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Ebola-Epidemie: Liberias Präsidentin verhängt nächtliche Ausgangssperre

Quarantäne von zwei Stadtvierteln und eine nächtliche Ausgangssperre: Liberias Regierung greift hart durch, um gegen die Ebola-Epidemie anzukämpfen. Das Land muss bereits 466 Ebola-Tote vermelden.

Liberia verhängt wegen der Ebola-Epidemie eine nächtliche Ausgangssperre. Wie Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Dienstagabend in einer Rundfunkansprache ankündigte, soll die Ausgangssperre ab Mittwoch jede Nacht von 21 Uhr bis 6 Uhr gelten. Außerdem stellten die Behörden zwei ganze Stadtviertel unter Quarantäne, davon eines in der Hauptstadt Monrovia.

Liberia ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mit bislang 466 Toten am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen. Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 1200 Tote und über 2200 Infizierte.

Das Ebola-Virus war zunächst zu Jahresbeginn in Guinea aufgetaucht, im Grenzgebiet zwischen Sierra Leone und Liberia. Es verbreitete sich rasch in den beiden Nachbarstaaten und erreichte schließlich Nigeria. Der Erreger löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

WHO spricht von Gesundheitsnotfall

Die WHO erklärte die Epidemie inzwischen zum Gesundheitsnotfall und ließ den Einsatz noch nicht erprobter Medikamente und Impfstoffe in den betroffenen Ländern zu.

Nigeria meldete am Dienstag ein fünftes Ebola-Opfer. Wie Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu mitteilte, starb ein Arzt, der sich Ende Juli um Nigerias ersten Ebola-Toten, einen aus Liberia eingereisten Mann, gekümmert hatte.

Drei Verdachtsfälle in Deutschland und Österreich erhärteten sich unterdessen nicht. Die Berliner Charité teilte am Dienstagabend mit, bei einer Patientin, die unter vorübergehendem Ebola-Verdacht ins Krankenhaus eingeliefert worden war, "alle Tests" zum Nachweis von Ebola negativ. Die Frau, die sich vor acht Tagen in Afrika aufgehalten hatte, leidet demnach an einer Malaria-Infektion. Auch bei zwei Ebola-Verdachtsfällen in Oberösterreich gaben die Behörden am Dienstagabend Entwarnung. Die beiden Männer aus Nigeria wurden ebenfalls negativ auf Ebola getestet, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Weiterer Verdachtsfall in den USA

Auch in den USA gibt es einen weiteren Ebola-Verdachtsfall. Ein Patient wurde in ein Krankenhaus in Sacramento im Bundesstaat Kalifornien eingeliefert und in einem Isolierzimmer untergebracht, teilt der Krankenhausbetreiber mit. Um eine Ebola-Erkrankung auszuschließen, soll die US-Gesundheitsbehörde CDC eine Blutanalyse vornehmen.

Ende Juli waren zwei erkrankte US-Bürger, ein Arzt und eine Missionarin, aus Afrika zur Behandlung in die USA gebracht worden. Sie wurden mit einem noch nicht zugelassenen Mittel behandelt, das zuvor nur an Tieren getestet worden war.

In Vietnam wurde ein nigerianisches Ehepaar unter Ebola-Verdacht ins Krankenhaus eingeliefert. Obwohl beide zunächst nur Fieber hatten, wurden sie in der Klinik in Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden des Landes isoliert.

stb/AFP/AFP