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Richard Yu: Huawei-Chef im Interview: "Apples Gesichtsentsperrung ist keine gute Idee"

Huawei wurde vom Underdog zur Nummer drei der Smartphone-Hersteller. Verantwortlich dafür ist Richard Yu, Chef der Smartphone-Sparte. Wenn er die Bühne betritt, bekommt die Konkurrenz ihr Fett weg. Im Gespräch mit dem stern spricht er über Zukunft-Trends und warum Gesichter nicht die neuen Fingerabdrücke sind.

Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu präsentiert das Mate 10 Pro

Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu präsentiert das Mate 10 Pro

Die Doppelspitze war seit Jahren gesetzt: Apple und Samsung dominierten weltweit das Smartphone-Geschäft, die restlichen Hersteller prügelten sich um die Krümel. Doch im Windschatten der beiden Schwergewichte hat ein Hersteller mächtig aufgeholt: Huawei. Vor fünf Jahren lagen die Telefone des Konzerns noch beim Discounter in der Grabbelkiste. Mittlerweile ist man die weltweite Nummer drei nach Samsung und Apple, obwohl die Marke in den USA gar nicht präsent ist. Verantwortlich für den raketenhaften Aufstieg ist Richard Yu, Chef der Smartphone-Sparte von Huawei. Der stern hat mit ihm über Innovationen in der Smartphone-Branche, Billig-Telefone und den Konkurrenten aus Cupertino gesprochen.

Herr Yu, im vergangenen Jahr haben Sie 139 Millionen Smartphones verkauft. 2017 rechnen Sie mit einem Absatz von 150 Millionen. Das ist eine moderate Steigerung. Ist der Boom vorbei?

Wir wachsen weiter, jedes Jahr. Weil wir immer größer werden, können wir nicht jedes Jahr um 30 Prozent zulegen. Aber ich bin optimistisch, dass wir noch vier, fünf Jahre problemlos wachsen können. Generell stehen für uns in diesem Jahr die Stückzahlen aber nicht im Vordergrund. Wir fokussieren uns mehr auf den Premium-Bereich

Sie verabschieden sich aus dem Billig-Segment?

Genau. Das geht zu Lasten der Verkaufszahlen, steigert aber deutlich den Gewinn. Wir könnten locker mehr als 200 Millionen Geräte im Jahr ausliefern. Aber das wäre nicht sinnvoll. Im Billigsegment verlieren wir sogar Geld! Deshalb wollen wir in die Oberklasse. Das ist meine Strategie.

Eine wichtige Rolle spielt dafür das neue Mate 10 Pro, das Sie diese Woche vorgestellt haben. Als Alleinstellungsmerkmal bewerben Sie den AI-Chip, der Künstliche Intelligenz von der Cloud direkt auf das Smartphone bringt. Wozu braucht man das eigentlich?

Wir wollen, dass unsere Telefone viel Leistung haben, aber so wenig Strom wie möglich verbrauchen. Denn nicht immer hat man eine zuverlässige Internetverbindung. Da ist es von Vorteil, wenn alle Arbeiten direkt auf dem Smartphone erledigt werden. Dank des Prozessors mit KI-Plattform sind einige Anwendungen bis zu 50-mal schneller als auf vergleichbaren Smartphones. Das macht einen Riesenunterschied! Deshalb brauchen wir so einen Chip. Das Smartphone allein reicht nicht. Es muss nicht nur smart, sondern auch intelligent sein.

Das iPhone 8 hat ein ähnliches Feature, Apple nennt es neurale Engine.

Im Performance-Vergleich schneiden wir besser ab. Wir sind etwa doppelt so schnell wie das iPhone! 

Das Mate 10 Pro hat einen Fingerabdrucksensor. Das iPhone X setzt dagegen auf eine neuartige Gesichtsentsperrung namens FaceID. Sind Gesichter die neuen Fingerabdrücke?

FaceID ist keine gute Idee. Ich denke, der Fingerabdruck ist die elegantere Lösung. Er ist viel schneller. Und wir arbeiten in unseren Laboren an neuen Lösungen - etwa einem Sensor, der direkt im Display eingebaut ist. Das funktioniert schon, allerdings noch etwas unzuverlässig.

Sehen wir diese Technik im kommenden Jahr?

Das ist schwer zu sagen. Aber ich denke schon, ja. Nächstes Jahr könnte es soweit sein.

Sie haben vor einem Jahr gesagt, dass Sie Apple innerhalb von zwei Jahren überholen wollen. Ein Jahr ist nun vorbei.

Wissen Sie, es ist nicht wichtig, ob wir die Nummer eins oder zwei sind. Im letzten Quartal waren wir bereits die Nummer zwei. Für mich zählt nur, dass wir das beste Produkt anbieten. Darauf kommt es an. Um als Premiummarke wahrgenommen zu werden, müssen wir uns auf das langfristige Wachstum konzentrieren. Die Leute sollen unsere Marke lieben und sie Freunden weiterempfehlen.

Die Konkurrenz setzt beim Start eines neuen Smartphones auf großflächiges Marketing. Huawei ist in Zeitschriften, an Bahnhöfen oder im Fernsehen dagegen nicht so präsent.

Wir geben nicht so viel Geld für Werbung aus, sondern investieren lieber in die Forschung. Wir wollen nicht hinterherhecheln, sondern anführen. Huawei lässt sich Innovationen einiges kosten: Allein im vergangenen Jahr gaben wir für Forschung und Entwicklung elf Milliarden Dollar aus.

Elf Milliarden? Was steckt denn noch in der Pipeline?

Wir arbeiten an vielen Dingen, über die ich noch nicht reden kann. Den Fingerprintsensor unter dem Glas habe ich ja bereits erwähnt. Auch zu flexiblen Displays wird man im nächsten Jahr noch einiges sehen.

Wo findet die Entwicklung statt?

Wir sind eine globale Firma. Unser Hauptquartier ist in China, aber wir haben Labore in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA, Russland, Indien - überall. Ich bin jetzt seit 24 Jahren in der Firma, startete als Ingenieur. Ich denke, Innovationen sind der Schlüssel zu unserer Zukunft.

Was denken Sie über Sprachassistenten?

Das ist eine sehr wichtige Entwicklung. Aber es hapert noch an der Genauigkeit. Auch hier kann künstliche Intelligenz langfristig Abhilfe schaffen. Derzeit muss man sein Telefon noch aktivieren, in dem man den Homebutton drückt. In Zukunft wird das Telefon immer mithören und genau wissen, was man will. Es wird einen verstehen und unterstützen. Morgens sagt es einem, was an dem Tag ansteht oder wie das Wetter wird. Das Telefon wird einen daran erinnern, dass man nichts vergisst. Es wird sich ganz natürlich anfühlen.

Wer wird das Rennen machen: Alexa, Google …

Wir kooperieren sowohl mit Amazon als auch Google, forschen aber auch an einem eigenen Assistenten. Und wir arbeiten auch mit Microsoft im Rahmen eines Übersetzungsprogrammes zusammen.

Den Großteil ihrer Gewinne machen Sie mit der Netzwerksparte. Wie hilft das ihrer Firma im Smartphone-Wettbewerb?

Wir haben als Ausrüster für Telekommunikationsunternehmen angefangen, in Deutschland etwa für O2, E-Plus und die Telekom. Wir haben die Infrastruktur und das Know-how. Deshalb können wir die Synergien besser nutzen. Das Mate 10 Pro surft mit bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde. Das ist zehnmal schneller als eine herkömmliche DSL-Leitung. Das schafft kein anderer Hersteller in diesem Jahr. Wir sind die einzigen, die 4.5G unterstützen. Wir geben den Takt an, die anderen laufen nur hinterher.

Nur nicht in den USA.

Mit der Zeit werden wir auch den US-Markt erobern. Wir sind in den Top drei. Im Bereich der 4.5G- und 5G-Netzwerke sind wir sogar ganz vorne. Die Mobilfunkanbieter werden Huawei auch brauchen, über kurz oder lang. Wir sind nicht in Eile. Bis dahin konzentrieren wir uns auf Europa, Japan und andere Märkte. Aber die USA sind der nächste logische Schritt für uns.

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Interview: Christoph Fröhlich
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.