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Tintenpatronen: Erhöhter Spardruck

Viel Geld verlangen Druckerhersteller für ihre Tintenpatronen. Deshalb werden die preiswerten Alternativen immer beliebter.

Kaum zu glauben, wie billig Farbdrucker geworden sind: Schon für 29 Euro sind Tintenstrahlgeräte zu haben; etwas teurere können sogar anständig Digitalfotos zu Papier bringen. Doch Freude machen die preiswerten Drucker meist nicht mal 100 Seiten lang - denn wenn die Tinte zum ersten Mal leer ist, kommt der Schock: Neue Druckerpatronen kosten oft mehr als der ganze Drucker samt Tinten-Erstausstattung. 20 bis über 50 Euro kassieren die Hersteller für eine Patrone.

Der Ärger geht noch weiter. Die meisten Billigdrucker haben zwei Patronen: eine mit großem Tank für das oft benutzte Schwarz, die andere mit Kammern für die drei Grundfarben Gelb, Cyan und Magenta, aus denen sich alle anderen mischen lassen. Ist nur eine dieser drei Kammern leer, muss die ganze Patrone in die Tonne. Erst teurere Drucker leisten sich drei einzelne Farbtanks - jeden ebenfalls zum stolzen Preis.

Der Druckkopf schließt Alternativanbieter aus

Allerlei technische Gründe geben die Hersteller dafür an, dass die Patronen so teuer sind: Nur so ließe sich die Druckqualität sicherstellen. Dieses Argument bemühen Hewlett-Packard und Lexmark auch dafür, dass sie die komplizierte Technik des Druckkopfs in ihre Tintentanks integriert haben - und sich die bei jedem Austausch neu bezahlen lassen. Der Druckkopf aber lässt sich patentrechtlich schützen, so dass Alternativanbieter ihn nicht nachbauen dürfen.

Die Preisgestaltung erinnert an den schon von Öllampen und Rasierklingen bekannten Trick: Lampe und Rasierer gibt's billig oder geschenkt, an Öl und Klingen wird richtig verdient. Der Verdacht liegt nahe: Die Druckerhersteller finanzieren über teure Einwegpatronen ihre günstig verkauften Geräte. Hartnäckig hält sich in der Branche sogar das Gerücht, dass die Patronen, die mit neuen Druckern geliefert werden, manchmal nicht ganz gefüllt sind.

Tinte ist ein Riesengeschäft: Nicht zuletzt wegen der Digitalfotografie lagen die weltweiten Umsätze für Druckertinte 2002 bereits bei 14 Milliarden Euro. Bis 2009 sollen die Umsätze auf 22 Milliarden Euro anwachsen.

Alternative 1: Selbsttanken

Doch es gibt Alternativen zu den teuren Originalpatronen: zum Beispiel selbst tanken. Entsprechende Nachfüll-Sets enthalten nicht nur die Tinte, sondern allerlei Spritzen, Kanülen und Plastikschläuche - sie erfordern ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl. Zudem darf die Patrone nicht ganz leer werden, da dann der darin enthaltene Tintenschwamm austrocknen könnte, was für permanente Verstopfung sorgt.

Wer den Dreh einmal raus hat, kann viel Geld sparen: "Eine normale Druckerpatrone mit integriertem Druckkopf lässt sich bis zu sechsmal auffüllen", sagt Ingo Tietgens, Inhaber des Hamburger Patronen- und Zubehörhandels druckertinte.de. Bei 13 Euro beginnen die Preise für solche Sets.

Alternative 2: Nachgefüllte Gebrauchtpatronen

Wem das Kleckerrisiko beim Umgang mit Spritzen und Schläuchen zu groß ist, der kann von darauf spezialisierten Firmen nachgefüllte Gebrauchtpatronen kaufen - im Internet oder im Branchen-Telefonbuch finden sich diese Anbieter. Allerdings ist der Preisvorteil dabei nicht mehr so groß.

Alternative 3: Neupatronen anderer Hersteller

So komfortabel wie das Original sind kompatible Neupatronen von Alternativherstellern, die es aber nur für manche Druckermodelle gibt. Auch sie sind deutlich günstiger. Manche der No-Name-Patronen, so fanden Fachzeitschriften heraus, ergeben dabei sogar ein besseres Druckbild als die Originale.

Die Druckerindustrie hält dagegen

Die Druckerindustrie bekämpft das Nachfüllsystem an allen Fronten. Seit Jahren streitet sich etwa Canon mit Pelikan vor Gericht, einem Hersteller von kompatiblen Patronen. Die meisten Firmen verlangen den Einsatz von Originalprodukten, wenn die Garantie gültig bleiben soll. Die Firma Epson verhinderte über Jahre mit einem intelligenten Chip erfolgreich das Nachfüllen der eigenen Tintenpatronen. War die Patrone einmal leer, speicherte das auch der darin eingebaute Chip und machte das Nachfüllen unmöglich: Die Patrone war auf "leer" programmiert. Inzwischen gibt es einen "Chip-Resetter", der den Chip wieder auf "voll" programmiert. Ein neuer Trick: spiralförmige Tintenkammern. Sie machen das Auffüllen mit der Spritze zu einer zeitaufwendigen Angelegenheit.

Und Hewlett-Packard bringt seit kurzem Aufkleber mit drei Farbpunkten auf seine Patronen an: Sie sollen zeigen, in welcher der drei Kammern sich die jeweilige Druckfarbe befindet. Verlässt man sich auf diese Angaben, berichten Anwender, erlebe man oft sein blau verschmiertes Wunder: dann nämlich, wenn die Farbpunkte in der falschen Reihenfolge aufgeklebt sind und die Magenta-Spritze in der Cyan-Kammer landet. Zufall?

Ab 2006 muss man Patronen nachfüllen können

Inzwischen hat sich allerdings auch die Europäische Kommission in Brüssel mit den teuren Einwegpatronen beschäftigt. Und befunden, dass ab 2006 die Wiederverwendung von Verbrauchsmaterialien "nicht durch bestimmte Konstruktionsmerkmale" verhindert werden soll. Im Klartext heißt das: Patronen müssen ab 2006 per EU-Richtlinie mehrmals verwendbar und damit wiederbefüllbar sein.

Computerbesitzern, die nur wenig drucken, kann der Streit allerdings ziemlich gleichgültig sein. Für ihre überschaubaren Bedürfnisse reicht die Anschaffung eines günstigen Geräts. Und Fotos aus der Digitalkamera sind ohnehin beim professionellen Internetdruckdienst besser aufgehoben. Der empfängt die Daten online und liefert die Bilder dann per Post nach Hause oder ins nahe gelegene Fachgeschäft. Denn daheim geprintete Fotos sehen meist nur auf Spezialfotopapier gut aus, sie verbrauchen besonders viel Tinte, ihr Ausdruck dauert sehr lange.

Wer hingegen viel zu drucken hat und nur Originalzubehör kauft, kann wenigstens mit den leeren Tanks noch Geld verdienen: Viele Geschäfte zahlen bereits Rücknahmeprämien für leere Tintenpatronen - zwischen einem und drei Euro. So lässt sich im Nachhinein sparen. Wenn auch nur tröpfchenweise.

Iris Hellmuth / print