Vogelgrippe EU erlaubt umstrittene Impfungen


Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer fürchtet zwar die Ausbreitung der Vogelgrippe, ist aber gegen Impfungen von Geflügel. Die EU hat dazu eine andere Meinung und genehmigte Frankreich und den Niederlanden, Vögel zu impfen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hält eine Ausbreitung der Vogelgrippe für wahrscheinlich. "Man muss damit rechnen, dass sich die Lage auch geographisch ausweitet", sagte er vor einer öffentlichen Sitzung des Bundestags-Agrarausschusses. Das Entscheidende sei, die toten Tiere einzusammeln. "Wir befinden uns mittlerweile in einem Wettlauf mit der Zeit." Beobachtungen vom Hubschrauber aus hätten ergeben, dass es noch sehr viele erkrankte Tiere auf Rügen gebe. Eine Impfung von Geflügel lehnte Seehofer aber ab, er hofft auf eine europäische Impfstrategie.

Einen ersten Schritt dazu hat der EU-Ausschuss für Tiergesundheit gemacht: Er stimmte Plänen der Regierungen in Paris und Den Haag zu und genehmigte Frankreich und den Niederlanden, Geflügel vorbeugend gegen die Vogelgrippe zu impfen. Dies gilt allerdings nur für bestimmte Vogelarten in bestimmten Regionen. Zudem müssten die Impfprogramme einer strengen Beobachtung unterliegen, teilte die EU-Kommission mit.

So müssten die geimpften Tiere von infizierten Tieren unterschieden werden, hieß es in der Erklärung. EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou sagte, es müsse jede Möglichkeit in Betracht gezogen werden, damit das Virus nicht auf kommerzielle Betriebe übergreift. Mit Blick auf die anstehende Rückkehr vieler Zugvögel aus dem Süden forderte der EU-Kommissar die Mitgliedstaaten zur höchsten Wachsamkeit auf.

Impfungen sind bei Experten umstritten

Bislang ist das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 in sieben EU-Staaten aufgetreten, darunter auch in Deutschland. Das Impfen ist bei Experten allerdings umstritten. Geimpfte Vögel können das Virus weiter übertragen, ohne daran zu erkranken. Zudem sind damit auch wirtschaftliche Fragen verbunden, weil der Absatz von Fleisch geschützter Tiere sinken könnte.

Dennoch will Frankreich bis zu 900.000 Enten und Gänse in den Departments Landes, Loire-Atlantique und Vendée vorbeugend impfen. Begründet wird dies damit, dass eine Stallpflicht für die Tiere in diesen Gebieten kaum umzusetzen sei. Das Geflügel soll zunächst bis zum 1. April geimpft werden. Lebende geimpfte Tiere, deren Eier und die Küken dürfen nicht in andere EU-Staaten ausgeführt werden. Fleisch und Fleischprodukte dürfen indes weiter exportiert werden.

Die Niederlande wollen zwischen einer und drei Millionen Haustiere und bis zu fünf Millionen Freilegehennen vorbeugend impfen. Für Züchter soll das Programm aber nur freiwillig als Alternative zur Stallpflicht gelten. Geimpfte Legehennen dürfen nicht exportiert werden. Deren Eier sowie Fleisch- und Fleischprodukte dürfen in der EU vermarktet werden. In den Niederlanden war die Vogelgrippe 2003 aufgetreten und hatte einen Millionenschaden verursacht.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit ließ offen, ob die Vogelgrippe in Deutschland eingedämmt werden kann. Es gebe aber gute Chancen, ein Übergreifen auf Nutztiere zu verhindern, sagte Präsident Thomas Mettenleiter. Das Virus sei vermutlich über Zugvögel von Asien nach Europa gekommen. Es befinde sich auf Rügen wohl nicht länger als seit einigen Wochen.

Das Robert Koch-Institut sieht ein eher geringes Risiko der Übertragung des gefährlichen Virus auf Menschen. In Deutschland sei das Übertragungsrisiko auf den Menschen viel geringer als in Asien, sagte der Vizepräsident des Instituts, Reinhard Burger. Es gebe noch keinen Impfstoff gegen die Vogelgrippe, nur gegen die normale Influenza-Grippe. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte, dass einige Länder die Vorräte an Grippemedikamenten aufstocken wollen. Sie empfiehlt, Wirkstoffe für 20 Prozent der Bevölkerung vorzuhalten.

Bis Mittwoch wurde das Virus in Deutschland weder bei Menschen noch bei Hausgeflügel registriert. Bislang wurden H5N1-Infektionen bei 101 Wildvögeln auf Rügen und bei zwei Tieren aus benachbarten Landkreisen festgestellt.

AP/DPA AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker