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Zoff hinter den Kulissen Der Streaming-Streit zwischen Apple und Spotify eskaliert


Musikstreaming gilt als boomender Milliardenmarkt. Platzhirsch ist Spotify, doch Apple Music holt rasant auf. Dafür greift Apple zu fiesen Tricks, behauptet Spotify. Der Konzern aus Cupertino rüstet unterdessen weiter auf - das könnte bald eine dreistellige Millionennsumme kosten.

Vor 15 Jahren revolutionierte Apple mit dem ersten iPod die Musikbranche. Im vergangenen Sommer wollte der Konzern aus Cupertino mit dem Streamingdienst Apple Music dieses Kunststück wiederholen. Der Weg sollte weg von bezahlten iTunes-Downloads und hin zum Flatrate-Hören über die Cloud gehen, ähnlich wie es Spotify, Deezer und Co. seit Jahren anbieten. Der Aufschlag war gewaltig: Apple Music startete zeitgleich in 100 Ländern, es folgte eine riesige Werbekampagne - doch im ersten Jahr seines Bestehens dürfte das Team um Tim Cook dennoch nicht zufrieden sein.

Nach zwölf Monaten hat Apple Music bereits 15 Millionen Abonnenten, es ist der am schnellsten wachsende Streamingdienst. Ein Achtungserfolg, doch Spotify ist mit 30 Millionen zahlenden Kunden immer noch außer Schlagreichweite. Dafür hat Apple einige Top-Stars als exklusives Aushängeschild verpflichtet, darunter Drake, Dr. Dre oder Pop-Königin Taylor Swift.

Zoff zwischen Spotify und Apple

Doch hinter den Kulissen der beiden Konzerne brodelt es offenbar gewaltig: Spotify erklärte gegenüber dem Technikportal "Re/Code", dass Apple seit Wochen absichtlich ein Update seiner App zurückhalte. Grund für die Streitigkeiten sei Apples Geschäftsmodell: Der Konzern beansprucht 30 Prozent aller Einnahmen, das gilt sowohl für den Kauf von Apps als auch für abgeschlossene Abonnements innerhalb der Anwendung.

Spotify leitet diese Zusatzkosten direkt an die Kunden weiter. Schließt man also innerhalb der App ein Premium-Abonnement ab, kostet dieses nicht 9,99 Dollar (wie im Web), sondern 12,99 Dollar. Seit dem Start von Apple Music rät Spotify seinen Kunden deshalb offensiv, das Abo lieber im Netz abzuschließen. Außerdem lockten die Schweden bis vor kurzem bei einer Web-Buchung mit einem Sonderangebot: Drei Monate Premium-Streaming gab es für einen Dollar. Das brachte Apple angeblich auf die Palme. Zwar beendete Spotify die Werbeaktion, im Gegenzug wurde aber die Abo-Funktion aus der iOS-App entfernt. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

Kritik an Apples Geschäftsmodell

Mit seinem blockierenden Verhalten füge Apple "Spotify und dessen Kunden schweren Schaden zu", heißt es in einem Brief, den Spotify an Apples Top-Anwälte schickte. Der Vorwurf: "Apple nutzt den Genehmigungsprozess im App Store als Waffe, um Mitbewerbern zu schaden." Weder Apple noch Spotify wollten sich gegenüber "Re/Code" zu dem Bericht äußern.

Apples Geschäftsmodell sorgt bei Konkurrenten immer wieder für Diskussionen. Um die App für iPhones anzubieten, ist Spotify auf den App Store angewiesen, dort stehen aber keine alternativen Bezahlmöglichkeiten für Kunden bereit. Das heißt: 30 Prozent weniger Einnahmen oder gar keine. Mit einer ähnlichen Argumentation verweigert Amazon-Chef Jeff Bezos seit langem die Prime-App für den Apple TV. Allerdings hinkt der Vergleich, denn der Filmstreaming-Dienst wird für das iPhone und iPad längst angeboten. Viele Anbieter hingegen akzeptieren die Geschäftsbedingungen klaglos.

Apple stellte im Zuge der Entwicklerkonferenz WWDC ein neues Geschäftsmodell für den App Store vor, die Abgaben sinken dann nach einem Jahr von 30 auf 15 Prozent.

Kauft Apple bald den Streamingdienst Tidal?

Der Fall dürfte die Anwälte wohl noch eine Weile beschäftigen. In der Zwischenzeit rüstet Apple offenbar weiter auf: Wie das "Wall Street Journal" berichtet, liebäugelt Apple mit einer Übernahme des Musikstreamingdienstes Tidal. Mit vier Millionen Abonnenten ist der Dienst von Rapper Jay Z zwar vergleichsweise klein, dafür hat er einige Exklusivpartnerschaften, die Apple gerne unter Vertrag hätte. So sicherte sich Tidal in diesem Jahr etwa das Release von Rihannas "Anti", Beyonces "Lemonade" oder Kanye Wests "The Life of Pablo". Die Übernahme soll eine dreistellige Millionensumme kosten. Zum Vergleich: Die Beats-Übernahme ließ sich Apple drei Milliarden Dollar kosten.

Um weitere Kunden zu gewinnen, will sich Apple zukünftig noch stärker von der Konkurrenz absetzen: Apple Music solle die Rolle einnehmen, die früher der Musiksender MTV hatte, erklärte Apple-Music-Manager Jimmy Iovine gegenüber dem "Rolling Stone". Damals habe es sich so angefühlt, "als würden Michael Jackson und Britney Spears dort leben", schwärmte Iovine. Dieses Gefühl wolle man mit Apple Music erreichen. Der Dienst soll der "popkulturelle Mittelpunkt" werden. Im Herbst wird ein großes Update für Apple Music erscheinen, das neue Funktionen und einen frischeren Look liefert. Der Streamingdienst wird auch für Android-Smartphones angeboten.


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