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Kampf gegen Covid-19 Mehr Tempo beim Impfen – Experten diskutieren über Verschiebung der zweiten Dosis

Sehen Sie im Video: Fragen und Antworten zum Impfstart – Alles, was Sie zur Corona-Impfung wissen müssen.




Wo beginnen die Impfungen?
Los geht's in den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Wer hier lebt, bekommt Besuch von den mobilen Corona-Impfteams. Wie hier in Berlin zum Beispiel sind 60 Kleinbusse im Einsatz. An Bord ist eine Kiste mit Impfstoff Schutzkleidung, Tupfer und Spritzen. In welchen Heimen geimpft wird, entscheiden die Länder und Behörden vor Ort.


Wo wird geimpft?
Ab spätestens Januar in den Impfzentren. Mehr als 400 gibt es in Deutschland. Sie sind unterteilt in Wartebereiche, Räume für Beratungsgespräche und die eigentliche Impfung. Alles in allem wird das wohl eine Stunde dauern. Wer geimpft werden will, muss einen Termin haben und über Ausweis, Attest oder Arbeitgeberbescheinigung nachweisen, dass er impfberechtigt ist.


Wer ist zuerst dran?
Die Impfverordnung regelt das. Oberste Priorität haben demnach Menschen ab 80 sowie all jene, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen sind. Ebenso Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen.


Die zweite Impf-Gruppe sind Menschen ab 70 Jahren sowie Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Auch enge Kontaktpersonen von über 80jährigen gehören dazu. Genauso Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Und Personen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.


Gruppe drei sind alle Menschen ab 60, stark Übergewichtige, mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Patienten mit Immundefizienz und HIV-Infizierte sowie Menschen etwa mit Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck  oder Krebserkrankungen.


Außerdem Mitarbeiter von Verwaltungen, Feuerwehr und Erzieher und Lehrer.


Wann werde ich geimpft? 
Die Bundesländer entscheiden über das Prozedere. Manche schreiben die Bevölkerung direkt an, in anderen Ländern ist noch offen, wie sie benachrichtigen wollen. Wer sich impfen lassen möchte, muss einen Termin vereinbaren unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 erfolgen.} Allerdings planen manche Bundesländer eine eigene Hotline.

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Die Zahl der Geimpften wächst stetig, aber auch sehr langsam. Experten beraten inzwischen, wie man das Tempo erhöhen kann – und kommen auf eine naheliegende Lösung.

Wer wird wann geimpft und welche Konsequenzen hat eine Impfung für den Einzelnen – wenige Tage nach dem Start gehen die Diskussionen rund um die Impfkampagne in Deutschland weiter. So überlegen Wissenschaftler, ob man ähnlich wie in Großbritannien die nötige zweite Impfdosis später verabreichen kann, um möglichst viele Menschen mit den knappen Vorräten zu impfen.

"Da der Abstand zwischen beiden Impfungen mit großer Wahrscheinlichkeit in weiten Grenzen variabel sein kann und der Schutz auch nach einer Impfung schon sehr gut ist, ist es durchaus überlegenswert, bei Impfstoffmangel zunächst bevorzugt die erste Impfung zu verabreichen", sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut. Allerdings stelle dies eine zusätzliche Herausforderung bei der Planung der zweiten Impfung dar, die letztlich erfolgen müsse.

Ähnlich hatte sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck im RTL-Nachtjournal geäußert. Die Daten hätten gezeigt, dass bereits nach der ersten Impfung mehr als die Hälfte der Geimpften vor der schweren Erkrankung geschützt sei. Über ein solches Vorgehen müsse es aber erstmal eine Diskussion geben. "Einfach ist die Entscheidung nicht, aber es wäre eine Möglichkeit, schnell mehr Menschen zu impfen."

Vorbild Großbritannien

Großbritannien hatte am Mittwoch dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca und der Universität Oxford als zweitem Impfstoff nach dem Biontech/Pfizer-Präparat eine Notfallzulassung erteilt. Gleichzeitig empfahl der Ausschuss, für beide Impfstoffe vorerst möglichst vielen Menschen nur die erste Impfdosis zu verabreichen. Die zweite Dosis solle innerhalb von zwölf statt der ursprünglich vorgesehenen etwa zwei bis vier Wochen gespritzt werden. Viele britische Experten begrüßten die Entscheidung als vernünftigen Ansatz, der Impfstoffknappheit zu begegnen. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass die Wirksamkeit nach der ersten Dosis geringer ist und beobachtet werden müsse, ob sich die Strategie wirklich bewähre.

Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, hält den britischen Ansatz grundsätzlich für sehr sinnvoll. "Wenn der Effekt der ersten Impfung mit der Zeit nicht schnell abnimmt, dann könnte die zweite Impfung auch noch später stattfinden, zum Beispiel erst nach sechs Monaten. Das wissen wir noch nicht. Bei anderen Impfstoffen wird das auch so gemacht."

Mit Stand von Donnerstagmorgen wurden in Deutschland insgesamt 131.626 Impfungen an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Entsprechend der Empfehlungen sind das vor allem Pflegeheimbewohner, Menschen über 80 Jahren und medizinisches Personal. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Geimpften um 51.465, wie aus den RKI-Angaben hervorgeht. Das ist nicht zwangsläufig die Zahl der tatsächlich an einem Tag Geimpften, weil darunter auch Nachmeldungen sein können.

Schäuble gegen Vorzugsbehandlung von Geimpften

Unterdessen hat sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gegen eine Vorzugsbehandlung von Menschen ausgesprochen, die gegen das Coronavirus geimpft wurden. "Eine Vorzugsbehandlung für Geimpfte birgt die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft", sagte der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es dürfe zwischen bereits Geimpften und Nicht-Geimpften "kein Keil" getrieben werden. Das Tempo bei der Impfstoffentwicklung sei "absolut beeindruckend", daher gebe es Hoffnung, dass es bei der Produktion noch schneller gehen werde als erwartet.

Der für den CDU-Vorsitz kandidierende Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz will Corona-Geimpften hingegen mehr Freiheitsrechte einräumen. "Grundrechte sind Individualrechte, aber keine kollektiven Rechte, die der Staat bei Bedarf allen entzieht und nur allen gleichzeitig zurückgewährt, wenn es die Lage wieder erlaubt", sagte Merz den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Man kann deshalb einer immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe von Geimpften, Gesunden und Genesenen nicht pauschal die Grundrechte vorenthalten, weil eine immer kleinere Gruppe nach wie vor durch das Virus gefährdet ist."

Derzeit ist noch unklar, inwieweit eine Corona-Impfung mit dem Biontech-Impfstoff nicht nur vor der Krankheit selbst, sondern auch andere Personen vor einer Ansteckung schützt.

kng DPA

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