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Hurrikan "Katrina": New Orleans entgeht der Katastrophe

Die Südstaatenmetropole New Orleans ist offenbar knapp einer größeren Katastrophe durch den Monsterhurrikan "Katrina" entgangen. Der gefährliche Wirbelsturm drehte kurz vor der Küste leicht nach Osten, schwächte sich ab und streifte die erstmals in ihrer Geschichte zwangsevakuierte Stadt. Die Lage bleibt aber gefährlich.

Mit Windgeschwindigkeiten von gut 230 Stundenkilometern haben Ausläufer des Hurrikans "Katrina" am Montag auf New Orleans eingedroschen. Heftige Böen rissen unter anderem Löcher in das Dach des Fußballstadions Superdome, wo rund 9.000 Menschen Zuflucht gesucht hatten.

Einige Häuser standen binnen kurzer Zeit bis zur Decke unter Wasser, mindestens eine halbe Million Menschen im US-Staat Lousiana waren ohne Strom. "Das Wasser steigt sehr schnell", meldete sich Chris Robinson aus New Orleans per Mobiltelefon bei den Rettungsdiensten und bat darum, schnellstens aus seinem Haus evakuiert zu werden. An einer anderen Stelle war ein Ehepaar auf einem Dach gestrandet. 80 Prozent der Einwohner waren allerdings dem Aufruf der Behörden gefolgt und hatten ihre Stadt im Zuge der ersten Zwangsevakuierung in der Geschichte von New Orleans bereits am Sonntag verlassen.

Wie durch ein Wunder hielten die meisten Dämme zunächst, die New Orleans vor den Wassermassen des Mississippi und des Pontchartin-Sees schützen. Die Behörden gaben aber keine Entwarnung. Flutwellen wurden auch später nicht ausgeschlossen. 70 Prozent der Stadt liegen unter dem Meeresspiegel. Wenn die Dämme brächen, würde die gesamte Stadt wahrscheinlich wochenlang unter Wasser stehen.

Die verbliebenen Einwohner suchten in Notunterkünften Zuflucht. Der Sturm traf gegen 06.00 Uhr Ortszeit (13.00 MESZ) östlich von Grand Isle auf die Küste von Louisiana, wie das Nationale Hurrikanzentrum in Miami mitteilte. Über Nacht hatte er ein wenig von seiner zerstörerischen Kraft verloren. Über dem Golf von Mexiko waren Geschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern gemessen worden. Als der Hurrikan schließlich die Küste erreichte, waren es 235 Kilometer, so dass er in die zweithöchste Kategorie 4 herabgestuft wurde. Später waren es dann nur noch rund 200 Kilometer pro Stunde, was der Kategorie 3 entspricht.

Flutwellen niedriger als befürchtet

Über dem Golf hatte "Katrina" leicht nach Osten abgedreht, so dass die Metropole New Orleans hoffen durfte, von den schlimmsten Verwüstungen verschont zu bleiben. Die Stadt war besonders gefährdet, weil sie teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegt. Schon Stunden vor Eintreffen von "Katrina" standen zahlreiche Straßenzüge unter Wasser. Besonders das historische Französische Viertel war betroffen. Die Flutwellen erreichten eine Höhe von gut vier Metern, was allerdings nur halb so hoch war wie befürchtet.

Gleichwohl wurde mit Überschwemmungen größeren Ausmaßes gerechnet. Bürgermeister Ray Nagin sprach von einem bislang einmaligen Ereignis. "New Orleans ist noch nie direkt von einem Hurrikan dieser Stärke getroffen worden", sagte er. Der bisher schwerste Wirbelsturm war vor 40 Jahren der Hurrikan "Betsy", der fast die Hälfte der Stadt unter Wasser setzte. Damals kamen 74 Menschen ums Leben. Zwtl: Auch Mississippi und Alabama betroffen Auch an der Küste der Staaten Mississippi und Alabama wurden schon vor dem Eintreffen von "Katrina" Boote an Land geschleudert und Straßen überflutet.

"Katrina" hatte am Wochenende bereits in Florida sieben Menschen in den Tod gerissen. Am Montag starben bei der Evakuierung eines Pflegeheims in New Orleans drei Menschen.

Die Stromversorgung in New Orleans fiel schon am Morgen aus, ebenso der größte Teil des Telefonnetzes. Ohne Stromversorgung kann auch das Pumpensystem nicht mehr arbeiten, das die Stadt normalerweise trocken legt. Mehr als 70 Prozent des Stadtgebiets von New Orleans liegen unter dem Meeresspiegel.

Hunderttausende flohen

Hunderttausende waren vor "Katrina" in kilometerlangen Autokolonnen Richtung Norden und Westen geflüchtet. Vor allem in den Armenvierteln harrten jedoch viele Menschen aus, in den Notrufzentralen gingen Anrufe von Eingeschlossenen aus beschädigten Häusern ein. Die Rettungskräfte konnten wegen der verheerenden Zustände allerdings nicht zu Einsätzen ausrücken. Zahlreiche Menschen stiegen Medienberichten zufolge auf die Dächer.

Experten rechneten mit gewaltigen Schäden in der Katastrophenregion am Golf von Mexiko. Voraussichtlich wird es der kostspieligste Wirbelsturm, der die USA je getroffen hat. Nach ersten Schätzungen von Spezialisten könnte er mehr als 30 Milliarden Dollar (24,5 Milliarden Euro) kosten. Zugleich trieb "Katrina" zeitweise den Ölpreis auf neue Rekordhöhen. In der Spitze stieg US- Öl auf 70,80 Dollar je Barrel (159 Liter).

"Ich sehe das Tageslicht durch die Decke", berichtete Reporter Ed Reams vom Lokalfernsehsender WDSU aus dem Footballstadion "Superdome", wo rund 10 000 Menschen Zuflucht gesucht haben. Ein Teil der Dachabdeckung sei aufgerissen und der Regen prassele auf den Rasen. Die Nationalgarde, die die Gestrandeten betreut, brachte mehrere tausend Menschen in einen anderen Bereich des Stadions. "Die Leute hier sind unglaublich - alle bewahren die Ruhe", sagte Ed Bush, Sprecher der Nationalgarde, im US-Fernsehen.

Weitere Todesopfer werden erwartet

In mehreren Hotels der Innenstadt harrten hunderte Touristen aus, die keinen Flug und kein Mietauto mehr bekommen hatten, um die Stadt zu verlassen. Die Behörden rieten ihnen, sich in die oberen Stockwerke zu retten.

Auch in anderen Regionen fegte der Wind mit Orkanstärken übers Land. Im Südosten Louisianas brach die Stromversorgung zusammen, hunderttausende Menschen saßen im Dunkeln. "Der Hurrikan ist so gefährlich, dass es nicht ohne Todesopfer abgehen wird", hatte Michael Brown vom Nationalen Katastrophenschutz gewarnt.

"Katrina" hatte zeitweise Spitzen von weit über 300 Stundenkilometern erreicht. Kurz bevor der Sturm auf Land traf, hatte ihn das Hurrikan-Zentrum von der höchsten Kategorie 5 auf 4 zurückgestuft. Vorher hatte es geheißen, "Katrina" könnte alles bisher Dagewesene übertreffen, weil ihr Umfang weitaus größer als der ihrer berüchtigten Vorgänger sei. Die Ausmaße des Hurrikans erreichten die doppelte Größe Deutschlands.

Riesige Flutwellen drohen

In New Orleans war am Sonntag zum ersten Mal in der Geschichte die Evakuierung der Stadt angeordnet worden. Für Louisiana wurden Flutwellen von bis zu siebeneinhalb Metern erwartet - das wären die höchsten, die jeweils in den USA bei Hurrikans gemessen wurden. Gefährlich hohe Wellen wurden aber auch für Mississippi, Alabama und sogar Florida vorausgesagt.

New Orleans hatte im Jahr 1965 seine bisher schlimmste Sturmkatastrophe erlebt. Damals hatte Hurrikan "Betsy" die halbe Stadt unter Wasser gesetzt, 60 000 Menschen wurden obdachlos. In Louisiana sowie den angrenzenden Staaten kamen über 70 Menschen ums Leben.

Wie Hurrikane entstehen

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DPA, AP / AP / DPA