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Entführung in Mali: Deutsche Touristin verschleppt

In der Grenzregion zwischen Mali und Niger sind offenbar eine deutsche Touristin und drei weitere Europäer entführt worden. Das hat das Auswärtige Amt in Berlin bestätigt. "Wir gehen entsprechenden Meldungen nach", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Bei einer Entführung im malisch-nigrischen Grenzgebiet sind nach Angaben des Gouverneurs der nordmalischen Region Gao vier ausländische Touristen entführt worden. Bei den Entführten handele es sich um eine Deutsche, zwei Schweizer und einen britischen Staatsbürger, sagte Gouverneur Amadu Baba Turé. Die vier Ausländer seien am Donnerstag auf nigrischem Staatsgebiet entführt worden, als sie vom Festival Andéramboukane im Norden Malis zurückkamen.

Bisher völlig offen ist der Hintergrund der Tat. Nach Angaben malischer Behördensprecher hat bisher keine Gruppe die Verantwortung für den Überfall übernommen. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass es sich bei den Tätern um Tuareg handelt.

Das Auswärtige Amt teilte in Berlin mit, es gehe zusammen mit der deutschen Botschaft in Bamako Meldungen nach, wonach "eine deutsche Staatsangehörige seit heute Mittag in Mali vermisst" wird. Das Ministerium und die Botschaft bemühten sich um rasche Aufklärung der Sachverhalte, sagte ein Sprecher. Bei der entführten Deutschen soll es sich um 75-jährige Frau aus Hessen handeln.

Aus malischen Sicherheitskreisen wurde bestätigt, dass am Mittag zwei Autos mit europäischen Touristen überfallen worden seien. Der Zwischenfall ereignete sich den Angaben zufolge im nigrischen Bani-Bangou, einer Ortschaft rund 60 Kilometer von der Grenze zu Mali entfernt. Dabei habe ein Auto flüchten können, das Auto mit der Deutschen an Bord wurde gestoppt und die Insassen entführt. Laut Augenzeugenberichten sollen bei dem Überfall auch Schüsse gefallen sein, es wurde aber wohl niemand verletzt.

Schweizer Außenministerium bestätigt Entführung

Das Außenministerium in Bern bestätigte ebenfalls, dass zwei Schweizer Staatsbürger entführt worden seien. Man sei in Kontakt mit den lokalen Behörden, den Angehörigen der Entführten, sowie den deutschen und britischen Behörden, sagte Sprecher Lars Knuchel der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Auf der Website des Auswärtigen Amtes wird ausdrücklich vor Reisen in die betroffene Wüstenregion gewarnt. Bereits vor zwei Wochen hatten Sicherheitsdienste vor Entführungen westlicher Ausländer während eines Festivals nördlich von Timbuktu gewarnt.

Turaeg-Rebellion im Grenzgebiet

Im Norden Malis sind nicht nur Banditen und Schmuggler unterwegs, auch eine Tuareg-Rebellion sorgt im Grenzgebiet von Mali, Niger und Algerien für Instabilität. Die malischen Behörden hatten erst vor wenigen Tagen nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Standorte der Tuareg-Rebellen zerstört. Gefahr für Reisende in der entlegenen Region in der Sahara geht auch von algerischen Extremisten aus, die jenseits der algerischen Grenze ihre Rückzugslager haben.

In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Entführungen von Sahara-Touristen, etwa in Algerien. Den Tätern ging es meist um Lösegeld, es gab jedoch auch Entführungen mit politischem Hintergrund. Die Verhandlungen über die Freilassung der Entführten zogen sich zum Teil über Monate hin.

AFP/DPA / DPA