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Neue Vorwürfe aus den USA Abgasaffäre erfasst Porsche - VW dementiert

Abgas-Skandal und kein Ende in Sicht: Die Dieselaffäre bei Volkswagen weitet sich aus
Neue Vorwürfe gegen VW: Laut der US-Umweltschutzagentur EPA sollen auch Dreiliter-Dieselmotoren manipuliert worden sein
© David Gray/Reuters
Neue Vorwürfe in der Diesel-Affäre: Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA sollen nun auch Drei-Liter-Motoren betroffen sein - und Fahrzeuge von Porsche. Volkswagen bestreitet das.

Weitet sich die milliardenteure Diesel-Affäre bei Volkswagen abermals aus? Die US-Umweltbehörde EPA wirft dem Konzern vor, auch in Autos mit 3,0-Liter-Dieselmotoren eine Manipulations-Software eingesetzt zu haben.  Bislang drehte sich die Abgas-Affäre lediglich um Vierzylindermotoren mit bis zu 2,0 Liter Hubraum. Volkswagen hielt am späten Montagabend dagegen, man habe kein Programm installiert, "um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern".

Damit steht zunächst Aussage gegen Aussage. Doch die Vorwürfe der EPA wiegen schwer und sind detailreich. Sie zielen auf Sechszylinder-Diesel mit 3,0 Litern Hubraum. Erstmals in der Abgas-Affäre geht es dabei neben Audi und VW-Pkw auch um die VW-Tochter Porsche. Sie entwickelt nur Benzinmotoren selber und greift für Diesel auf die Vorarbeit von Audi und VW zurück. In der Regel werden die Diesel für den Sportwagenbauer angepasst, etwa mit ein paar zusätzlichen Pferdestärken. Im Kern bleiben die Selbstzünder-Antriebe aber markenübergreifend identisch.

Der Vorwurf gegen Porsche ist pikant, da VW-Konzernchef Matthias Müller noch bis vor Kurzem Chef des Sportwagenbauers war. Müller war im Strudel des Skandals auf den zurückgetretenen Vorstandschef Martin Winterkorn gefolgt, der damit Verantwortung für die Affäre übernahm.

"Einmal mehr seine Verpflichtungen missachtet"

Die US-Umweltschutzagentur hatte den Skandal um geschönte Abgaswerte bei VW Mitte September ins Rollen gebracht. Die Behörde wies nach, dass Dieselwagen des Autobauers über eine Software die Situation auf einem Prüfstand erkennen und in eine Art Abgas-Schonmodus schalten, um so strikte Emissionsvorgaben einzuhalten. Die EPA-Enthüllung erreichte schließlich auch Europa, wo der VW-Konzern vom nächsten Jahr an 8,5 Millionen Dieselfahrzeuge zurückrufen muss.

"VW hat einmal mehr seine Verpflichtungen missachtet, sich an die Gesetze zu halten, welche saubere Luft für alle Amerikaner sichern", sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles laut Mitteilung. Den Kern des Vorwurfes beschreibt die Behörde wie folgt: "Die Software in diesen Fahrzeugen beinhaltet ein oder mehrere Zusatzinstrumente zur Abgas-Kontrolle, die der Konzern bei der Zulassung der Modelle nicht offengelegt, beschrieben und begründet hat." Laut EPA erkennt eben jene Software, die der Behörde zunächst verborgen blieb, die Abgas-Testprozedur aus den USA und schaltet in einen Modus, der Stickoxide (NOx) gezielt mindert. Für NOx-Gase gelten in den Vereinigten Staaten besonders strikte Grenzen.

VW will Vorwürfe "rückhaltlos aufklären"

Der Autobauer teilte mit: "Die Volkswagen AG betont, dass keine Software bei den 3-Liter V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern." Den Vorwurf selber, der die Wolfsburger den Angaben zufolge ebenfalls am Montag erreichte, beschreibt der Konzern damit, dass es um eine Software gehe, "die im Genehmigungsprozess nicht hinreichend beschrieben worden sei". Das Unternehmen versicherte, man werde mit der EPA "vollumfänglich kooperieren", um alles "rückhaltlos aufzuklären".

Die Materie ist vielschichtig. Nicht alles, was per Motorsteuerung die Abgase mildert, ist gleich eine illegale Software. So führen Motoren beispielsweise in bestimmten Fahrsituationen Abgase zurück und verbrennen sie erneut. Die EPA definiert die Kernfrage dabei so: "Ein Zusatzinstrument zur Abgaskontrolle, das zum Überlisten von Abgastests entwickelt wurde, ist ein "defeat device"". Und eben jenes "defeat device", ein Instrument zum Ausstechen der Testsituation, ist illegal. Hierzulande spricht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von einer "unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung".

Touareg, Porsche Cayenne und Audi betroffen

Nach Angaben der EPA wurden in bestimmten Diesel-Modellen der Marken VW, Audi und Porsche der Modelljahrgänge 2014 bis 2016 Dreiliter-Dieselmotoren verbaut, die bei Stickoxid-Emissionen die in den USA erlaubten Grenzwerte um das bis zu Neunfache überträfen.

Im einzelnen gehe es um die Modelle und Jahrgänge VW-Touareg (2014), Porsche Cayenne (2015), Audi A6 Quattro, Audi A7 Quattro, Audi A8 und A8 Langversion sowie um den Audi Q5 (alle 2016). Wie viele Fahrzeuge in den USA und weltweit betroffen sind, ist bislang nicht bekannt: Die neuerliche Rüge der EPA betreffe ungefähr 10.000 Diesel, die seit dem Modelljahr 2014 in den USA verkauft worden seien. Zusätzlich sei eine bislang unbekannte Zahl aus dem Modelljahrgang 2016 betroffen. 

Im September hatte die EPA ihre Vorwürfe zu den Vierzylindern bekanntgegeben. VW hatte die Vorwürfe daraufhin eingeräumt. Seitdem steckt der Konzern in der tiefsten Krise seiner fast 80-jährigen Geschichte.

mad/car DPA Reuters

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