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Steigende Fallzahlen Staat New York erklärt Affenpocken zu unmittelbarer Bedrohung und San Francisco ruft den Notstand aus

Bewohner von San Francisco wollen sich im San Francisco General Hospital gegen Affenpocken immunisieren lassen
Anstehen zum Impfen: Bewohner von San Francisco wollen sich im San Francisco General Hospital gegen Affenpocken immunisieren lassen
© Jessica Christian / San Francisco Chronicle /AP / DPA
Die WHO hat vor einigen Tagen den globalen Affenpocken-Notstand ausgerufen. Auch die USA sind von der Ausbreitung des Virus betroffen — vor allem der Bundesstaat New York und die Stadt San Francisco.

In den USA wächst die Sorge vor der Ausbreitung von Affenpocken. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation am vergangenen Wochenende bereits den globalen Notstand ausgerufen hat, erwägt die Regierung von US-Präsident Joe Biden eine nationale Notstandserklärung. Die am stärksten von der Krankheitswelle betroffenen Gebiete des Landes sind Kalifornien und New York, wo mehr als 40 Prozent der 4.907 bestätigten Affenpockenfälle gemeldet wurden. Der Bundesstaat New York und die Stadt San Francisco haben deshalb jetzt ihre Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus deutlich verschärft.

Affenpocken-Fälle im Staat New York und in San Francisco nehmen zu

New York erklärte die Affenpocken nach der Registrierung von mehr als 1200 Fällen rückwirkend zum 1. Juni zu einer "unmittelbaren Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", wie die Gesundheitsbeauftragte des Bundesstaates, Mary T. Bassett, am Donnerstag (Ortszeit) bekannt gab. "Diese Erklärung bedeutet, dass die lokalen Gesundheitsämter, die sich mit Reaktions- und Präventionsmaßnahmen befassen, in der Lage sein werden, zusätzliche staatliche Erstattungen zu erhalten, nachdem andere Finanzierungsquellen des Bundes und des Staates ausgeschöpft wurden, um alle New Yorker zu schützen und letztlich die Ausbreitung von Affenpocken in unseren Gemeinden zu begrenzen", erklärte Bassett nach Angaben der "Washington Post".

Die Bürgermeisterin von San Francisco, London Breed, kündigte ebenfalls am Donnerstag einen lokalen Gesundheitsnotstand an und wies darauf hin, dass sich die Zahl der Fälle von Affenpocken innerhalb von einer Woche auf 261 fast verdoppelt habe. Der Schritt solle Ressourcen mobilisieren, die Notfallplanung beschleunigen und die Erstattung künftiger Kosten durch die Landes- und Bundesregierung ermöglichen, erklärte Breed.

"San Francisco hat während Covid-19 gezeigt, dass frühzeitiges Handeln für den Schutz der öffentlichen Gesundheit unerlässlich ist", zitiert der US-Sender NBC News die Bürgermeisterin. "Wir wissen, dass dieses Virus alle Menschen gleichermaßen betrifft — aber wir wissen auch, dass die Mitglieder unserer LGBTQ-Gemeinschaft im Moment stärker gefährdet sind. Viele Menschen in unserer LGBTQ-Community sind verängstigt und frustriert. Dieser lokale Notstand wird es uns ermöglichen, die am meisten gefährdeten Menschen weiterhin zu unterstützen und uns gleichzeitig besser auf das vorzubereiten, was kommen wird."

Jeder Mensch mit engem Kontakt zu einem Affenpocken-Patienten kann sich anstecken, aber seit Beginn des Ausbruchs traten die Fälle vor allem bei Männern auf, die Sex mit anderen Männern haben.

Affenpocken – was Sie über die Krankheit wissen müssen
Teaserbild: Picture Alliance/Michael Bihlmayer

Lokale Behördenvertreter, darunter auch Breed, beklagen der "Washington Post" zufolge, dass der Vorrat an Impfstoffen gegen die Affenpocken nicht ausreiche, um alle Personen, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, zu immunisieren. "Mit unserer Ausrufung des Notstands wollen wir Alarm schlagen und deutlich machen, dass wir dringend mehr Impfstoffe und mehr Behandlungen benötigen", sagte Breed.

Situation in Deutschland bislang nicht dramatisch

Die Ausbruchslage in Deutschland hält das Robert-Koch-Institut bisher nicht für besorgniserregend. "Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland wird nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt", heißt es auf der Internetseite des RKI. Es scheine weiterhin möglich, den aktuellen Ausbruch in Deutschland zu begrenzen, wenn Infektionen rechtzeitig erkannt und Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt würden. Bis Donnerstag wurden dem Institut zufolge in Deutschland 2540 Affenpockenfälle registriert. Eine Impfung gegen Affenpocken empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland für bestimmte Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten.

Quellen: "Washinton Post", NBC News, Robert-Koch-Institut


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