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Eurovision Song Contest: Google sieht Lena Meyer-Landrut ganz vorn in Oslo

Vor dem Finale des Eurovision Song Contest stehen die Chancen auf einen deutschen Sieg nicht schlecht - zumindest wenn man den Prognosen der Suchmaschine Google Glauben schenkt.

Deutschland liegt ihr schon zu Füßen - folgt nun auch Europa? Am Samstag wird sich zeigen, ob Lena Meyer-Landrut ein nationales Phänomen bleibt oder ob sie es in die Kategorie eines europäischen Stars schafft. Mit ihrem deutschen Nummer-eins-Hit "Satellite" weckt die 19-Jährige Hoffnungen, dass Deutschland 28 Jahre nach dem Sieg von Nicole und "Ein bisschen Frieden" den Eurovision Song Contest (ESC) in Oslo gewinnen kann. Allerdings zeigte das erste Halbfinale am Dienstagabend, dass auf Meyer-Landrut starke Konkurrenz wartet.

In dem Vorentscheid wählten die Zuschauer in Europa zehn Finalisten für Samstag aus. Weitere zehn werden im zweiten Halbfinale am Donnerstag bestimmt. Mit den vier großen Geldgebern des ESC - Deutschland, Spanien, Großbritannien und Frankreich - sowie Vorjahressieger Norwegen sind dann die 25 Finalteilnehmer komplett.

Viele Auftritte im ersten Halbfinale waren zwar enttäuschend schwach. Und unter den qualifizierten Ländern Bosnien-Herzegowina, Moldawien, Russland, Griechenland, Portugal, Weißrussland, Serbien, Belgien, Albanien und Island gibt es mehrere Kandidaten für hintere Plätze. Allerdings gibt es etwa mit dem Belgier Tom Dice und seinem in der Art von James Blunt vorgetragenen "Me and my guitar" einen Kandidaten, der ähnlich wie im vergangenen Jahr Sieger Alexander Rybak mit "Fairytale" die Zuschauer verzücken könnte. Auch die stimmgewaltige Isländerin Hera Björk bekam viel Applaus.

Allerdings sind die verbleibenden Tage vor dem Finale geprägt von viel Kaffeesatzleserei. Vor allem der Suchmaschinen-Gigant Google heizt die Erwartungen in Deutschland an, weil er mit einer internationalen Analyse von Webseiten-Abfragen Lena seit Tagen als Favoritin einstuft. Google wirbt damit, den Sieg Rybaks im vergangenen Jahr richtig vorher gesagt zu haben.

Das Google-Vorhersagewerkzeug könnte in der deutschen Delegation dennoch auch für Sorgenfalten sorgen. Denn Meyer-Landruts Vorsprung auf die Georgierin Sofia Nizharadze schrumpfte zuletzt deutlich. Und auf Rang drei pirscht sich der Franzose Jessy Matador heran: Sein Beitrag "Allez! Ola! Olé!" ist ein Fußball-Sommerhit. Und bei den britischen Buchmachern, bei denen Lena zeitweise ebenfalls Favoritin war, steht sie inzwischen "nur" auf Rang zwei hinter Aserbaidschan.

Für die von der Unbekümmertheit und Eigenwilligkeit Lenas verzückte deutsche Fangemeinde dürfte es also ein Finale mit viel Zittern und Bangen werden. Je zur Hälfte entscheiden die Zuschauer per Telefonabstimmung und eine Jury aus den Teilnehmerländern über die Punkte. Deren Vergabe ist wie üblich von einem bis zwölf Punkten gespreizt. Jedes Land darf nur für Starter anderer Länder abstimmen - Punkte aus Deutschland gibt es für Lena also nicht.

Der Modus des ESC birgt Besonderheiten, die die Hoffnungen auf einen deutschen Sieg ebenfalls etwas trüben. So gewannen zuletzt immer die Teilnehmer des Halbfinals: Millionen Fans in ganz Europa verfolgen diese und legen sich dadurch bereits vor dem Finale auf einen Favoriten fest - womöglich zu spät für das gesetzte Deutschland.

Die von Stefan Raab entdeckte Lena, die in Oslo ihren 19. Geburtstag feierte, versucht sich von all diesen Spekulationen möglichst frei zu machen. "Platz 28 wäre nicht so geil. Alles ab zehn ist okay", sagte sie im "Stern".

Deutlich optimistischer schätzt Vorjahressieger Rybak die Chancen für das in den vergangenen Jahren immer enttäuschend auf den hinteren Plätze gelandete Deutschland ein. Nachdem er sich die meisten Beiträge angehört hatte, sei er enttäuscht gewesen, sagte Rybak im NDR. "Aber dann habe ich dieses bezaubernde Mädchen aus Deutschland gesehen - ihr Lied hat das gewisse Etwas." Er hoffe, Meyer-Landrut gewinne. "Sie ist die Coolste in diesem Jahr."

Ralf Isermann, AFP / AFP