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EU-Erweiterung: Den Urknall bei Immobilien gibt es nicht

Die von vielen erhofften Immobilienschnäppchen im Zuge der EU-Erweiterung wird es wohl nicht geben. Gewerbe- und Büroimmobilien sind schon längst verkauft, für Privatleute gelten bürokratischen Hürden.

Ein günstiges Ferienhaus, ein erschwingliches Bürogebäude, beim Gewerbegrundstück ein Schnäppchen - mit der Erweiterung der EU verbinden viele den Traum vom offenen Immobilienmarkt mit besonders preiswerten Angeboten. Ein "Urknall für den Markt" wird nach Ansicht von Branchenexperten jedoch ausbleiben, wenn am 1. Mai die zehn neuen Länder zur Europäischen Union dazu kommen. Bei Gewerbeflächen und -immobilien sei der Boom längst in vollem Gange. Für Privatleute gibt es dagegen noch Hürden: In einigen Beitrittsländern gelten Übergangsfristen, in denen Ausländer keine Immobilie erwerben dürfen. Damit soll ein befürchteter großer "Ausverkauf" verhindert werden.

Beruhigungspille für die Bevölkerung

In Tschechien etwa soll fünf Jahre lang mit Hilfe solcher Restriktionen der heimische Immobilienmarkt geschützt werden. Ähnliche Maßnahmen gibt es auch in Malta und Litauen. In Polen brauchen Ausländer für den Kauf von Haus und Grund die Genehmigung des Innenministeriums - auf Grund der ausufernden Bürokratie eine hohe Klippe. "Diese Restriktionen sind eine Beruhigungspille für die Bevölkerung", sagt der Vizepräsident des Verbands Deutscher Makler (VDM), Jürgen Michael Schick. Es werde zwar eine höhere Nachfrage geben, das habe aber nichts mit Ausverkauf zu tun. "Die Regionen profitieren auch deutlich davon, wenn investiert wird."

Die Länder wollten mit den Übergangsfristen vermeiden, "dass Immobilien verramscht werden und alles in die Hände von Projektentwicklern geht", sagt der Geschäftsführer des Maklers Engel & Völkers, Jörg Buchen. Er erwartet einen Wirtschaftsaufschwung mit deutlichen Auswirkungen auf die Immobilienmärkte. "Durch neue Arbeitsplätze werden Menschen angezogen und die Nachfrage nach Wohnimmobilien gesteigert." In den nächsten Jahre würden die Preise kräftig anziehen. Die Nachfrage nach Ferienimmobilien sei schon jetzt deutlich gestiegen. "Einen Mallorca-Boom wird es aber nicht geben", glaubt Buchen. Dafür sei unter anderem die Infrastruktur nicht ausreichend entwickelt.

Große Unternehmen haben sich längst auf dem osteuropäischen Markt positioniert

Bei Gewerbe- und Büroimmobilien sei im wesentlichen schon alles gelaufen, sagt Matthias Godemann von Aengevelt Immobilien. Die großen Unternehmen hätten sich längst auf den osteuropäischen Märkten positioniert. "Ein Quantensprung ist nicht mehr zu erwarten." Für Mittelständler biete sich nach der Öffnung allerdings die Chance, nachzuziehen. Es gebe derzeit ein ausreichendes Büroflächenangebot in Prag, Warschau und Budapest - zu im Vergleich zu den 90er Jahren wesentlich moderateren Mietpreisen, heißt es in einer Untersuchung von Aengevelt.

Das Hauptproblem in den Beitrittsländern sei die mangelnde Transparenz des Immobilienmarktes, sagt die Europa-Expertin der internationalen Maklerfirma Jones Lang LaSalle, Hela Hinrichs. "Die Länder geben sich Mühe, aber es gibt noch immer kaum verlässliche Marktdaten." Eine größere Bewegung erwarte sie zum Ende des Jahres in Polen und Ungarn. "Dort ist eine weitere Liberalisierung geplant, die es für Ausländer einfacher macht, Häuser zu kaufen und zu verkaufen." Die Entwicklung bei gewerblichen Objekten sei schon seit einigen Jahren in vollem Gange. "Aber es wird kräftig weitergehen und es wird einfacher werden."

Angespannter Immobilienmarkt in Brüssel

Der Gewerbevorstand von Engel & Völkers, Alexander Lampert, erwartet die größte Veränderung nach dem Beitritt nicht in den neuen Ländern: "Am meisten wird sich die Erweiterung auf den Immobilienmarkt in Brüssel auswirken." Schließlich werden dort Vertreter von zehn weiteren Nationen auf dem bereits angespannten Immobilienmarkt auf die Suche gehen.

Kathrin Schulte-Bunert, DPA / DPA

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