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Zweiter Weltkrieg Yes we can do it! – so spät wurde Rosie, die Nieterin, berühmt

Das Poster und ein Foto der "echten" Rosie.
Das Poster und ein Foto der "echten" Rosie.
© Commons
Rosie the Riveter wurde zum Symbol des Feminismus, dabei kannte im Zweiten Weltkrieg fast niemand das Plakat. Nun wurde sie geehrt.

Kaum eine Grafik und keine Pose sind so häufig kopiert worden, wie das Bild von Rosie the Riveter, Rosie der Nieterin. Jeder kennt die rote Bandana, die hochgekrempelten Ärmel, den entschlossenen Blick und den angespannten Bizeps. Es wurde zum Sinnbild für die amerikanischen Kriegsanstrengungen an der Heimatfront und dafür, was Frauen können, wenn Männer ihnen nicht im Wege stehen.

Die Absurdität der Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs hat kaum jemand das Plakat gesehen. J. Howard Miller entwarf es für die Westinghouse Electric & Manufacturing Company. Es hing kurz in den Westinghouse-Fabriken und verschwand dann für Jahrzehnte im Vergessen. Erst nachdem es wieder ausgegraben wurde, wurde Rosie zur Ikone.

Frauen in der Rüstung

Nach dem Kriegseintritt 1941 fuhren die USA die Produktion kriegswichtiger Güter in einer nie da gewesen Weise hoch. Die Maßstäbe erreichte nicht einmal die UdSSR unter Stalin. Im eigenen Land konnten die USA fast unter Friedensbedingungen produzieren. Gegen die Rüstungsprogramme, mit denen etwa die Libertyschiffe oder die B-29-Bomber gebaut wurden, wirkten die Fabriken des Dritten Reiches wie Handwerksschuppen.

Das konnte aber nur gelingen, weil unzählige Frauen in den Rüstungsbetrieben arbeiteten. Und dabei übernahmen sie wie die berühmte Nieterin klassische Männerjobs. Gerade die Arbeit mit dem schweren, von Druckluft angetriebenen Niethammer hatte das Image eines echten Knochenjobs. Auch wenn die Ausrüstung in der Luftfahrtindustrie bei Weitem nicht so schwer und klobig war, wie die auf dem Bau oder einer Schiffswerft verwendete Geräte.

Ein Mix von Einflüssen

Das Plakat hat eine eigene Entstehungsgeschichte. Der Name stammt von einem Song aus dem Jahr 1942 über eine Frau, die in einer Flugzeugfabrik arbeitet. Ein Jahr später schuf Norman Rockwell ein Titelbild für eine Zeitung, auf der eine in Jeans gekleidete Arbeiterin mit einem Kopftuch zu sehen war.

Daraus und aus einem Zeitungsfoto schuf J. Howard Miller das Plakat. Doch es hing nur zwei Wochen lang in den Fabriken der Westinghouse Electric & Manufacturing Company. Anders als häufig angenommen, sollte es nicht Freiwillige anwerben, sondern die schon vorhandenen Arbeiterinnen motivieren. In den 1940er-Jahren war das Cover von Rockwell wesentlich bekannter.

Harry Rubenstein, Kurator des American History Museum, sagte dem "Smithsonian Magazin", dass das Bild sich erst 50 Jahre nach Kriegsende wirklich verbreitete. In den frühen 1980er-Jahren tauchten die ersten Kopien auf, die irgendwie den Weg aus den National Archives in Washington gefunden hatten. Zum Zeitpunkt des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1995 gab es schon überall Merchandise-Artikel mit dem Motiv und dann wurde Rosie weltbekannt und zum feministischen Symbol. Und auch erst jetzt verband sich der Name "Rosie the Riveter" mit dem Plakat. Der Name war eigentlich der Titel eines Propagandafilms über Frauen in der Rüstungsindustrie. "Das Bild zeigt eine individuelle Ermächtigung – es zeigt, dass Frauen jede Rolle einnehmen können, die sie sich aussuchen und dass sie die Macht haben, es zu tun", so Rubenstein.

Keine Hausfrauen in den Fabriken

Während des Zweiten Weltkriegs sind keineswegs vor allem Hausfrauen in die Industrie geeilt, um den Kriegserfolg zu sichern. Die meisten "Rosies" arbeiteten schon zuvor. Sie wechselten nur von schlecht bezahlten Jobs in die sehr gut zahlende Rüstungsindustrie. So wurden aus Bürohilfen, Kellnerinnen und Kinderfrauen Schweißerinnen und Nieterinnen. "Im Allgemeinen hatten Frauen während des Zweiten Weltkriegs die Möglichkeit, von schlecht bezahlten Jobs in besser bezahlte Fabrikjobs zu wechseln", sagte Peter Liebhold, ebenfalls Kurator des American History Museum. "Es war selten, dass ihnen genauso viel bezahlt wurde wie den Männern, aber sie wurden deutlich besser als zuvor entlohnt."

Für die echte Rosie, Naomi Parker Fraley, war es mit 18 Jahren der erste Job. In der Fabrik war sie keine Nieterin, sondern arbeitete an einer Drehbank. Dort wurde sie mit dem auffälligen Kopftuch fotografiert. Das Tuch mussten die Dreherinnen tragen, um die langen Haare von der rotierenden Spindel der Maschine fernzuhalten.

Nach dem Krieg arbeitete sie als Kellnerin im "Doll House", einem Restaurant in Palm Springs, das bei Hollywood-Stars beliebt war. Naomi Parker Fraley starb 2018 mit 95 Jahren. Sie konnte nicht mehr erleben, dass Rosie the Riveter und mit ihr alle Frauen der Rüstungsindustrie vom Kongress mit der Gold Medal geehrt wurden.

Ausgerechnet Donald Trump unterzeichnete das Gesetz im Dezember 2020.

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