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M. Beisenherz - Sorry, ich bin privat hier: Willkommen in Murwillumbah: So geht es hinter den Kulissen des Dschungelcamps zu

Morgen startet das Dschungelcamp 2018. Micky Beisenherz gehört zu dem Autorentrio, das die witzigen Moderationstexte schreibt. In seiner Kolumne verrät er, wie es hinter den Kulissen zugeht.

Dschungelcamp mit Micky Beisenherz

Micky Beisenherz schreibt auch in diesem Jahr wieder die Moderationstexte fürs Dschungelcamp

Der Januar ist die beste Zeit des Jahres, um das Land zu verlassen. Für diese Erkenntnis muss man ja nur das eigene Gesicht im Spiegel betrachten. Bei vielen ist es bereits länger, als die Zeitspanne bis zum ersten Frühlingstag.

Gefühlt hängen derzeit alle in Thailand fest oder ab, ein paar haben es noch weiter, bis nach geschafft. In meinem Falle ist das beruflich so. Tatjana Gsell, Ansgar Brinkmann oder "dieser eine da von der Sendung mit den Bekloppten" werden das für sich wohl genauso in Anspruch nehmen - und irgendwie stimmt das sogar.

In schöner Regelmäßigkeit macht sich Anfang des Jahres die australische Regierung ernsthafte Gedanken über strengere Einreisebedingungen, wenn mehrere Airbusladungen deutscher Medienschaffender über Flora und Fauna herfallen, um 16 Tage lang Schulhöfe, Kantinen und Beichtstühle mit einem singulären Thema zu besetzen.

Um es kurz zu machen: Auch in diesem Jahr ist mir das beschieden, Teil des Autorentrios zu sein, das bei einem der letzten Straßenfeger im linearen Fernsehen, "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", die Moderatoren humoristisch unterstützt. Was gleich eine der ersten beliebten Fragen beantwortet: Nein, "die da unten" kriegen keine Texte geschrieben. Die sagen das alles wirklich so. Ohne, dass es ihnen aufgeschrieben oder diktiert wurde.

Ich weiß, das ist nicht bei allen (RTL-)Produktionen so. Andererseits: Spätestens seit Thorsten Legat muss allen klar sein, dass sich selbst der kreativste Schreiber Sätze wie "der Klügere lässt nach" niemals wird ausdenken können.

Was mich zur nächsten Frage bringt: Dieser kleine Bekennerbrief wird gegen 11 Uhr Ortszeit verfasst, während in meiner Heimat gerade alle tief und fest schlafen. Soll heißen: Ich bin in Australien.

Ja, wirklich. Der Gewinner der achten Staffel, , war seinerzeit schwer erstaunt, dass er rund zwei Tage nach Verlassen der Heimat nicht auf einer Pritsche in Hürth oder Ossendorf, sondern tatsächlich im Busch südlich des Beuteltieräquators wach wurde.

Das Dschungelcamp liegt bei Murwillumbah

Losfliegen und 24 Stunden über kreisen, nur, um ebendort wieder zu landen, wäre ja auch reichlich, nun ja, bescheuert? (Im Zweifel hat's Middelhoff schon gemacht.) Um den Tatort ein wenig einzukreisen: Das Camp befindet sich in der Nähe des Ortes Murwillumbah, ein paar Kilometer südlich der Gold Coast. Das berühmte Baumhaus ist also wirklich im Dschungel und kein Studio in Deutschland.

Ebenso ist auch der Regen echt, die Hitze, die Überschwemmungen, die Sonne und die Doofheit derer, die steif und fest behaupten, RTL sende aus einem Gewächshaus nahe der holländischen Grenze.
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, ist das Ganze natürlich eine hochprofessionelle Produktion.

Eine Art Containerdorf, auf das jede Farc-Miliz neidisch wäre. Zumindest, was die Infrastruktur angeht. In Sachen Umgangsform war die Farc immer auf einem anderen Level. Versorgungszelte, medizinische Abteilung, Catering, Technik, Foodtrucks, Kostüm- oder Makeup-Trailer, Büro- und Schnittcontainer - all das wurde als Produktionsbedingung so gekonnt in den Busch gezimmert, dass sogar den Engländern, mit denen wir uns all das teilen (für andere Nationen ist die Show schlicht zu teuer) nichts anders übrig bleibt, als alles reibungslos hinzubekommen.

Fast drei Wochen Nachtschicht ohne einen Tag Pause

Da die Dümmeren unter Ihnen mein Treiben gerne schon mal als "GEZ-finanzierten(!) Urlaub" bezeichnen: Fast drei Wochen Nachtschicht ohne einen Tag Pause dazwischen kann man nur bedingt als Erholung bezeichnen.

So beginnt der Arbeitstag von Jens Oliver Haas, Jörg Uebber und mir immer gegen 20 Uhr, wenn wir unser Hotel in der Urlauberenklave Salt Valley Richtung Camp verlassen. (Nein, wir sind nicht im Versace-Hotel, sondern in einem Family Resort, dessen Kinderdichte so hoch ist, dass sich die eigenen Testikel auf Leberhöhe in den Körper zurück ziehen.) Ergänzend sei gesagt, dass es in diesem Örtchen abends so tot ist wie in einer südafrikanischen H&M-Filiale. Man kann also beruhigt zur Arbeit fahren, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen.

Wir fahren also etwa 45 Minuten entlang der Flüsse und Felder und hören INXS, Midnight Oil oder Men at Work oder andere nationale akustische Schätze, bis wir irgendwann die befestigten Straßen verlassen, über diverse - mitunter schon überschwemmte - Brücken fahren und in das bewachte Areal einbiegen, auf dem der Wahnsinn geschieht.

Die Highlights des Tages (oder der Nacht) 

Ankunft gegen 21 Uhr, Essen (es besteht ein unglaubliches Gefälle zwischen dem, was die Camper essen müssen und dem, was die Mitarbeiter der Show zu essen bekommen. Die Verköstigung ist wirklich sagenhaft gut!), kurzes Meeting mit der Produktion, was den Tag über so passiert ist, welche Filme im Laufe der Nacht geschnitten werden und was in der Show um 7 Uhr 15 Uhr Ortszeit live ausgestrahlt werden wird.


Mit diesen Informationen gehen wir dann schwanger, schauen uns im Laufe der Nacht in den rund 20 Schnittcontainern an, welche Highlights des Tages (oder der Nacht) da von den hochbegabten Cuttern und Storyproducern zu filmischen Pralinen zusammengebacken wurden - die Autoren sind im Grunde genommen die ersten Zuschauer - und schreiben fröhlich dazwischen her, sodass die Moderatoren, wenn sie gegen 2 Uhr nachts ankommen, bereits etwas zu lesen haben. Was sie ihrerseits mit ihren Ideen ergänzen, streichen, umformulieren.

All das wird dann gegen vier Uhr morgens besprochen, gegen 5 mit der Regie im Lichte der aufgehenden Sonne und komischen Geräuschen der exaltierten Fauna geprobt - und geht dann um 7 Uhr morgens live auf Sendung.

Kontakt mit der Heimat ist übrigens kein Problem. Wir haben stabiles W-Lan und häufig besseres Netz als in Dobrindtdeutschland. Überdies arbeiten wir praktisch zur selben Zeit wie die Deutschen, bei denen es ja Tag ist, während wir in der Nacht Witze kneten. 

Arschbombe und After-Work-Drink-Runde

Gegen 9 Uhr morgens ist der Spaß dann für gewöhnlich vorbei, und wir fallen wie die Heuschrecken über das "Abendessen" im Versorgungszelt her. Shrimps, bestes Beef, Chicken, Kürbisse und fantastisches Gemüse wie aus einem Food-Porno ... es ist wirklich das beste Catering des Jahres. Im Gegensatz zu zwölf anderen Deutschen, nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt, könnten wir ernsthaft behaupten, nur wegen des guten Essens in den Dschungel zu fliegen.

Auf dem Heimweg genießen wir nicht nur die Auen und Flüsse entlang der Straße, sondern die komplette Werkschau "Frühstück bei Stefanie", die wir auf dem iPhone gesichert haben, bevor eine Arschbombe in unseren kleinen Privatpool hinterm Appartement die After-Work-Drink-Runde einläutet.

Mehr als ein, zwei Biere in der Vormittagssonne sind aber kaum drin. Schließlich müssen wir gegen elf ins Bett. Und um 18 Uhr wieder raus. Dann noch ne Stunde Sport. Wieder Abfahrt. Wieder arbeiten. Und so weiter. 16 Tage lang.

Anstrengend? Na, arbeiten Sie doch mal 16 Nächte zwischen 14 und 22 Stunden am Stück.
Unterhaltsam? Es ist der beste Job der Welt. Ich liebe ihn.

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