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Wolkenimpfung: Regen auf Knopfdruck: Wie der Mensch das Wetter manipuliert

Im Kampf gegen Dürre und Hagel gehen viele Länder ungewöhnliche Wege: Sie beschießen Wolken mit Silberiodid, um künstlichen Regen zu verursachen. Die Folgen sind aber unüberschaubar.

In vielen Ländern wird mittlerweile das Wetter manipuliert.

In vielen Ländern wird mittlerweile das Wetter manipuliert (Symbolbild).

Getty Images

Die einen leiden wochenlang unter einer Dürre, woanders gibt es sintflutartige Regenfälle - diese Wetterkariolen galten lange als Launen der Natur, an denen man nichts ändern konnte. Doch seit Jahrzehnten arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, das Klima kontrollieren zu können. Traumsommer auf Knopfdruck, so weit sind die Experten noch nicht. Aber mit moderner Technik kann man das Wetter zumindest örtlich begrenzt beeinflussen. Wenn auch nicht ohne Nebenwirkungen.

Das zeigte ein Fall aus Mexiko, über den die "Financial Times" im vergangenen Jahr berichtete. Im Mittelpunkt steht dabei der Autohersteller Volkswagen, der um eine Fabrik eine sogenannte Hagelabwehr installierte. Die muss man sich vereinfacht wie eine Art Kanone vorstellen, die bei bestimmten Wetterbedingungen automatisch Schockwellen in die Atmosphäre schießt, um Hagelbildung zu verhindern. Auf diese Weise sollen die 450.000 Fahrzeuge, die hier pro Jahr entstehen und außerhalb der Fabrik parken, vor Hagelschäden geschützt werden.

Was gut ist für die Autos wurde jedoch den örtlichen Bauern zum Verhängnis: Die Farmer berichteten, dass die Hagelabwehr eine Dürre auslöste. Der Bauer Gerardo Perez sagte: "Der Himmel war komplett klar, es hat einfach nicht geregnet." 2000 Hektar Land seien von der Dürre betroffen gewesen, die Ernteausfälle gehen in die Millionen. Volkswagen kündigte daraufhin an, in Zukunft Netze über die geparkten Autos zu spannen, um sie vor Hagelkörnern zu schützen. Der Fall zeigt: Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll.

Über den (Un)Sinn der Wettermanipulation

In Wissenschaftskreisen sind solche Maßnahmen zur Wettermanipulation umstritten. Es gebe keine schnelle Lösung für komplexe meteorologische Phänomene, schreibt der britische "Guardian". Der niederländische Meteorologe Jon Wieringa bezeichnet solche Technologien als "Verschwendung von Geld und Mühe" - und viele Kollegen pflichten ihm bei. "Der einzige positive Effekt, der sich beim Schießen von Raketen und Granaten in hagelträchtige Gewitterwolken einstellt, ist das Zufriedenheits-Gefühl des Schützen, der auf seinen Feind schießt", lautet sein hartes Fazit.

Effektiver sei es, Chemikalien direkt in die Wolken zu bringen. In der Regel wird Silberiodid mit Aceton gemischt und aus Flugzeugen versprüht, um in der Atmosphäre kleine Kondensationskerne zur gezielten Regen- oder Hagelbildung zu erzeugen. Damit kann man einerseits die Bildung von zu großen Hagelkörnern verhindern, andererseits bestimmte Gebiete gezielt mit Niederschlag versorgen.

Mittlerweile nutzen mehr als 50 Länder diese Methode, schreibt der "Guardian": Ein Flughafen in Medford im US-Bundesstaat Oregon bekämpft auf diese Weise Nebel, in Colorado produzierten mehr als 100 Maschinen Wolken, um den Schneefall zu verstärken. Damit soll der Ski-Tourismus angekurbelt und die Schneeschmelze im Frühjahr verstärkt werden. Kostenpunkt: eine Million US-Dollar pro Jahr. In China plant man solch ein Projekt im ganz großen Stil: Wolkenfabriken sollen in einem Gebiet errichtet werden, dass dreimal so groß ist wie Spanien, berichtet "Forbes".

Erste Erfahrungen damit sammelten die Chinesen schon vor mehr als zehn Jahren: Damit die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 in Peking nicht ins Wasser fällt, ließen die Organisatoren mehr als 1000 Raketen in den Himmel steigen. Mit Erfolg: Obwohl es zuvor aus Eimern schüttete, blieb es während des weltweit übertragenen Events trocken.

Wettermanipulation: Die Folgen sind unüberschaubar

In einzelnen Regionen kann es sinnvoll sein, die Wolkenbildung zu beeinflussen. Doch Experten warnen vor den Risiken: Man bekämpfe vor allem die Symptome und weniger die Ursachen, etwa für Dürren. Zudem sind die Folgen für das globale Klima nur schwer einzuschätzen, vor allem wenn die Projekte Dimensionen wie in China annehmen. Des einen Freud kann des anderen Leid sein, wie der Fall der Bauern in Mexiko zeigte.

Der Geoengineering-Experte Janos Pasztor hält andere Vorgehensweisen für zielführender. Langfristig würde es helfen, den Klimawandel einzudämmen, indem man Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernt. Der Nobelpreisträger Paul Crutzen schlug einmal vor, mit Hilfe von Flugzeugen kühlenden Schwefel in die Stratosphäre in 25 bis 30 Kilometer Höhe zu bringen, um so den Treibhauseffekt einzudämmen. Die Luftpartikel würden das Sonnenlicht einfach reflektieren. Es wäre gewissermaßen der kühlende Effekt eines Vulkanausbruchs, "nur ohne die Asche und den großen Knall", meint Pasztor. 

Solche geotechnischen Großversuche stoßen aber auch auf viel Kritik. Trotz jahrzehntelanger Forschung weiß man noch nicht genug über das Klima, um solche Experimente mit ungewissem Ausgang zu wagen. Allerdings dürfte das nur eine Frage der Zeit sein. Pasztor fordert deshalb die Einführung von Richtlinien, bevor mächtige Konzerne oder Regierungen eigenständig den Vorstoß wagen.