Vogelgrippe Ab heute bleibt Geflügel im Stall


Als Konsequenz aus den Vogelgrippefällen in Deutschland tritt heute die Stallpflicht für Geflügel wieder in Kraft. Auch EU-weit wurden die Vorschriften im Kampf gegen das gefährliche Virus deutlich verschärft.

Die Europäische Union (EU) hat strengere Vorschriften bei Ausbrüchen des auch für den Menschen gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 beschlossen. In jedem EU-Land müssen demnach bei dem Auftreten oder bei Verdachtsfällen von H5N1 sofort drei Schutzgebiete eingerichtet werden: eine innere Schutzzone um den Infektionsherd, eine Überwachungszone und darüber hinaus eine zusätzliche Pufferzone.

Die drei Zonen

Die Schutzzone soll sowohl bei Infektionen von Wildvögeln als auch von Hausgeflügel ein Gebiet von drei Kilometern um den Ausbruchsort von H5N1 umfassen, wie die Europäische Kommission am Donnerstag mitteilte. Die Größe der Überwachungszone soll bei zehn Kilometern liegen. Für die Pufferzone kann die Größe je nach den Eigenheiten des Gebiets variieren.

Im inneren Schutzgebiet sind schon bei Verdachtsfällen bei Hausgeflügel sofortige Schlachtungen vorgesehen. Für das darum herum liegende Überwachungsgebiet soll eine Stallpflicht greifen, bevor die Tiere zur Schlachtung transportiert werden. Tritt das Virus bei Wildvögeln auf, muss jegliches Hausgeflügel in der Schutz- und in der Überwachungszone sofort in Ställe geführt werden. Die Bewegung zwischen den Gebieten wird eingeschränkt. Die Jagd auf Wildvögel soll hier verboten werden.

Neue Pufferzone

Neu ist die Einrichtung der Pufferzone. Hiermit wird das Gebiet größer, das als gefährlich für die Gesundheit von Mensch und Tier angesehen wird. Das Gebiet solle bei einer klareren Abgrenzung von Regionen helfen, die nicht von H5N1 betroffen seien, sagte der Kommissionssprecher für Lebensmittelsicherheit, Philip Tod. "Das ist offensichtlich gut für den Handel."

Bisher ist H5N1 in der EU nicht bei Zuchtgeflügel nachgewiesen worden. Dagegen wurden in fünf Ländern Infektionen von Wildschwänen bestätigt oder zumindest gab es starke Verdachtsfälle, darunter in Deutschland und Österreich. In diesen Ländern wurden bereits Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet.

Jetzt 13 Tiere mit Grippevirus H5N1 auf Rügen

Auf der Insel Rügen ist die Zahl der mit dem gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 infizierten Tiere mittlerweile auf 13 gestiegen. "Die Lage hat sich extrem zugespitzt", sagte der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus. Bei den zehn neuen Fällen handelt es sich um sechs Höckerschwäne, drei Singschwäne und eine Gans. Bundesagrarminister Horst Seehofer verteidigte er Schutzmaßnahmen wie die Stallpflicht für Geflügel. Sie tritt bundesweit heute wieder in Kraft. EU bereitet sich auf Vogelgrippe-Fälle bei Zuchtgeflügel vor

Bergungs-Team aufgestockt

Nach dem Auffinden weiterer zehn mit dem H5N1-Virus infizierter Vögel ist die Bergung der toten Tiere auf Rügen mit zusätzlichen Helfern vorangetrieben worden. Es sei aber Illusion, die Vögel bis Freitagvormittag restlos eingesammelt zu haben, sagte Naturschützer Ulrich Dost aus Bergen. Dies hatte der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, zuvor gefordert. Nicht einmal im Fundgebiet der infizierten Tiere bei Wittow sei die restlose Beräumung realistisch, da brüchiges Randeis, unzugängliche Ufer- und Eisababschnitte sowie im Wasser abgesackte Kadaver nur mit hohem Aufwand zu bergen seien oder gar nicht gefunden würden - ganz zu schweigen von der gesamten rund 1.000 Quadratkilometer großen Insel mit ihren 560 Kilometern Außen- und Boddenküste, sagte Dost. Allerdings hat die zugespitzte Situation offenbar Kreisverwaltung und örtliche Behörden auf Rügen zu erhöhter Aktivität getrieben.

Vertreter von Ordnungsämtern, Feuerwehr, Veterinärbehörde, Nationalparkamt und freiwillige Helfer sind im intensiven Bergungseinsatz. Wie viele Kräfte es genau sind, konnte zunächst niemand sagen. Zudem sind Bevölkerung und Gäste der Urlaubsinsel zunehmend sensibilisiert und melden laufend tote Vögel. Die Inselverwaltung, die scharf kritisiert worden war, befinde sich in einer schwierigen Situation, sagte Landrätin Kerstin Kassner. Die Behörde wisse aber, was zu tun sei. Die Vorwürfe und der Druck aus Schwerin und Berlin seien nicht angebracht. Man werde gemäß den vorhandenen Möglichkeiten alles tun, um den Anforderungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe gerecht zu werden. Inzwischen koordiniert ein interministerieller Führungsstab der Schweriner Landesregierung alle Maßnahmen gegen die Vogelgrippe auf Rügen. Der Stab sorgt auch für personelle und technische Hilfe sowie Ausrüstung für die Helfer. Das gehe hin bis zu Hubschrauberunterstützung.

Gerangel beim Kampf um Kompetenzen

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sieht keine Notwendigkeit, die Kompetenzen des Bundes bei der Bekämpfung der Vogelgrippe auszuweiten.

Kauder widersprach damit Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer, der mehr Befugnisse bei der Seuchenbekämpfung gefordert hatte. "Also eine eigene Bundeszuständigkeit glaube ich nicht, dass sie notwendig ist", sagte Kauder mit Blick auf die bei den Länderbehörden liegende Zuständigkeit für Maßnahmen gegen die Seuche. Seehofer könne auch jetzt schon bei der Bekämpfung der Vogelgrippe mit den Ländern zusammen die notwendigen Maßnahmen organisieren. Es komme darauf an, dass Bund und Länder eng zusammenarbeiteten.

Seehofer hatte zuvor erklärt, ob es um die Bekämpfung der Vogelgrippe oder um Gammelfleisch gehe, überall bestehe eine Zersplitterung unter den 16 Bundesländern. "Bei einem so gravierenden Fall, der für die ganze Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland wichtig ist, muss es eine Bundeszuständigkeit geben, um sofort einsatzfähig zu sein." Seehofer sagte, seine Vorgängerin Renate Künast (Grüne) habe zur Bekämpfung von Tierseuchen ein "mobiles Einsatzkommando" schaffen wollen, zu dessen Einrichtung bis zum Januar zwei Länder ihre Unterschrift verweigert hätten.

"Schwere Versäumnisse"

Der Minister warf in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte" zudem den Behörden in Mecklenburg-Vorpommern schwere Versäumnisse vor: "Der schönste Notfallplan hilft nichts, wenn er in der Praxis nicht konsequent angewandt wird." Seit Jahren gebe es entsprechende Notfallpläne und Übungen. Ihm sei es unerklärlich, wie der zuständige Kreis dennoch so lange gebraucht habe, um auf Rügen die toten Schwäne wegzuschaffen. Auf der Ostseeinsel sind offiziellen Angaben zufolge bislang 13 Vögel gefunden worden, die an dem tödlichen Virus H5N1 verendet waren. Seehofer kündigte für Freitag ein weiteres Treffen des nationalen Krisenstabes an.

DPA/Reuters DPA Reuters

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