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"Wave2O" Wie mit der Energie der Wellen Trinkwasser für 40.000 Menschen entsteht

Die komplette Anlage passt in zwei Standardcontainer.
Die komplette Anlage passt in zwei Standardcontainer.
© Aqualia/European Commission / PR
Wave2O ist eine Wasserentsalzungsanlage auch für arme Länder. Sie lässt Trinkwasser sprudeln und gewinnt den benötigten Strom aus den Meereswellen.

Wasserknappheit ist schon heute ein Problem, von dem zwei Drittel der Weltbevölkerung betroffen sind. Mit mehr Wohlstand und einer Verwestlichung des Lebensstils wird der Wasserverbrauch weiter steigen. Der Klimawandel wird aber voraussichtlich in heute schon trockenen Gebieten zu noch weniger Niederschlägen und mehr Dürre führen.

Dabei ist Wasser reichlich vorhanden. Allerdings in Form von salzigem Meerwasser, das man nicht trinken kann und mit dem man auch keine Felder bewässern kann. Nur etwa drei Prozent der weltweiten Menge besteht aus Süßwasser und davon ist ein guter Teil auch noch in Eis gebunden.

Schon seit langem versucht man daher, Meereswasser zu entsalzen. Technisch funktioniert die Methode auch, doch die Umkehrosmose ist ein teures Verfahren, welches viel Energie verbraucht. Die Forschergruppe des Projekts "H2020 W2O" ist einen ganz anderen Weg gegangen. Ihr Ziel war es, eine kostengünstige Entsalzungsmethode zu finden, die mit erneuerbarer Energie arbeitet. Diese Energie soll nicht aus dem Netz kommen, sondern in der Anlage selbst gewonnen werden. Sie soll vollständig autark sein: Einmal installiert, soll sie quasi von allein Süßwasser produzieren – in etwa wie eine künstliche Quelle. Das Projekt wird von der EU finanziert.

Günstig, langlebig und autark

Die Forscher nutzen die ebenfalls schon bekannte MDC-Technologie – hier entsalzen elektroaktive Bakterien das Meerwasser – und kombinieren sie mit einem Meereswellengenerator. Olivier Ceberio, der Projektkoordinator, sagt, die Kombination der Kraft der Meereswellen mit einer Technologie, die vielen der 2,1 Milliarden Menschen, die weltweit um den Zugang zu sauberem Trinkwasser kämpfen, frisches Wasser liefern kann, sei ihre Antwort auf die Wasserknappheit.

Das System "Wave2O" nutzt einen Konverter, der auf dem Meeresboden verankert wird und sich mit den Wellenschlägen bewegt, so wird Strom erzeugt. Wave2O benötigt nur eine geeignete Position am Meeresgrund und eine Wasserleitung. Ein komplettes Wave2O-Modul besteht aus zwei Wellenenergiewandlern und zwei großen Containern, in einem ist die Anlage zur Stromerzeugung untergebracht, im zweiten die Frischwassererzeugung. Das Meerwasser kann nicht einfach am Strand abgepumpt werden, es wird möglichst rein aus einem ​Offshore-Brunnen gewonnen und mehrfach gefiltert.

Die Anlage wird in der Fabrik hergestellt und vor Ort nur installiert. Versuche mit Wave2O wurden bereits in Kap Verde, einer ​Insel im ​Atlantik ​vor Westafrika, durchgeführt.

Für arme Communities erschwinglich

Abgesehen von Wartung und Überwachung arbeitet das System autonom und benötigt keinen teuren Strom oder Diesel, um zu arbeiten. Wave2O könnte Millionen von Menschen, die in ländlichen und isolierten Gemeinden leben, Zugang zu frischem Wasser verschaffen. ​"Jede Anlage wird täglich 4.000 Kubikmeter Frischwasser produzieren, das ist genug, um den Bedarf von 40.000 Menschen zu decken ", so Ceberio.

"Unsere Zielkunden sind ​Communities in Entwicklungsländern und ​Inselstaaten, ​die in der Regel keine ausreichende ​Netzkapazität ​und ​das erforderliche Kapital für den Bau von netzgebundenen Systemen haben." Die gesamte Anlage ist auf geringe Wartung und lange Lebensdauer ausgelegt. 40.000 Menschen entsprächen einer Stadt. Doch von der stolzen Zahl soll man sich nicht täuschen lassen. Der direkte Wasserbedarf des Menschen ist geringer als die Mengen, die Viehzucht und Ackerbau benötigen.

Nun wird das Team zwei kleine Testanlagen in den USA und den Kanarischen Inseln erproben.

Nachholbedarf bei Meeresenergie

Diese Geschichte ist Teil einer Themenwoche der Bertelsmann Content Alliance. Unter dem Motto "Packen wir’s an – Damit es auch morgen noch läuft!" widmen sich RTL Deutschland, UFA, RTL Radio Deutschland, die Penguin Random House Verlagsgruppe und der Verlag Gruner +Jahr, in dem der stern erscheint, vom 4. bis zum 10. Oktober dem Thema Wasser. Ziel dieser Themenwoche ist es, das Bewusstsein für den Wert und die Bedrohung unserer Ressource Wasser zu erhöhen.

Techniken, um Windenergie oder Solarenergie in Strom zu verwandeln, sind weit fortgeschritten, doch das Ernten der Energie, die in den Wellen steckt, steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Seit Jahrzehnten wird an Gezeitenkraftwerken gearbeitet, die die unterschiedlichen Wasserstände von Ebbe und Flut ausnutzen. Wirklichen Erfolg hatten diese Bemühungen in der Vergangenheit nicht: Auch wenn diese Art der Energieerzeugung im Prinzip funktioniert, stellte sich heraus, dass das Meer ein besonders feindliches Terrain für technische Installationen ist, und dazu neigt, fest mit dem Boden verbundene Installationen zu zerstören. Doch bis 2050 könnte 10 Prozent des in Europa benötigten Stroms auf den Meeren erzeugt werden. Ähnlich wie bei Windkraft nehmen europäische Unternehmen hier weltweit eine Spitzenstellung ein. Doch im Vergleich zu Windkraftwerken liegen die Installationen auf dem Meer mehr als 20 Jahre zurück. Während die Windkraftwerke auf über 20 Jahre lange Erfahrungen im Betrieb großer Windparks zurückgreifen, befinden sich viele Wellen- oder Gezeitenkraftwerke im Stadium erster Prototypen.

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