HOME

100. Geburtstag von TV-Köchin Julia Child: Ein Google-Doodle mit gutem Geschmack

Sie war schon bekannt, als Jamie Oliver Töpfe noch zum Trommeln benutzte: Die TV-Köchin Julia Child wäre heute 100 geworden. Google zeigt aus diesem Anlass ein Doodle für die Fernseh-Feinschmeckerin.

Von Julia Holzapfel

Julia Child gilt heute als Vorreiterin der TV-Kochsendungen und als Ikone der French Cuisine. Der Weg in die Küche und schließlich auf die Bildschirme amerikanischer Feinschmecker war bei Child aber alles andere als geradlinig. Als Tochter eines Immobilieninvestors und einer Papierfabrikerbin wird sie 1912 in Kalifornien geboren und wächst in privilegierten Verhältnissen auf. Von ihren Schulfreunden wird sie als wildes, unbändiges Kind beschrieben.

1930 schreibt sie sich an einem College in Northhampton ein, mit der Absicht Autorin zu werden. "Es gab damals einige bekannte Schriftstellerinnen. Ich hatte die Absicht auch eine zu werden." Ihre Kurzgeschichten und Artikel werden jedoch nie veröffentlicht. Nach ihrem Collegeabschluss arbeitet sie in der Werbeabteilung eines Möbelhauses, wo sie aber wegen "grobem Ungehorsam" bald entlassen wird.

Während des zweiten Weltkrieges ist die Amerikanerin für das "Office of Strategic Service" tätig, eine Abteilung der US-Regierung, die für den Austausch geheimer Dokumente zuständig war und den Vorläufer der CIA darstellt. Bei einer Geschäftsreise nach Sri Lanka lernt sie ihren späteren Mann, den Offizier Paul Child, kennen, die beiden heiraten nach Kriegsende.

Über den diplomatischen Dienst zur French Cuisine

Als Paul eine Stelle in der amerikanischen Botschaft in Paris erhält, zieht das Ehepaar nach Frankreich. Dort besucht Julia Child sechs Monate lang die "Cordon Bleu"-Kochschule, die heute in 27 Ländern Ableger hat und eine Pioniereinrichtung in der gastronomischen Ausbildung ist. Mit ihren gleichgesinnten Kochschulkolleginnen Simone Beck und Louisette Bertholle gründet sie ihre eigene Kochschule, die "L'Ecole de Trois Gourmandes" (Die Schule der drei Leckermäuler), wo sie ihre Liebe zur französischen Küche weiterentwickelt: "Ich war 32, als ich zu kochen begann. Bis dahin habe ich nur gegessen."

Das ambitionierte Ziel der drei Leckermäuler: den Otto-Normal-Amerikaner für die französische Küche begeistern. Ihr zweibändiges Werk "Mastering the Art of French Cooking" erscheint 1961 und bleibt fünf Jahre lang das meistverkaufte Kochbuch in den USA. Als Child das Buch live bei einem Bostoner Fernsehsender bewirbt und mit Humor und Hingabe ein Omelett zubereitet, löst sie ungeahnte Reaktionen aus. Entgegen der Erwartungen der Programmchefs erreichen zahlreiche begeisterte Zuschauerbriefe den Sender, sodass Child, die auf dem Bildschirm vor allem mit ihrem Witz und ihrer Unverblümtheit besticht, weitere Kochsendungen aufzeichnet.

Nicht auf den Mund gefallen

Als "The French Chef" wird sie ab 1962 einem Millionenpublikum bekannt. Darauf folgen weitere Sendereihen wie "Baking with Julia" oder "Dinner at Julia's". Sie begeistert die Massen, aber es werden auch kritische Zuschauerstimmen laut. Die Art, wie sie mit dem Fleisch "herumspielt" oder Knochen "durchbricht", wird ihr als "schlechte Küchenmanier" vorgehalten. Auf die Beschwerde von Zuschauern, sie nehme es mit dem Händewaschen nicht so genau, entgegnet Child: "Ich kann diese überhygienischen Leute sowieso nicht leiden." Auch auf den Vorwurf, die französische Küche sei viel zu fettreich, weiß Child einen kulinarischen Konter: "Die einzige Zeit, um Diätnahrung zu essen, ist die, bis das Steak fertig ist."

Die Kritiker fügen Childs Ruf als Koryphäe der französischen Küche keinen Schaden zu. 1993 erhält sie als erste Frau einen Eintrag in die amerikanische "Culinary Hall of Fame". Auch Frankreich ehrt sie als Botschafterin der französischen Küche, indem sie den Verdienstorden "Legion d'Honneur" verliehen bekommt. Nachdem Child 2004 mit fast 92 Jahren an einem Nierenversagen stirbt, wird als letztes Buch ihre Autobiographie "My Life in France" veröffentlicht. Bis zum Sterbebett hat Child ihrer Leidenschaft gefrönt und gekocht: "Mit dieser Art von Arbeit machst du weiter, bis du ganz durch bist."

Als Hommage an die wegweisende Fernsehköchin drehte Nora Ephron 2009 den Film "Julie & Julia" für den Meryl Streep in der Rolle als Julia Child einen Golden Globe als beste Darstellerin erhielt.

Julia Holzapfel
  • Julia Holzapfel