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Autojahr 2008: Melk' mich weiter!

Bittere Pille für uns Autofahrer: Spritpreis-Chaos, Feinstaubdebatte und CO2-Steuer bleiben uns auch im neuen Jahr erhalten. Sicher ist, dass (fast) alles rund ums heilige Blech teurer wird. stern.de über alles, was sich 2008 ändert und das, was bleibt.

Feinstaubzonen

Zum 1. Januar richten mehrere Städte, darunter etwa Hannover oder Köln, Fahrverbotszonen bei Feinstaubalarm ein und setzen damit eine EU-Richtlinie um. Andere wie Mannheim und Stuttgart folgen im Lauf des Jahres. Die meisten Autos, sogar Diesel, bekommen eine Plakette, mit der sich auch dann fahren dürfen. Selbst wenn diese nur rot statt gelb oder grün ist. Die Plakette kostet um fünf Euro, ist bei TÜV, Dekra sowie den meisten Werkstätten erhältlich und wird von innen an die Windschutzscheibe geklebt.

Vorsicht: Wer keine Feinstaubplakette hat und bei Alarm erwischt wird, riskiert ein Bußgeld! Wie und wann genau die Fahrverbote und Einschränkungen gelten, regeln die Kommunen individuell (aktueller Planungsstand unter www.bmu.de). Meistens ist eine stufenweise Einführung geplant: In einem ersten Schritt dürfen bei hoher Luftbelastung nur Autos ohne Plakette nicht mehr fahren, ein Jahr später folgt die Sperrung für Autos mit roter Plakette und so weiter. Zeit genug, sich darauf einzustellen.

Partikelfilter

Gegen Steuer und Fahrverbote. Für die Umwelt. Darum haben mehrere zehntausend Autohalter ihren Diesel mit einem Rußpartikelfilter nachgerüstet. Über 40.000 von ihnen haben zu den Billigfiltern von GAT, Bosal und Tenneco / Walker gegriffen. Und weil diese nicht richtig funktionieren, startet das neue Jahr mit einer gigantischen Austauschaktion. Zwar wurde den Besitzern wirkungsloser Anlagen ein kostenloser Austausch zugesagt. Zuerst müssen aber die Hersteller ihre Produkte überarbeiten und herstellen. Das kann dauern. Vielleicht das ganze Jahr. Einziges Trostpflaster: Betroffene Fahrer müssen ihren Steuerbonus nicht zurückzahlen.

Pendlerpauschale

Beim Bundesverfassungsgericht ist eine Klage gegen die aktuelle Regelung bei der Pendlerpauschale anhängig. Den Klägern erscheint die 20-Kilometer-Grenze willkürlich gezogen. Derzeitige Regelung: Auch die ersten 20 Kilometer dürfen beim Lohnsteuerjahresausgleich eingetragen werden. Ob sie am Ende anerkannt werden, entscheidet das Gericht. Am wahrscheinlichsten ist eine Neuregelung, nach der die komplette Pendelstrecke absetzbar sein wird, aber zu niedrigeren Kilometerpreisen als jetzt.

TÜV

Die Hauptuntersuchung bei TÜV und Dekra wird teurer. Zweistellige Prozentsteigerungen werden erwartet, also fast 100 Euro pro Prüfung. Vorschläge aus 2007, ältere Autos alljährlich zum TÜV zu schicken, sind vorerst vom Tisch. Mit einer solchen Regelung wären die Kosten älterer Autos gestiegen und hätten potenzielle Kunden zum Neukauf zu nötigen können.

Bußgelder

Für Raser, Drängler, Betrunkene und alle anderen, die gegen die Verkehrsregeln verstoßen, steigen die Bußgelder 2008 empfindlich an. Beispiel Alkohol: Bei über 0,5 Promille werden beim ersten Verstoß 500 Euro fällig. Bei Wiederholungstätern werden es bis zu 1.500 Euro. Trotzdem sind im europäischen Vergleich Verkehrssünden in Deutschland eher preisgünstig.

CO2-Steuer

Die Diskussion um die richtige Ausgestaltung der CO2-basierten Kfz-Steuer wird im neuen Jahr an Schärfe zunehmen. Schließlich soll sie Anfang 2009 eingeführt werden. Die Interessen von Autofahrerverbänden wie dem ADAC, Verkaufslobbyisten wie dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und nicht zuletzt des Umweltschutzes driften auseinander. Die Autofahrer wollen es am liebsten billig, die Hersteller wollen viele neue Autos verkaufen, und die Natur verlangt nach möglichst wenig Emissionen.

Nach dem heutigen Stand könnte die Steuer so aussehen: Fahrzeuge im Bestand werden wie bisher nach Hubraum und Abgasnorm besteuert. Allerdings, da klingt der VDA durch, werden die Sätze steigen und das „Alt“-Auto-Fahren finanziell unattraktiver machen. Neue Autos werden aufgrund der Höhe ihres CO2-Austosses besteuert, und der korreliert direkt mit dem Verbrauch. Wahrscheinlich wird es eine Grenze von 100 Gramm pro Kilometer geben, unter der alle Autos steuerfrei fahren. Das würde bisher nur für den Smart cdi und den Polo BlueMotion zutreffen. Unklar ist, ob die Steuer für Autos, die über diesem Schwellenwert liegen, linear oder exponential ansteigt. Letzteres wäre im Sinn des Umweltschutzes, ersteres wäre gut für die Autolobbyisten, die an dicken SUV und Luxuswagen mehr verdienen.

Spritpreis-Chaos

Das Normalbenzin wird 2008 wohl vom Markt verschwinden. Die Mineralölkonzerne haben die Preise dem Supersprit angeglichen und begründen das mit der weltweiten Nachfrage. Und nebenbei würden sie, wenn das Normalbenzin ganz wegfallen würde, auch die Kosten für Zapfsäulen und Produktion einsparen.

Gleichzeitig wird die Preisschere zwischen Diesel und Super weiter zusammengehen. Die Differenz sinkt jedes Jahr zur Heizsaison und steigt zum Frühjahr wieder an, liegt aber im Durchschnitt nur noch bei sieben Cent statt der durch die Mineralölsteuer vorgegebenen 20 Cent. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Für den Autokäufer bleibt der Tipp des ADAC. Egal, ob Ottomotor, Diesel oder Gasantrieb – das Auto sollte möglichst wenig verbrauchen.

p.s.: Vorsicht ist auch bei der Euphorie über Autogas und Erdgas geboten. Auch hier kann der Preis bei entsprechender Nachfrage deutlich ansteigen. Frei nach dem Motto: Abwarten, bis genug Käufer umgestiegen sind und dann zuschlagen.

Nachlässe und Rabatte

Trotz der geringen Neuwagen-Nachfrage dürfte die Rabattschlacht 2008 so nicht weitergehen. Aber auch bei Rabatten ist der kühle Rechner gefragt: Autos mit hohen Nachlässen haben oft auch einen hohen Wertverlust. Wer seinen Wagen also nicht bis zum bitteren Ende fahren, sondern vorher verkaufen will, sollte sich bei Schwacke oder ähnlichen Anbietern nach dem zu erwartenden Wertverfall erkundigen.

Auslandsknöllchen

Schonfrist für alle, die 2008 in Holland oder Italien falsch parken oder zu schnell fahren. Erst 2009 werden Tickets aus dem europäischen Ausland auch bei uns vollstreckt.

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