frage ist aber, ob das gelingt. Sollte eine neue Steuersoftware ausreichen, würde das an ein Wunder grenzen. Zu vermuten ist, dass es gelingt, irgendwie die Schadstoffgrenzen einzuhalten, aber andere Faktoren wie Leistung, Verbrauch oder der Verbrauch eines Additivs unter der Nachjustierung leiden. Ist das in einem gravierenden Ausmaß der Fall, können Kunden Schadenersatz oder Rücknahme verlangen. Für solche Überlegungen ist es jetzt allerdings zu früh. 

Ich habe einen Wagen mit Problemmotor bestellt. Was nun?

Wer so einen Wagen bestellt hat, muss sich gut überlegen, ob er das Fahrzeug auch abnehmen will, oder ob er nicht vom Kauf zurücktreten möchte. Es ist nicht anzunehmen, dass Volkswagen in der jetzigen Situation auf Erfüllung der Verträge drängen wird. Zu erwarten ist, dass der Händler unwilligen Kunden ein gleichwertiges Fahrzeug mit Benzinmotor empfehlen wird. Das dürfte der Weg des geringsten Widerstandes sein, um die missliche Situation aufzulösen. Zumal auch beim Wechsel auf den Diesel einer anderen Marke eine Unsicherheit bleibt.

Ich will einen Wagen mit Problemmotor verkaufen

Das ist individuell gesehen die denkbar schlechteste Situation. Pech gehabt, muss man sagen. Im freien Markt ist die Nachfrage nach diesen Modellen nach Auskunft von Autoportalen bereits zusammengebrochen. So ein Auto wird man jetzt nicht verkaufen können und wenn doch, dann nur mit massiven Abschlägen. Am besten man richtet sich darauf ein, den Alten noch länger zu fahren. Und selbst wenn Volkswagen die Situation in Deutschland schnell und zufriedenstellend bereinigen kann, werden die Gebrauchtwagenpreise nicht das Niveau vor dem Dieselgate erreichen.

Die bittere Botschaft: Alle Besitzer eines EA-189-Diesel haben in der letzten Woche ein paar Tausend Euro Verlust gemacht. In abgeschwächter Form dürfte der Wertverlust auch andere Hersteller betreffen: Wer jetzt einen Diesel, der die Euronorm 5 oder 6 erfüllen sollte, verkaufen will, hat schlechte Karten. Aufatmen können paradoxerweise die Besitzer alter Stinker, diese Wagen erreichen die aktuellen Normen ohnehin nicht.


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