HOME

Verkehrssünden: Keine Knöllchen, sondern Knollen

Fahren Sie Auto? Fühlen Sie sich als Depp der Nation? Klagen Sie über die Abzocke der Polizei? Dann sollten Sie immer hübsch in Deutschland bleiben. Denn im Vergleich zum Ausland werden Verkehrssünder hierzulande mit Samthandschuhen angefasst.

Wer fremde Länder mit vier Reifen befahren wollte, sollte sich zunächst mit den dortigen Verkehrsvorschriften befassen. Und sich dann ganz fest vornehmen, nicht dagegen zu verstoßen. Wer gegen ausländische Verkehrsregeln verstößt, wird häufig kräftig zur Ader gelassen. Die vom ADAC herausgegebene Bußgeldliste zeigt, dass im Ausland zum Teil erheblich höhere Bußgeldsätze gelten als in Deutschland.

Erbsünde Alkohol

Zu den "No's" zählt - wie übrigens auch in Deutschland - Alkohol am Steuer. Entsprechend hohe Geldbußen werden verlangt. Im hohen Norden, sollte man "hoch" mit "schmerzhaft" übersetzen. Finnland und Schweden möchten da mal 15, beziehungsweise 30 Tagessätzen kassieren, das entspricht einem halben oder ganzen Monatsverdienst. Brutto versteht sich. Überdies liegen die zulässigen Promillegrenzen in vielen Ländern wie in Norwegen (0,2) oder Schweden (0,2) deutlich unter der in Deutschland erlaubten Höchstgrenze von 0,5 Promille. In Estland, Lettland, Kroatien, Rumänien, der Slowakei und Ungarn herrscht striktes Alkoholverbot am Steuer.

Kommt es zu Unfällen in Folge von Alkoholkonsum gilt die Bußgeldtabelle zwar nicht, aber gerade in diesen Fällen drohen im Vergleich zum milde gestimmten Strafrecht in Deutschland drakonische Strafen. Auch geringfügige Verletzungen von Personen gelten keineswegs als Bagatelle.

Irrsinniges Überholmanöver

Mehr Delikte, höhere Strafen

Falschparken gilt hingegen nirgends als Kapitalverbrechen, kommt aber auch teurer als daheim. In Spanien kosten Parkknöllchen schnell bis zu 90 Euro und in Irland starten die Tarife ab 80 Euro aufwärts. Auch sollte die Abschleppbereitschaft nicht unterschätzt werden.

Schnelles Fahren kann ebenfalls sehr unangenehm werden. In Norwegen möchte man bereits für eine Überschreitung von 20 km/h mindestens 400 Euro einkassieren. In Island, Finnland, Schweden, Belgien, Italien und in der Schweiz beginnen die Geldbußen für Temposünder stets im dreistelligen Euro-Bereich. Ausflüchte und Ausreden bringen den Fahrer erst recht in Bedrängnis. Nicht nur Österreich gibt es das "Amtsauge" des Polizisten. Er darf per Augenmaß das Tempo schätzen. Uneinsichtigkeit und unnötige Widerworte sollte man vermeiden.

Wo wird vollstreckt?

Wie bisher können Verkehrssünden nur im Besuchsland selbst geahndet werden. Im europäischen Ausland verhängte Bußgelder werden in Deutschland auch dieses Jahr noch nicht vollstreckt. Die Bundesrepublik zieht das Geld für andere Länder bisher nämlich nicht ein. Das soll sich bald ändern: Von 2007 an müssen alle EU-Mitgliedsstaaten die Geldstrafen und -bußen eintreiben, die in anderen Ländern gegen ihre Bürger verhängt wurden. Eine Ausnahme bildet Österreich. Hier gibt es seit Jahren ein entsprechendes Abkommen. In den übrigen Ländern wird versucht, Verkehrsverstöße sofort zu ahnden und die Urlauber unmittelbar zur Kasse zu bitten. In Spanien wird dem Verkehrssünder bei Bußgeldern bis 150 Euro dabei ein Sofortzahlungsrabatt von 30 Prozent gewährt.

Die Strategie, Bußgelder einfach zu "vergessen", ist ohnehin nicht zu empfehlen. In Zeiten der umfassenden Datenspeicherung ist das Gedächtnis der Behörden sehr lang. Bei erneuten Besuchen des betreffenden Landes muss der Sünder mit verschärften Bußen rechnen.

Respekt und Höflichkeit

Auch deutsche Polizisten erwarten Respekt und Höflichkeit, meist werden ihnen höfliche Umgangsformen verweigert. In vielen Ländern reagieren die Ordnungshüter äußerst verschnupft, wenn ihnen der gebührende Respekt vorenthalten wird. Wer sich in Frankreich oder Spanien lautstark mokiert, dass die Ordnungshüter weder Deutsch noch Englisch sprechen, treibt die Kosten unnötig nach oben. Denn der südländische Polizist ist kein Sklave des Bußgeldkatalogs. Verstöße die durchaus 200 Euro kosten, können auch mit einer strengen Ermahnung enden. Voraussetzung: Respekt und Höflichkeit vor der Uniform.

Kra

Wissenscommunity