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Betrug am Geldautomaten: So kommen Sie sicher an Ihr Geld

Das BKA meldet einen rasanten Anstieg der Betrugsfälle mit manipulierten Geldautomaten. Nur zwei Informationen brauchen die Verbrecher für ihren Trick. Wie Betrüger unbemerkt EC-Karten kopieren und die Geheimnummer ausspähen - und was die Polizei den Bankkunden in Deutschland rät.

Ganz harmlos sehen die Beweisstücke aus, die Kriminalhauptkommissar Reinhard Geistert auf den Tisch im Hamburger Landeskriminalamt legt: ein Rauchmelder, ein Raumbefeuchter, die Zierleiste eines Geldautomaten. Alle stammen von ähnlichen Tatorten: den Räumen, in denen Banken ihre Geldautomaten aufstellen. Alle sind präpariert. Winzige Gucklöcher für Kameras wurden hineingebohrt, Aussparungen für Speicherkarten und Elektronik eingeschliffen. Dazu legt Geistert noch täuschend echt aussehende Tastaturen zur Geheimzahleingabe und Blanko-Geldkarten.

Die Utensilien dienen alle demselben Zweck: nichtsahnenden Bankkunden an einem Geldautomaten die Daten ihrer Geldkarte zu entlocken und später Bares abzuheben. Das schaffen die Ganoven immer besser. Die Manipulationen an Geldautomaten in Deutschland haben im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Die Zahl der Angriffe auf die Geldabhebe-Automaten sei um 77 Prozent auf rund 2400 gestiegen, der Schaden durch die kriminellen Machenschaften habe sich auf mehr als 40 (2007: 21) Millionen Euro sogar fast verdoppelt, teilte das Wiesbadener Bundeskriminalamt mit.

Um dem Missbrauch der Geldautomaten, aber auch von Kartenlesegeräten im Handel vorzubeugen, seien mehr als 160.000 (Vorjahr: 80.000) Bankkarten gesperrt worden. Dadurch sei ein dreistelliger Millionenschaden verhindert worden, berichtete das BKA unter Berufung auf Schätzungen der Firma Euro-Kartensysteme, die das Kartengeschäft für die Banken abwickelt. Für die Kreditinstitute ist der Kampf gegen diese Art des Betrugs extrem wichtig, denn sie ersetzen ihren Kunden den entstandenen Schaden.

Methoden und Tricks

Zwei Informationen brauchen die Verbrecher für ihren Trick. Sie müssen die Daten auf dem Magnetstreifen der Geldkarte auslesen und ihre Geheimzahl kennen.

Letzteres gelingt zum Beispiel mit versteckten Kameras, die die Eingabe der Geheimzahl filmen und das Video auf einem Datenchip speichern, den der Dieb später abholt. Der Kriminalhauptkommissar zeigt eine selbst gebastelte Zierleiste mit Kamera, die oben an einen Automaten geklebt wurde und in den Firmenfarben der Bank gestrichen ist. Und einen Raumbefeuchter, der mit Kamera ausgestattet wurde. Manche Teile sind sogar maschinell gestanzt worden, "in Serie hergestellt und an den Automatentyp angepasst", sagt Geistert.

Ein anderer Trick: Betrüger kleben gefälschte Nummernfelder auf die echte Tastatur. Die registrieren und speichern die Eingabe, geben die Zahl aber auch an den richtigen Ziffernblock weiter. So merken die Kunden nicht, dass etwas faul ist, denn ihr Geld bekommen sie problemlos - ebenso wie später der Dieb.

Auch mit einem unauffälligen Gerät vor dem Kartenschlitz des Geldautomaten, das oft wie ein Rahmen aussieht, lässt sich der Magnetstreifen auslesen. In dem Rahmen steckt ein winziger Lesekopf, der die Daten der Karte speichert. Meistens merken weder Kunden noch Bankangestellte etwas von solchen Manipulationen. Gibt es Anhaltspunkte, die Kunden skeptisch machen können?

Ein paar Tipps von der Polizei, worauf zu achten ist:

  • Niemals an Türöffnern, an denen die Geldkarte durchgezogen werden soll, auch die Geheimzahl eintippen.
  • Sofern Sie im Besitz von mehreren Zahlungskarten sind, sollten Sie den Türöffner eines Kreditinstituts nicht mit der Karte betätigen, mit der Sie anschließend die Transaktion am Geldautomaten durchführen möchten.
  • Wackeln Automatenteile oder wirken Zusatzgeräte unpassend, ist es besser, einen anderen zu benutzen oder in der Filiale nachzufragen.
  • Die Geheimzahl nie aufschreiben, vor allem nicht auf der Geldkarte

Wo die Datendiebe zuschlagen, ist nicht vorherzusagen. "Früher gab es die meisten Fälle in Süddeutschland", sagt Geistert. Inzwischen ist der Norden genauso betroffen. Beliebte Ziele sind Automaten in belebten Einkaufsstraßen, bevorzugt am Wochenende. Denn in der Hektik des Shoppings achten viele Menschen nicht auf verdächtige Dinge in der Nähe des Automaten, zudem können innerhalb kürzester Zeit viele Daten gesammelt werden.

Eine Hürde jedoch ist für die Betrüger nicht zu nehmen, jedenfalls innerhalb der Bundesrepublik: "Deutsche Geldautomaten fragen neben der Geheimnummer noch ein weiteres Sicherheitsmerkmal ab", sagt Geistert. Das ist der in der Geldkarte verborgene Chip, der weder ausgelesen noch nachgebaut werden kann. Dennoch kommen die Diebe ans Geld. Die von den Magnetstreifen geklauten Daten werden auf Blankokarten übertragen und im Ausland benutzt. Die Automaten dort fragen nicht nach dem Chip - sie spucken Bargeld aus. So lange, bis die Karte gesperrt oder das Limit erreicht ist.

Dieses Limit, erklärt BKA-Sprecher Gerhard Salmen, sei bei deutschen EC-Karten vergleichsweise hoch, weshalb sie bei Kriminellen besonders beliebt seien. Bei den Tätern handele es sich vor allem um Banden aus Rumänien und Bulgarien, so Salmen. In osteuropäischen Szene sei diese Art des Betrugs inzwischen sehr beliebt, womit sich auch der rapide Anstieg der Fälle erkläre. "Denn zum einen sind die zu erwartenden Strafen gemessen an den Gewinnmöglichkeiten relativ gering", sagt BKA-Sprecher Salmen. Und zum anderen drohe relativ wenig Gefahr, erwischt zu werden. Salmen: "Die suchen sich einfach einen Geldautomaten, der noch nicht videoüberwacht wird." Wenn die Manipulation auffliegt, seien die Täter längst über alle Berge.

Carsten Görig mit DPA/Reuters/san / Reuters