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Sony Xperia Ear Sie schauen ständig aufs Smartphone? Dieses Gerät soll das ändern!

Sony Xperia Ear
Mit dem schlicht aussehenden Sony Xperia Ear soll der digitale Assistent direkt ins Ohr
© Sony
Permanent fummeln wir mit dem Display unseres Smartphones herum. Das muss nicht sein, findet Sony - und will mit dem Sony Xperia Ear das Smartphone in die Hosentasche verbannen. Wir haben es getestet.

Die Idee klingt erstmal gar nicht so schlecht: Egal, was man gerade tut, wichtige Nachrichten, SMS und E-Mails landen ganz nebenbei im Ohr. Nie wieder verpasste Termine, alle Infos sofort auf Abruf - ohne die Hände benutzen zu müssen. Das verspricht Xperia Ear, mit dem Sony den geheimen Zuflüsterer von Starspionen wie James Bond auch in Ihr Ohr packen will. Aber braucht man das wirklich? Wir haben es ausprobiert.

Pimp my Bluetooth-Headset

Optisch ist das Xperia Ear recht unscheinbar. Wie ein kleines Bluetooth-Headset sieht es aus und sitzt auch so im Ohr, ohne aus Versehen ständig rauszufallen. Das Prinzip ist ja auch ähnlich. Genauso wie sein dummes Äquivalent zum Telefonieren muss auch das Xperia Ear erst einmal per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt werden. Aktuell geht das nur mit Android-Geräten, iPhone-Nutzer bleiben außen vor. Dann folgt die Einrichtung per Smartphone-App.

Hier legt man fest, welche Nachrichten, Anweisungen und Informationen man direkt auf's Ohr bekommen will. Voreingestellt ist erst einmal - alles. Im Test haben wir das so gelassen, wer das Gerät wirklich nutzen will, sollte diese Einstellung aber ändern. Denn Ear unterscheidet nicht und liest einem wirklich absolut alles vor, was gerade reinkommt. Und das ist schwer irritierend.

Essengehen mit Gruppenchat im Ohr

Wenn etwa eine SMS ankommt oder ein Termin ansteht, springt plötzlich und unvermittelt Ear an und rattert in einer weiblichen Computerstimme das Programm ab. Ganz egal, was man gerade eigentlich tut. So sitzt man beim Mittagessen im Gespräch und bekommt plötzlich die Weihnachtsgeschenke-Diskussion aus dem Familien-Gruppenchat ins Ohr geblasen. Man bekommt kaum noch etwas mit, sein Gegenüber unterbricht man deswegen aber natürlich trotzdem nicht. Und am Ende hat man weder den Gesprächs- noch den Nachrichteninhalt vollständig mitbekommen. Lektion 1.: Ear trägt man am besten, wenn man alleine ist.

Aber selbst dann bleibt der Assistent nicht ohne Macken. Besonders absurd ist das automatische Vorlesen bei Geschäftsmails. Da wäre es theoretisch praktisch, sie sofort und nebenbei zu bekommen. Doch dann wird nach der eigentlich knapp gehaltenen Nachricht nicht nur die Signatur, sondern auch noch der gesamte angehängte Mail-Verlauf mit heruntergebetet. Und der Knopf in Notwehr schnell aus dem Ohr gezogen.

Bei Einsetzen kommt ein Wortschwall

Auch die Idee, beim Einsetzen erst einmal auf Stand gebracht zu werden, klingt nur theoretisch gut. Denn es passiert wirklich jedes Mal. Und je nach Einstellung wird man nicht nur über verpasste Anrufe und Nachrichten gebrieft, sondern bekommt auch noch gleich das Wetter, die wichtigsten Schlagzeilen und mehr auf's Ohr. Gerade die Schlagzeilen sind enorm nutzlos. Denn es werden wirklich nur trocken die Zeilen vorgelesen. Eine Möglichkeit, mehr Infos zu bekommen, gibt es nicht.

Immerhin: Als Smartes Bluetooth-Headset taugt Ear durchaus. Auf Sprachbefehl werden Kontakte angerufen, Anrufe sind schnell angenommen. Auch Termine einzurichten, Wikipedia-Suchen oder das Stellen eines Weckers klappt. Gut ist auch die Möglichkeit, per Sprache navigieren zu können. Grundvoraussetzung für all das ist aber, dass man keinerlei Hemmungen hat, in der Öffentlichkeit mit Ear zu sprechen. Richtig angenehm dürfte das den meisten nicht sein. Vor allem, wenn der Assistent mal wieder etwas nicht versteht. Dann lieber doch das Smartphone zücken. 

Sony Xperia Ear
In der Transport-Dose wird Xperia Ear auch gleich geladen.
© Sony

Xperia Ear will reden

Das Gespräch mit der Maschine lässt sich bei Nutzung mit Ear nicht vermeiden. Als Bedienelement ohne Sprache gibt es nur einen Knopf. Der kann kurz oder lange gedrückt werden. Bei kurzem Druck wird der Xperia-Assistent gestartet, wahlweise kann man die Funktion auch vom besseren Assistenten Google Now erfüllen lassen. Der lange Druck muss extra eingeschaltet werden und lässt sich weitgehend frei belegen, vom Anruf an einen bestimmten Kontakt, über Musiksteuerung bis zu automatischen Vorlesen der anstehenden Termine. Wenigstens für diese Aufgaben darf man dann den Mund halten.

Selbst, wenn man mit all diesen Mängeln leben kann, dürfte eines dann doch davon abhalten, Ear den ganzen Tag zu tragen: Der Akku macht nach etwa drei Stunden schlapp. Dann muss das Ear für einige Zeit in die mitgelieferte Schutzhülle, die auch als eine Mini-Powerbank dient. Dann ist der Assistent wieder mit Saft versorgt. Dass die Akkulaufzeit in einem solch kleinen Gehäuse nicht ewig ausfallen würde, war klar, als Dauerbegleiter fällt das Ear dadurch trotzdem aus. Aber dafür ist es ja ohnehin kaum geeignet.

Fazit: Der nölende Begleiter im Ohr

Der persönliche Assistent im Ohr will Xperia Ear sein - und scheitert leider an der Realität. Denn obwohl es zunächst wie eine gute Idee wirkt, nicht ständig das Smartphone im Auge behalten zu müssen, ist das Ohr keine geeignete Alternative.

Das Problem: Ear hat keinerlei Fähigkeit zu erkennen, ob es gerade wirklich passt. Während man mit einem schnellen Blick auf das Smartphone oder die Smartwatch einordnen kann, wie wichtig die gerade eintreffende Meldung ist, geht das bei Ear nicht. Man bekommt immer alles direkt ins Ohr, egal ob die Situation das gerade zulässt. Überfliegen ist nicht möglich, Weghören schwierig. Und auch nicht Sinn der Sache. So wird Ear in sozialen Situationen zum nervigen Störfaktor. Alleine im Büro ist das anders, ablenkend ist Ear aber auch dann. Geschäftsmails möchte man sich wegen der unausgereiften Umsetzung ohnehin nicht vorlesen lassen.

Am schwerwiegendsten ist aber, dass Ear eigentlich nichts besser macht, als ein Smartphone mit Headset. Und das ist für ein knapp 200 Euro teures Extragerät zu wenig.


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