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1944 gesunken Die kleine "Sammy B." kämpfte gegen eine Schlachtflotte – nun wurde ihr Wrack in 6985 Metern gefunden

Drei Torpedorohre der "Samuel B. Roberts"
Drei Torpedorohre der "Samuel B. Roberts"
© Caladan Oceanic Expeditions / PR
Im Jahr 1944 fuhr "USS Samuel B. Roberts" den tapfersten Angriff der US-Geschichte. Nun wurde das Wrack des kleinen Geleitzerstörers entdeckt.

Der kleine Geleitzerstörer "USS Samuel B. Roberts", Spitzname "Sammy B", wurde in einer Tiefe von 6985 Metern entdeckt. Gefunden wurde das in zwei Teile zerbrochene Wrack von Victor Vescovo, dem Gründer des in Dallas ansässigen Unternehmens Caladan Oceanic Expeditions. Damit ist es derzeit das tiefste jemals gefundene Wrack der Welt. Vor einem Jahr hatten die Forscher bereits die "USS Johnston" aufgespürt, die "Sammy B." liegt noch 426 Meter tiefer. Beide Schiffe sanken 1944 in der gleichen Seeschlacht.

Auf den veröffentlichen Bildern sind die Torpedorohre und die Sektion des Lotsenhauses zu sehen. "Es war eine außerordentliche Ehre, dieses unglaublich berühmte Schiff ausfindig zu machen und dadurch die Chance zu haben, seine Geschichte von Heldentum und Pflichtbewusstsein denjenigen zu erzählen, die das Schiff und das Opfer seiner Besatzung vielleicht nicht kennen", sagte Vescovo, selbst ein ehemaliger Marinekommandant, in einer Erklärung.

"Es sieht so aus, als wäre ihr Bug mit einiger Wucht auf den Meeresboden aufgeschlagen, was zu dem Knick geführt hat. Ihr Heck trennte sich beim Aufprall ebenfalls etwa 5 Meter, aber das ganze Wrack lag noch zusammen. Dieses kleine Schiff hat es mit den Besten der japanischen Marine aufgenommen und sie bis zum Ende bekämpft."

Legende der Blechdosen-Seemänner

Die "Sammy B." ist eine maritime Legende. Sie nahm an der letzten Phase der Schlacht im Golf von Leyte in den Philippinen teil, der Schlacht von Samar. Damals wollte die kaiserliche Flotte Japans die Amerikaner von den Philippinen vertreiben, doch sie erlitt ihren größten Verlust an Schiffen. Die Seeschlacht um Midway leitetet die Wende im Pazifikkrieg ein (Midway – die wichtigste Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges), die Niederlage im Leyte Golf besiegelte das Schicksal Japans. Die Entdecker sagten, dass die historischen Aufzeichnungen über die Lage des Wracks nicht sehr genau waren. Bei der Suche kam das tiefste Side-Scan-Sonar zum Einsatz, das jemals auf einem Tauchboot installiert und betrieben wurde.

Der Name "Samuel B. Roberts" basiert auf einer heroischen Tradition. Der Zerstörer wurde nach einem Seemann benannt. Eine Gruppe von Marines saß damals bei der Landung auf der Insel Guadalcanal am Strand fest und wurde von den Japanern zusammengeschossen. Die Steuermänner der Holzboote, die die Soldaten an den Strand gebracht hatten, entschlossen sich zu wenden, um die Marines zu retten. Roberts lenkte das japanische Feuer auf sein Boot, damit die anderen landen konnten. Dabei wurde er tödlich verletzt. Nur kurz darauf wurde der kleine Zerstörer nach ihm benannt, getauft wurde er von seiner Witwe.

Kämpfte wie ein Schlachtschiff

Eigentlich sollte die Gruppe von kleinen Zerstörern, zu denen die "Samuel B. Roberts" gehörte, nur einen Warnschirm für die US-Flugzeugträger bilden. An Seegefechten sollten sie nicht teilnehmen. Doch am Morgen des 25. Oktobers 1944 tauchte plötzlich Japans Schlachtflotte am Horizont auf, darunter befanden drei Schlachtschiffe. Zu ihnen gehörte die "Yamato", das größte Schlachtschiff, das jemals gebaut wurde.

Die Zerstörer-Flottille war das Einzige, was zwischen den schwerbewaffneten japanischen Kriegsschiffen und den Geleitträgern und den Truppentransportern lag. Ohne Aussicht auf Erfolg oder das eigene Überleben nahmen die Zerstörer Kurs auf die japanischen Giganten. Die Japaner ließen sich täuschen, sie hielten den angreifenden Schwarm für die Vorhut der US-Flotte. Am Ende drehten sie ab und die voll besetzten Truppentransporter wurden gerettet.

Vor dem Angriff sagte Kapitän Robert W. Copeland zu seiner Mannschaft: "Wir versuchen einen Torpedoangriff. Das Ergebnis ist zweifelhaft, aber wir werden unsere Pflicht tun." Die "Samuel B. Roberts" verkürzte die Distanz und konnte einen Torpedotreffer am Heck des Kreuzers "Chōkai" landen. Die "Sammy B." beschoss den ungleich größeren Kreuzer mit ihren 12,7-Zentimeter Geschützen. Copeland führte sein Schiff so nah heran, dass auch die Luftabwehrkanonen den Kreuzer beschießen konnte, während dieser Schwierigkeiten hatte, das nahe Ziel mit seinen schweren Batterien zu treffen. Danach nahm sie Kurs auf den nächsten Kreuzer, die "Chikuma". Auch hier konnte die "Samuel B. Roberts" mehrere Treffer landen.

Gefecht von einer Stunde

60 Minuten lang kämpfte die Mannschaft verbissen. Dem Kanonier des hinteren Geschützes, Paul H. Carr, wurde posthum der Silver-Star-Orden verliehen. Schwer verletzt mit zerrissenem Körper feuerte er alle verfügbaren Granaten auf den Gegner. Die Munition an Bord ging zu Ende, als die "Sammy B." zunächst von einer Salve der 20-Zentimeter-Geschütze eines Kreuzers getroffen wurde. Dann traf auch noch eine Salve des Schlachtschiffes "Kongō". Die Geschosse im Kaliber von 36 Zentimetern rissen ein zehn mal drei Meter großes Loch in den Rumpf des Zerstörers.

Der Kommandant gab das Schiff auf, 30 Minuten später sank es. 89 Männer fanden den Tod, 120 Überlebende wurden später aufgefischt. Copeland gehörte zu den Überlebenden. Später schrieb er, dass seine Männer nicht erwarten konnten, zu überleben. Und doch "besetzten sie ihre Stationen und kämpften und arbeiteten mit einer solchen Ruhe, Tapferkeit und Effizienz, dass es keine höhere Ehre geben kann, als eine solche Gruppe von Männern zu befehlen."

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