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Hurrikan "Rita": Dammbruch in New Orleans - Massenflucht in Texas

Hurrikan "Rita" droht New Orleans in eine zweite Katastrophe zu stürzen: Nach heftigen Regenfällen brach unter dem Druck des Wirbelsturms in der Stadt ein gerade geflickter Deich. Eine Massenflucht hat in Texas und Louisiana Verkehrschaos ausgelöst.

Im betroffenen Viertel stehe das Wasser bis zu zwei Meter in den Straßen, berichtete der Sender CNN. Die Massenflucht vor dem heranrasenden Hurrikan "Rita" stürzte die bedrohten US-Staaten Texas und Louisiana in ein Verkehrschaos. Weil zwei Millionen Menschen mit Autos und Bussen ins Landesinnere drängten, waren die Highways am Freitag hoffnungslos überlastet. Mindestens 24 Menschen starben, als ein Bus mit Flüchtlingen explodierte. US-Präsident George W. Bush wollte sich noch an diesem Freitag in Texas ein Bild von den Vorbereitungen der Nationalgarde auf den Hurrikan machen.

Überflutungen in New Orleans befürchtet

Wetterexperten schätzten, dass der Hurrikan am Samstag zwischen 14.00 und 17.00 Uhr (MESZ) auf Land treffen wird. Am Freitagabend (1800 MESZ) gingen die Experten laut CNN davon aus, dass "Rita" in der Höhe von Port Arthur, rund 100 Kilometer östlich von Galveston, die Küste erreichen wird. Der Wirbelsturm schwächte sich am Freitag weiter ab. Er erreichte am frühen Nachmittag (Ortszeit) Windgeschwindigkeiten von 201 Stundenkilometern und wurde in die Kategorie 3 herabgestuft. Experte Ed Rappaport im Hurrikan-Zentrum in Miami schloss nicht aus, dass "Rita" bis zur erwarteten Ankunft noch Energie verliert und als Hurrikan der Stufe 2 auf das Land trifft.

In New Orleans fürchteten die Menschen nach dem ersten Deichbruch, dass der Wirbelsturm "Rita" gut drei Wochen nach dem Hurrikan "Katrina" weite Teile der Stadt überfluten könnte, obwohl die Stadt nur von Ausläufern des Sturms getroffen werden dürfte. In der Südstaatenmetropole waren am Freitagmittag (Ortszeit) mindestens 30 Straßenzüge überschwemmt, nachdem ein Deich an mehreren Stellen gebrochen war. Das bestätigte der vor Ort eingesetzte US-General Bill Caldwell am Freitag. Das Wasser stand am Deichbruch so hoch, dass die Schäden zunächst nicht untersucht werden konnten. Der Damm war bereits bei dem Ansturm von Hurrikan "Katrina" vor gut dreieinhalb Wochen gebrochen und danach notdürftig repariert worden.

Ölindustrie in den betroffenen Gebieten

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Zehntausende auf der Flucht

In Texas verstopften Zehntausende Flüchtlinge mit ihren Wagen die Highways. Autobahnen glichen riesigen Parkplätzen. Vielen Autos sei de Treibstoff ausgegangen, berichtete der Nachrichtensender CNN aus der Millionenstadt. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry sagte, die Nationalgarde versorge liegen gebliebene Fahrzeuge mit Benzin. An den Straßen würden Notzapfsäulen aufgestellt und für alle Bürger seien Notunterkünfte vorhanden. Houstons Bürgermeister Bill White appellierte an die Bewohner: "Bitte verlassen Sie nicht mehr Ihre Häuser." Der Zeitpunkt für die Flucht sei überschritten.

24 Menschen starben, als ein Bus, der Hurrikan-Flüchtlinge von Houston nach Dallas bringen sollte, auf einer Autobahn in der Nähe des Zielortes explodierte. Nach Polizeiangeben sollen die Bremsen des Wagens Feuer gefangen haben und Sauerstoffflaschen im Fahrzeug explodiert sein.

Wer Houston noch nicht verlassen habe, komme nicht mehr weg, berichteten Reporter. "Der Verkehr ist schrecklich. Ich hab' das im Fernsehen gesehen", sagte die 67-jährige Geneta Smith dem Radiosender "KLVI". Sie will zu Hause in Baytown, südöstlich von Houston, auf "Rita" warten. "Ich bleibe lieber daheim und riskiere, dass mein Haus beschädigt wird, als dass ich auf der Autobahn ins Nichts fahre."

"Wir hatten eigentlich nicht vor zu gehen", sagte die 68-jährige Zelda Fruzia, die am Stadtrand von Houston wohnt. "Aber als wir von Windgeschwindigkeiten bis zu 280 Stundenkilometern hörten, haben wir unsere Meinung geändert."

Eine Umweltkatastrophe droht

Die führenden Industrieländer (G7) fürchten durch Hurrikan "Rita" eine weitere Ölpreiserhöhung. Zwar habe die Weltwirtschaft den hohen Preis bislang gut verkraftet, doch könnten die Turbulenzen an den Märkten je nach den Schäden an Raffinerien und Ölplattformen vor Texas noch verstärkt werden, verlautete am Freitag in Washington aus deutschen Delegationskreisen.

Sollte der Wirbelsturm die Region von Houston und Galveston treffen, könnten die Anlagen der Öl- und Chemieindustrie schwer beschädigt werden. Mindestens 18 von 25 Raffinerien, die sich auf dem berechneten Weg des Sturmes befinden, wurden geschlossen. Das sind rund 25 Prozent des landesweiten Öl-Bedarfs.

US-Präsident George W. Bush wollte sich am Freitag einen Überblick vom Stand der Vorbereitungen in seinem Heimatstaat Texas machen. Danach werde Bush nach Colorado fliegen, um die weitere Entwicklung des Wirbelsturms und die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen zu verfolgen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan.

Tausende Texaner bringen sich in Mexiko vor dem Hurrikan "Rita" in Sicherheit. Nach Angaben des mexikanischen Fernsehens kommen die Fliehenden über die Grenze nach Tamaulipas, um dort in höheren Gebieten Schutz vor dem Wirbelsturm zu suchen. Bei heftigen Regenfällen, die durch den Hurrikan "Rita" ausgelöst wurden, sind in El Salvador bisher drei Menschen ums Leben gekommen.

DPA