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Die EM beim ZDF Bitte immer Oliver Kahn füttern

TV Kritik EM 2016 ZDF-Studio
EM-2016-Runde im ZDF: Der Kollege aus Polen da rechts saß sich ungefragt wund, während Oli Kahn (2.v.r.) mit Allgemeinplätzen brillierte und Mark Forster (l.) vielleicht auch nicht wieder eingeladen werden sollte
© Screenshot ZDF
Gegen die Beckmann-EM-2016-Psychedelia der ARD kann das ZDF nur verlieren, televisionäre Höhepunkte rund ums Polen-Spiel sind Mangelware: Wenn gepresst wird, dann aber richtig. Und Kahn darf jederzeit gefüttert werden.
Von Ingo Scheel

"Für die Zwerge ist eine Menge möglich" - Alf-Darsteller Michu Meszaros ist noch nicht einmal unter der Erde, da wird im ZDF schon wieder über Kleinwüchsige gegiggelt. Nordirland hat gerade die Ukraine besiegt, die Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Fußball jedoch ist noch nicht zu allen durchgedrungen. Oliver Welke muss da etwas nachjustieren. Und befindet sich dabei zumindest in bester Gesellschaft. Auch Cathy Hummels, die sympathische Wechsel-Juicerin von nebenan, hängt mit dem Studieren des Panini-Albums hinterher. Die polnische Mannschaft firmiert bei ihr unter "Überraschungsgegner".

Die einen wälzen noch den Duden, um herauszufinden, was das überhaupt bedeutet, die anderen setzen schon Cathys Online-Schminktipps für das Spiel um: Bläulich-schwarz und Smokey-Eyes. Besser als das gängige Augen-Make-up bei dieser EM - rot-unterlaufen - ist das allemal, und so schick gemacht lässt sich auch die ZDF-Runde zum Spiel Deutschland gegen Polen gleich besser ertragen.

Auch diesmal wieder mit Oli Kahn - die EM 2016

Während in der ARD die Gespenster von Malente durch Beckmanns Hochrisiko-Sendung schweben, regiert im ZDF titanöse Bodenständigkeit: Ein Müller. Ein Götze. Ein Gomez. Ohaueha, und ein Bier bitte. Wer auch im - wievielten eigentlich? - Jahr des Olli Kahn als TV-Experte so etwas wie vertrauliches Hoheitswissen erwartet, muss auch weiterhin mit der Enttäuschung leben. Vorteilspost wird hier nicht ins Wohnzimmer verklappt, stattdessen zunehmend professionell verklausulierter Allgemeinplatz.

Das weiß natürlich auch die Redaktion, deswegen füllt der wackere Sebastian Kehl ein wenig den Raum zwischen den Fugen. Rechts außen sitzt sich zudem ein polnischer Gast fast ungefragt wund, links außen darf Mark Forster, der Ersatz-Naidoo für die Kabinen-Playlist, kurzzeitig ein wenig Talkluft schnuppern. Und von Löws Taschenbillard schwärmen: "Wie entspannt der ist, nä? Das ist wie im Dschungelcamp, nä? Authentischer geht's nicht, nä? Und 80 Prozent am Sack packen ist untertrieben, nä?"

Die besten Sprüche der EM 2016

Liebes ZDF, den laden wir nicht nochmal ein, nä? Zumindest hat er nicht gesungen, dafür läuft sein EM-Song in so hoher Frequenz, man wünscht sich fast Bon Jovi zurück.

Holger Stanislawski muss weiterkommen

 Wer natürlich immer wiederkommen darf und soll und muss, das ist Holger Stanislawski. Der lässt während der Euro den Supermarkt Supermarkt sein und verdingt sich stattdessen an der digitalen Schauwand. Erklärt Spielzüge, bekommt die Technik immer besser in den Griff und ist der Mann für die Zitate-Datenbank: "Wenn wir pressen, dann müssen wir richtig pressen. Und dann alle zusammen. Und Khedira wird nach hinten raus interessant".

Das alles in einem Duktus, als würde Tim Mälzer im Ohnsorg-Theater Uwe Seeler spielen. Top-Mann. Unbedingt mit Stammplatzgarantie ausstatten. Holger Stanislustig spielt Virtual Subbuteo am Touchscreen. Ein langfristiger Vertrag ist dringend angeraten, auch wenn seine Studio-Kollegen so spät am Abend kaum noch aufnahmefähig sind und für die dann auch nach hinten raus kaum noch was zu holen ist.

Als hätte Günter Willumeit einen Spot für Flens-Bier gedreht, so stoisch sitzen die drei da, während Last Man Stanislawski sich vorn ins Zeug legt und davon kündet, dass man ins Zentrum schieben muss, weil das Zentrum nun mal am wichtigsten ist.

Und uns noch einmal vor Augen führt, was man braucht, um Tore zu schiessen: Schangsen nämlich. Vive la Französisch-Grundkurs. So muss das sein. Applaus vom Talktisch? Keine Schangse.

Bitte immer den Oli füttern

Sonst noch was? Kati Müller-Dingens trug einen Hubba-Bubba-Gedächtnispulli, Jogi kramte diesmal nur in den Hosentaschen und Welke knuffte dem Forster noch ein wenig Tratsch in die Seite: "Das ist Oli Kahn. Der darf immer gefüttert werden". Muahaha. Hoffentlich hat die heute-show nicht mitgeschrieben.


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