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TV-Kritik

"The Voice of Germany": Irgendwann wird "geil, geil, geil" auch mal langweilig

Die sechste Staffel "The Voice of Germany" ist gestartet. Und fast wünscht man sich auch mal einen schlechten Sänger.

Von Andrea Zschocher

The Voice of Germany

Die "The Voice of Germany"-Jury: In der sechsten Staffel der Sendung kämpfen viele Gesangstalente um den Sieg.

"The Voice of Germany" ist Meckern auf hohem Niveau. Denn all die Talente, die da vor der Promijury auftreten dürfen, sind gut. Kein Wunder, denn wie die Zwillinge Daniela und Diana, die leider nicht gut genug waren, verraten: Es gibt jede Menge Castings im Vorfeld. Der Weg ins Fernsehen ist also lang und aufwendig. Vorcasting, erneutes Casting, irgendwann dann die Blind Audition, also das, was die Zuschauer ab sofort donnerstags und sonntags bei Pro Sieben und Sat1 ansehen dürfen. Von da aus wird der Weg mit Kameras begleitet. Battles, Halbfinale, Finale.

Alle "Talents" sind gut

Ein bisschen fehlt da die Überraschung, es gibt wenig schräge Töne. Und trotzdem kommen natürlich nicht alle weiter. In der ersten Ausgabe bekam die 46-Jährige Maggie Jean keinen Coach. Sie war einfach zu professionell, erklärte Yvonne Catterfeld. Auch für Hanna mit den blauen Haaren wurde nicht gebuzzert, sie war einfach nicht außergewöhnlich genug.

Klar, eine Castingshow lebt von Extremen, und bei "The Voice of Germany" gab es in der ersten Ausgabe gleich eine ganze Menge davon. Ob der Metal und Musical liebende Michael mit seinem markanten Bart oder die 25-jährige Marina, die eine Stimme hat die sehr nach Alkohol und Zigaretten klingt. "Du hast eine brutale Powerstimme" umgarnte Sänger Andreas Bourani die Lehrerin. Sie entschied sich dann auch für ihn, weil sie eben auch „so Bock“ auf die gemeinsame Arbeit hatte.

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Guter Gesang, gutes Aussehen

Dass die Coaches Samu Haber, Yvonne Catterfeld, Michi Beck und Smudo sowie Andreas Bourani die Sänger, in der Show "Talents" genannt, nicht sehen sondern sich auf ihr Gehör verlassen müssen, ist Teil des Konzeptes. Oft genug sehen die Talente aber ziemlich gut aus. So entfuhr Catterfeld beim Sänger Bünyamin ein kleines Geständnis. "Ich finde dich sehr hübsch", hauchte sie errötend. Aber schnell zurück zur Musik, es sollte ja nicht der Eindruck entstehen, dass Menschen hier aufgrund ihres Aussehens weiterkommen.

"The Voice of Germany" lebt auch von dem Gekabbel, oder neudeutsch, dem Batteln, der Coaches. Die Zwei von den Fanta 4, die bereits zweimal mit ihrem Talent gewonnen haben, erklärten Sänger Andreas Bourani zum größten Konkurrenten.

"Auf gar keinen Fall soll der Bourani das bekommen, was gut ist" gaben sich Smudo und Michi Beck kämpferisch. Es gelang ihnen auch, denn das vielleicht größte Talent des Abends, der Schweizer Marc entschied sich für die Fanta 4. "Ich mache Musik, weil es mir und meinem Herzen gut tut" erzählte Marc, und das merkte man seinem Auftritt auch an. Gemeinsam mit den Coaches rockte der Schweizer die Bühne und spielte gleich mehrere Songs. Klar, dass jeder dieses Talent in seinem Team haben wollte. Marc stellte sofort klar, dass er sich nicht verbiegen lassen will und von seinem Unterstützer erwartet, seinen Weg gemeinsam mit ihm zu gehen.

Geil, geil, obergeil - "The Voice of Germany"

Und das ist, neben den wirklich guten Sangeskünsten wohl der größte Unterschied zu allen anderen Castingformaten dieser Art. Bei "The Voice of Germany" steht die Musik im Vordergrund. Fraglich ist nur, wie viel Erfolg die Teilnehmer dann im Nachhinein haben.

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Immerhin, ein Finalist der zweiten Staffel, Max Giesinger, hat es mit seinem Song "80 Millionen" in die Charts geschafft. Und stand dem Talent Darius bei seinem Auftritt zur Seite. "Ich bin Supporter und Fan der ersten Stunde" unterstützte er den Kölner. Mal sehen, wie weit dieser Support dann reicht.

Der Finne Samu Haber ist nach einer Auszeit wieder zurück auf dem drehenden Stuhl. "Alle Dings in meinem Kopf sind ready", sagte er. Ready, bereit, sind auch die "Talents".

Der Auftakt der Show war schon mal erfolgversprechend, da war für jeden Geschmack etwas dabei. Von "obergeil" über "geil" bis "unfucking" gut reichte das Spektrum. Die Hoffnung ist, dass die Coaches sich ein breiteres Repertoire an Lobeshymnen überlegen. Denn geil, geil, geil ist irgendwie auch ziemlich langweilig.