Rallye Dakar Peterhansel fährt allen davon


Der Titelverteidiger der Rallye Dakar, Stéphane Peterhansel, liegt auch nach der zehnten Etappe in Führung. Überschattet wurde das Wüsten-Spektakel von einem tragischen Unfall: Der Motorradfahrer Andy Caldecott stürzte - und starb.
Von Christian Gebhardt

Schon auf der neunten - und mit 874 Kilometer längsten - Etappe fuhr Rekordsieger Stéphane Peterhansel (sechs Motorrad-Siege und zwei Triumphe mit dem Auto) der gesamten Konkurrenz davon. Mit seinem Tagessieg baute der Franzose seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus. Nur Ex-Skirennläufer Luc Alphand konnte dem hohen Tempo seines Teamkollegen folgen. Als Zweiter der Tageswertung sicherte er nicht nur dem Mitsubishi-Team einen weiteren Doppelsieg, sondern festigte zugleich seinen zweiten Gesamtrang. "In den drei besonders schwierigen Prüfungen in Afrika haben wir eine gute Leistung gezeigt. Stéphane und Luc haben heute ihre Sache sehr gut gemacht", lobte Mitsubishi-Teamchef Dominique Serieys die Leistung seiner Piloten.

Auch auf der zehn Tagesetappe vom mauretanischen Kiffa nach Kayes in Mali zeigte Peterhansel seine ganze Dakar-Erfahrung. Mit schneller, aber kontrollierter Fahrweise belegte der Spitzenreiter Position drei in der Tageswertung und festigte damit seine Gesamt-Führung. "Das war keine leichte Etappe. Zwischen den Bäumen und den Felsen musste man sehr vorsichtig sein und es war schwierig, einen Rhythmus zu finden. Wir hatten allerdings keinerlei Probleme mit dem Auto", teilte das französische Dakar-Ass mit.

Vierter Tagessieg für VW

Nicht sehr vorsichtig ging Luc Alphand auf der Etappe mit seinem Mitsubishi Pajero Evolution um. Der Gesamt-Zweite rammte einen Baum und verlor nach einem Schaden an der Vorderachse und anschließender Reparatur eine halbe Stunde. In der Gesamtwertung bleibt Alphand trotz dieses Ausrutschers mit 40,04 Minuten Rückstand auf Position zwei.

Schnellster Mitsubishi-Fahrer auf Etappe zehn wurde Joan Nani Roma als Zweiter hinter seinem spanischen Landsmann Carlos Sainz. Der ehemalige Rallye-Weltmeister und Dakar-Neuling sicherte Volkswagen damit den vierten Tagessieg bei der Dakar 2006. "Ein riesiges Dankeschön an die Mechaniker, die in der vergangenen Nacht den Motor revidiert haben, der am Tag zuvor zu heiß geworden war. Der Tagessieg ist mein Dankeschön für die gute Arbeit, denn der Race Touareg lief erneut wie eine Eins", freute sich Sainz, der in der Gesamtwertung allerdings abgeschlagen auf Rang 12 liegt (10:13.49 Stunden Rückstand).

Kleinschmidt im Rückstand

Auch für Jutta Kleinschmidt ist der Dakar-Gesamtsieg in weite Ferne gerückt. Die Deutsche, die als erste und bisher einzige Frau die Dakar 2001 schon einmal gewonnen hatte, verlor auch auf der zehnten von 15 Wüsten-Etappen weiter an Boden und liegt mit knapp zwei Stunden Rückstand auf Spitzenreiter Peterhansel nur auf Position fünf. "Die Navigation war heute sehr schwierig, wir haben etwa fünf mal richtig gesucht, weil das Roadbook sehr ungenau war. Mit dem Heck habe ich ein Hindernis leicht berührt und dabei einen Teil der Verkleidung abgerissen", klagte die deutsche Dakar-Pilotin über Probleme, wie auch schon am Tag zuvor, als ihr Race Touareg überhitzte.

Bester Volkswagen-Pilot bleibt weiterhin Giniel de Villiers. Der Südafrikaner liegt mit seiner schwedischen Beifahrerin Tina Thörner auf Gesamtrang drei (Rückstand: 1:03.17 Stunden). "Ich habe bei der Rallye Dakar noch nie auf dem Podium gestanden. Wir gehen jetzt Prüfung für Prüfung an und werden unser Bestes geben. Wir wollen ein Tempo fahren, bei dem wir ohne Risiko zeigen, was wir können, aber das oberste Ziel ist es natürlich, am Sonntag die Rampe in Dakar zu überqueren", steckte de Villiers seine Ziele für die verbleibenden fünf Etappen des Wüsten-Klassikers fest.

Tragischer Unfall

Für die Dakar-Motorrad-Piloten wurde die zehnte Etappe zu einer Trauerfahrt für ihren verunglückten Zweirad-Kollegen Andy Caldecott. Der 41-jährige Pilot vom Team KTM stürzte auf einer schnellen Passage nach 250 von 599 Wertungs-Kilometern auf der neunten Etappe schwer. Der Unfall ereignete sich um 11:31 Uhr Ortzeit. Ein Rettungshubschrauber startete zwar unmittelbar und erreichte die Unfallstelle wenig später um 11:55 Uhr. Die Notärzte konnten jedoch nur noch den Tod des Australiers feststellen. Caldecott hatte sich einen Halswirbelbruch zugezogen und war auf der Stelle tot. Er hinter lässt seine Ehefrau und eine Tochter. Das der Wüsten-Marathon Dakar nicht nur die härteste, sondern auch die gefährlichste Rallye der Welt ist, beweißt der Blick auf die Statistik. Caldecott ist seit der ersten Dakar im Jahr 1979 bereits das 46 Todesopfer.

Die elfte Tagesetappe der 28. Dakar führt Teilnehmer über 705 Kilometer von Kayes nach Bamako in Mali.


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