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Automarkt: Hersteller liefern sich Rabattschlacht

Die Deutschen haben in diesem Jahr drastisch weniger Autos gekauft als noch im Vorjahr. Den Verbrauchern kann soll es recht sein, denn Ihnen winken deshalb traumhafte Rabatte. stern.de verrät die besten davon.

Von Christoph M. Schwarzer

Es gibt kein Halten mehr. Einen Design-Van von Citroen gibt es mit über zwölf Prozent Nachlass. Ein klassischer Golf kostet durch schlaue Finanzierung fast 15 Prozent weniger. Und der europaweite Verkaufsschlager Peugeot 207 wird für bis zu 20 Prozent weniger verkauft. Alles Geschenke von den Autoherstellern? Nein, Notwendigkeiten, denn die Verkaufszahlen in Deutschland sind einfach nur mies.

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Eitle Kohlendioxidsteuer-Debatte

Für den herben Rückgang von acht Prozent oder über 200.000 Autos in diesem Jahr hat Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der FH Gelsenkirchen, vier Gründe ausgemacht, von denen einer aus seiner Sicht hausgemacht und überflüssig war: Umweltminister Gabriels öffentliche Diskussion über die Kohlendioxidsteuer. Die bis heute ungeklärte Frage, wann, auf welche Weise und in welcher Höhe die CO2-Steuer kommt, habe die Kunden verunsichert. "Diese Dummheit von Sigmar Gabriel hat den Verkauf von etwa 80.000 Autos gekostet."

Die Kritik des Autoexperten entzündet sich dabei nicht an der CO2-Steuer an sich, sondern daran, dass ohne echtes Konzept eine mediale Aufmerksamkeit erregt worden sei, die am Ende nicht nur dem Automarkt geschadet habe, sondern auch dem Klima. Schließlich könnten bei klaren gesetzlichen Vorgaben jetzt schon viele alte Spritschleudern durch moderne Sparflitzer ersetzt worden sein. Sind sie aber nicht, weil der Rahmen fehlt und die potenziellen Käufer keine Planungssicherheit haben. Opel: Minus 13,2 Prozent. Ford: Minus 15 Prozent.

Konjunktur und Demografie mitschuldig

Aber Dudenhöffer hat noch drei weitere Gründe für den Rückgang ausgemacht. Zuerst sei da der Vorzieheffekt bei der Mehrwertsteuer gewesen. Der schlug in den ersten drei bis vier Monaten negativ zu Buche. Ein Einmaleffekt, der jetzt verdaut ist. Anders ist es mit der allgemeinen Kaufzurückhaltung, der nächsten Ursache. Obwohl das Volksvermögen gestiegen ist, sind die Bürger bei größeren Anschaffungen vorsichtig. Die jahrelange Krise und die Angst um den Verlust des Einkommens wirken psychologisch deftig nach. Erst für 2008 könnte sich dieser Knoten lösen – wenn die Konjunktur weiter läuft.

Last but not least macht sich auch beim Autokauf die demografische Entwicklung bemerkbar. Der Anteil der über 60-jährigen Käufer ist auf über 30 Prozent gestiegen. Die über 70-Jährigen haben einen Zuwachs auf zehn Prozent erlebt. Die Kaufkraft ist in dieser Gruppe zwar vorhanden, aber "die fahren eben nicht 50.000 Kilometer im Jahr" und brauchen darum nicht dauernd neue Autos. Eine Entwicklung, die sich fortsetzen wird.

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Mietwagen, Dienstwagen, Tageszulassungen

Wie schwierig die Situation beim Neuwagenverkauf ist, zeigt noch eine weitere Zahl: Etwa 40 Prozent aller Autos werden zurzeit über "starke Rabbatkanäle", so Dudenhöffer, in den Markt gedrückt. Mietwagen, Dienstwagen und Händlerzulassungen in "einem Ausmaß, das es bisher nicht gab." Schlecht für die Margen der Hersteller. Gut für Käufer, die es ernst meinen. Trotz der schlechten Gesamtlage stemmen sich übrigens auch ein paar Produzenten gegen den Trend. Porsches Verkäufe legten um 3,5 Prozent zu, und bei den Importmarken gewannen Renault (plus 4,4 Prozent), Toyota (plus 4,3) und Skoda (plus 3,8). Einsamer Spitzenreiter aber ist eine kleine Nischenmarke, die um fast 43 Prozent nach oben schoss: Lada.

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