HOME

Stern Logo Dschungelcamp

Tag 6 im Dschungelcamp 2012: Die Wahrheit aus der Trash-Hölle

Kaum zeigt sich die Sonne am Himmel, da holt Micaela Schäfer ihre Designer-Brüste raus. Und auch an der großen Liebesgeschichte des neuen Dschungel-Traumpaares Kim Debkowski und Rocco Stark scheint höchstens die Hälfte echt zu sein.

Von Björn Erichsen

Was ist eigentlich wahr im Dschungelcamp? Was kann man glauben in diesem immergrünen Trash-Theater? Immerhin gilt die Faustregel, dass durch die 24-Stunden-Kameraüberwachung und den Trupp böswilliger RTL-Redakteure im Schneidraum letztendlich alles irgendwann ans Tageslicht kommt, jede Inszenierung, jede Peinlichkeit. Das beste Beispiel dafür ist aktuell Vielschläfer Martin Kesici (Zietlow: "Norden ist da, wo Martin Moos ansetzt."). Der wurde erst beim Wildpinkeln erwischt und nun auch noch in einem zweifelhaften Zusammenschnitt gewürdigt. Darin spielt der Vier-Finger-Rocker mit seinen Körperfunktionen wie andere Leute auf der Hammond-Orgel: ein halbes Dutzend respektable Rülpser, schambefreites Schleimhochziehen, kapitale Flatulenzen. Immerhin, der Hygienemuffel ist dabei authentisch: "Duschen? - Höchstens alle zwei, drei Tage!" Und spätestens da bekommen wir mal wieder so eine Wulffsche Ahnung: Wahrheit - das muss nicht immer gut sein.

Skeptisch werden sollte man allerdings, wenn es im Dschungelcamp um Romantik geht. Dafür hat es die Laienspielgruppe um Indira und Jay Khan im letzten Jahr einfach zu heftig getrieben mit ihrem Pärchensimulationsexzess. Nun soll angeblich was laufen zwischen Kim und Rocco. Tatsächlich robbt sich der halbe Ochsenknecht immer mal wieder an das Camp-Küken heran und busserlt ihr die von Bläschen geschundene Lippe. Ja, er sei schon irgendwie in Kim verliebt, sagt er, so dass Brigitte Nielsen schon "Liebessuppe" krächzt (Fragen Sie nicht!). Doch in Wahrheit würde er ja alle Frauen im Camp lieben, schleimt der Schmalspur-Charmeur, baggert erstmal Jazzy an und begrüßt als Nächstes Micaela, die pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl ihre Designer-Brüste rausholt, mit "Hallo ihr beiden". Halten wir also fest: Mit der wahren Liebe ist es auch in diesem Jahr im Dschungel nicht weit her. Und nur, weil etwas stimmt, muss es noch lange nicht wahr sein.

"Du hast eine schwere Zeit hinter dir"

Unterdessen versucht Vincent Raven auch weiterhin seine Vollmacke als Special Effect zu tarnen. Diesmal liest er zunächst Jazzy aus der Hand und murmelt dabei Plattitüden wie: "In deinem Leben ging es auf und ab" oder "Du hast eine schwere Zeit hinter dir". Doch wie es nun mal so ist im Leben: kein Verrückter, der nicht mühelos einen Gleichgesinnten findet. Radost Bokel jedenfalls ist schwer beeindruckt, als sie die Patscher hinhält. "Oh, ich fange gleich an zu weinen", schluchzt das braunäugige Sensibelchen, und ist richtig happy, als ihr der Rabenvater den - vorher deutlich ausgesprochen Kinderwunsch - aus irgendeiner Schwiele liest. In so einem Moment hört man die Gehirnwindungen der Sender-Verantwortlichen surren, wie sich aus dieser vielversprechenden Eso-Show wohl am besten Kapital schlagen ließe. Vielleicht ja mit einem schönen Call-in-Format in der RTL-Vormittagsschiene, "Frag den Rab'", oder so ähnlich.

Nichts zu lachen hat dagegen Ailton, der sich gemeinsam mit Martin für die Pipi-Affäre verantworten muss. Für das verbotene Strullen in die Botanik müssen sie drei Tage lang das gesamte Geschirr der Gruppe spülen. "Das ist doch Arbeit für ein Frau", regt sich der kleine Macho vom Zuckerhut fürchterlich auf, diesmal sogar mit Untertiteln. Und überrascht dann noch mit einer Beobachtung, die vor allem die hiesige Tourismusbranche darüber ins Grübeln bringen dürfte, wie wir auf unsere ausländischen Gäste wirken: "Ich verstehe die Panik nicht", schimpft Ailton nämlich. "In Deutschland pinkeln alle Leute auf die Straße, das ist ganz normal."

Der Instinkt des Torjägers

Der Brasilianer ist allerdings auch deswegen ziemlich aufgeregt, weil er zusammen mit Ramona zur Dschungelprüfung muss. Es ist schon ein trauriges Bild, wie der ehemalige Torschützenkönig da in den Seilen über dem See hängt, während Ramona, voller Schleim und mit verbundenen Augen, versucht, den kleinen Fleischklops über die im Wasser schwimmenden Styropor-Sterne zu navigieren. "Weiter, weiter", "Komm, komm", "Jetzt, jetzt" - Ailton brüllt sich fast die Lunge aus dem Leib, doch die Kommunikation ist das große Manko. Das Spiel scheint schon an ihm vorbeizulaufen, doch im entscheidenden Moment ist der Brasilianer da: Der Kugelblitz schwebt frei über der Box, in die er die Styroporsterne werfen soll. Er holt aus, zielt – und trifft, sogar im Doppelpack. Er ballt die Faust, es ist fast alles wie früher: "Ailton - Stern - alles gut!"

Am Ende bringen die beiden fünf Sterne mit ins Camp, und Ramona kann sich freuen, dass sie vom Publikum nicht schon wieder zur Dschungelprüfung auserkoren wurde. Diese Ehre hat nun Martin, dessen Körperfunktionen anscheinend bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nur er selbst hat von dem Bläh-Video keine Ahnung, das ist ja das Tückische in der Trash-Hölle. Es ist das vorletzte Mal, dass das Publikum den Teilnehmer der Dschungelprüfung bestimmt. Ab Freitag machen das die Teilnehmer selbst. Und die Zuschauer werden damit anfangen, die ersten Kandidaten rauszuwählen. Dann beginnen im Camp tatsächlich die Tage der Wahrheit.