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Ölpest im Golf von Mexiko: USA mobilisieren alle verfügbaren Kräfte

Die USA bekommen die Ölpest im Golf von Mexiko nicht in den Griff. Weitere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen. Die verantwortliche Ölfirma BP hatte die Risiken offenbar heruntergespielt.

Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko bereiten sich die US-Regierung und mehrere Bundesstaaten im Süden der USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen am Freitag (Ortszeit) auch Alabama und Mississippi den Notstand aus. US-Präsident Barack Obama forderte eine "vollständige Aufklärung" des Desasters.

Zehn Tage nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" blockiert hoher Wellengang alle Bemühungen, den inzwischen 210 mal 112 Kilometer großen Ölteppich einzudämmen. Wegen des heftigen Südwinds wird erwartet, dass das Öl bis Montag auch die Küsten der US-Staaten Mississippi, Alabama und Florida erreicht. "Die nächsten Tage werden kritisch", sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal. Die teerig-klebrige Substanz bedroht hunderte von Fisch-, Vogel- und anderen Arten. Der Ölteppich sei eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. In Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen. Zuvor hatte nach dem US-Bundesstaat Louisiana bereits Florida den Notstand ausgerufen.

Das Pentagon genehmigte am Freitag den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Gouverneur Bobby Jindal hatte zuvor die Entsendung von 6000 Reservisten angefordert. Jindal teilte zudem mit, dass auch der Einsatz von Häftlingen des Bundesstaates im Kampf gegen gegen die Ölpest erwogen werde.

Präsident fordert "vollständige Aufklärung"

Obama rief unterdessen in Washington Regierungsmitglieder zusammen, um über die Koordinierung der nationalen Maßnahmen im Kampf gegen die Ölpest, die er am Vortag als "nationale Katastrophe" bezeichnet hatte, zu beraten. Der US-Präsident beauftragte zudem Innenminister Ken Salazar mit der Anfertigung eines Berichtes zur "vollständigen Aufklärung" der Ereignisse. Außerdem teilte der US-Präsident mit, dass neue Ölbohrplattformen vor der Küste nur dann genehmigt würden, wenn sie zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nachweisen. Damit solle eine Wiederholung der Katastrophe verhindert werden, sagte Obama in Washington. Er wies Innenminister Salazar an, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht über neue technische Möglichkeiten zur Absicherung der Offshore-Förderung vorzulegen.

Seit in der vergangenen Woche eine von dem britischen Ölkonzern BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko sank, fließen täglich rund 800.000 Liter Öl ins Meer. In den USA wächst die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers "Exxon Valdez" im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Damals waren fast 40.000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten eine beispiellose Umweltkatastrophe ausgelöst.

Gefahren heruntergespielt

Aus einer Risikoanalyse von BP für "Deepwater Horizon" geht hervor, dass der Konzern die Möglichkeit eines Unglücks mit katastrophalen Wirkungen heruntergespielt hat. In der 52 Seiten umfassenden Einschätzung heißt es, ein Unfall mit ernsten Umweltgefahren sei unwahrscheinlich oder nahezu unmöglich.

Auswirkungen auf Schifffahrt

Die Ölpest im Golf von Mexiko könnte nach Einschätzung von Experten die wichtigsten Schifffahrtsrouten in der Region blockieren. Die Investmentbank Goldman Sachs warnte am Freitag ihre Kunden, dass der Ölteppich mit Beginn des Wochenendes den Öltransport behindern könne. Der weltgrößte Ölkonsument USA droht damit von Importen des dringend benötigten Rohstoffes abgeschnitten zu werden. Über den Golf von Mexico und die Golfküste verlaufen die wichtigsten Schiffsrouten zur Beförderung von Rohöl, Raffinerieprodukten wie Benzin und Diesel sowie Getreide. Rund ein Viertel der US-Ölproduktion und 15 Prozent der Erdgasproduktion des Landes stammen aus Bohrinseln im Golf von Mexiko. Bislang hat die Ölkatastrophe den Schiffsverkehr kaum beeinträchtigt.

Wut auf die Regierung

Der Öl-Konzern BP als Haupteigner der "Deepwater Horizon" erklärte sich inzwischen bereit, für die Beseitigung der Folgen aufzukommen. Experten der Agentur Fitch schätzen, dass allein die Eindämmung des Ölteppichs und die anschließende Säuberung drei Milliarden Dollar kosten könnte. Die Investmentfirma Bernstein rechnete zudem vor, dass in der Fischereiindustrie Schäden von 2,5 Milliarden Dollar und in der Tourismusbranche von drei Milliarden Dollar zu erwarten sind. An der Südküste macht sich Unmut über die Reaktion der US-Regierung auf die drohende Ölpest breit. "Die Behörden hätten sehr viel schneller reagieren sollen, anstatt zu warten bis der Ölteppich so nahe rückt", schimpfte der 25-jährige Fischer Christopher Creppel aus Venice in Louisiana. Das ausgelaufene Öl werde das Geschäft nicht nur 2010, sondern über Jahre zunichtemachen. "Es gibt hier eine Menge wütender Menschen."

Auf der Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.

DPA/AFP/Reuters/APN / DPA / Reuters