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Sturmtief-Bilanz: "Burglind" abgeflaut, jetzt kommt das Hochwasser - Tote im Baskenland

Sturmtief "Burglind" ist abgeflaut, hat aber ein Spur der Verwüstung durch Deutschland gezogen. Bäume wurden entwurzelt, der Verkehr auf Straße, Schiene und Wasser massiv behindert. In anderen europäischen Ländern gab es Tote.

Ein durch Sturmtief "Burglind" umgeknickter Baum blockiert eine Bundesstraße

Wie hier auf der B317 im Schwarzwald sorgte Sturmtief "Burglind" vielerorts für Verkehrsbehinderungen

Das erste Sturmtief des neuen Jahres ist mit großer Wucht über weite Teile Deutschlands gefegt. "Burglind" brachte am Mittwoch orkanartige Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde und peitschenden Regen. Es kam zu Behinderungen im Verkehr auf Straßen, Zugstrecken und Fährlinien an den Küsten, Bäume stürzten um. In der vergangenen Nacht flaute der Sturm allmählich ab. "Es hat sich alles beruhigt", sagte ein Sprecher am frühen Donnerstagmorgen in Mainz. Die Polizei in Göttingen sprach von einer "Entspannung" in der Nacht.

Doch nun kommt das nächste Problem: Die Flüsse in Nordrhein-Westfalen steigen bereits teils gefährlich an. Köln und andere Städte wappnen sich für ein drohendes Hochwasser, zumal ergiebige Regenmengen vorhergesagt werden. Von Verletzten durch "Burglind" war in Deutschland nichts bekannt. In anderen europäischen Ländern hieß das Tief "Eleanor" und behinderte ebenfalls das öffentliche Leben. In Frankreich kam ein Mann ums Leben, im spanischen Baskenland wurde ein Paar auf einem Deich von einer riesigen Welle erfasst und ins Meer gespült.

Straßen durch Sturmtief "Burglind" blockiert

In den kommenden Tagen wird es laut Wetterdienst vor allem im Südwesten regnen. "Daher gibt es in den dortigen Staulagen Unwetterwarnungen wegen Dauerregens", sagte Christoph Hartmann von der Wettervorhersagezentrale am Mittwoch in Offenbach. Regen- und Schmelzwasser können sich dann lokal zu Hochwasser summieren. Polizeistellen berichteten in der Nacht auf Donnerstag in verschiedenen Regionen vereinzelt von überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. In niedersächsischen Bad Salzdetfurth (Landkreis Hildesheim) etwa hatte es laut Polizei am Abend Überflutungen gegeben. Im Norden bleibt es zunächst bei Schauern. Zum Wochenende hin bleibt es unbeständig und meist sehr mild.

Vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands waren durch "Burglind" Straßen blockiert und der Regional- und Fernverkehr der Bahn gestört worden. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Mehrere Zoos und Tierparks blieben geschlossen – wegen der Gefahr von herunterfallenden Baumteilen. Auf Deutschlands höchstem Berggipfel, der Zugspitze, fuhr die Zahnradbahn nicht. Das Skigebiet Garmisch-Classic blieb geschlossen.

Wegen herumfliegender Bandenteile und Werbebanner musste die vierte Etappe der Tour de Ski der Langläufer in Oberstdorf vorzeitig beendet werden. Nach dem Prolog der Damen reagierte die Jury und brach den Wettbewerb ab.

Urlauber hängen auf Helgoland fest

Auf der 1163 Meter hohen Hornisgrinde des Nordschwarzwaldes wurde zwischen 8.00 und 9.00 Uhr eine Windgeschwindigkeit von 159 Stundenkilometern gemessen. Damit könne man dort von einem "extremen Orkan" sprechen, hieß es beim DWD.

In Cuxhaven wurde die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Einige Urlauber seien bereits am Dienstag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel.

Im Fernverkehr gab es Einschränkungen auf den Strecken Köln-Bonn, Köln-Aachen, Aachen-Krefeld, Kaiserslautern-Ludwigshafen und Köln-Niederlahnstein, wie die Bahn per Twitter mitteilte.


Bis zum Mittag waren alle Strecken im Fernverkehr aber wieder frei, es kommt vereinzelt noch zu Verspätungen, wie eine Sprecherin der Bahn sagte. Einzelne Störungen im Regionalverkehr vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen seien noch nicht behoben. 


"Nicht in Wäldern aufhalten"

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte weiter besonders vor umstürzenden Bäumen. "Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um", sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen. In Wäldern solle man sich lieber nicht aufhalten. Es könne noch bis in die Nacht zum Donnerstag gefährliche Sturmböen geben.

In den niederländischen Küstengebieten fielen Intercitys aus, Deiche und Brücken wurden für den Autoverkehr gesperrt. Zum ersten Mal sind alle fünf Sturmflutwehre geschlossen worden. "Das hat es noch nie zuvor gegeben", twitterte die niederländische Wasserbehörde. 


In Frankreich kam ein Mensch ums Leben. Grund sei ein umgefallener Baum im Alpen-Skiort Morillon, hieß es beim Zivilschutz. Auch für ein Paar, dass an der Küste im spanischen Baskenland von einer riesigen Welle vom Deich ins Meer gespült wurde, kam jede Hilfe zu spät. Ein dritte Person konnte gerettet werden. Wegen der Sturmböen galt eine Unwetterwarnung für die nordspanische Küste, wo die Wellen eine Höhe von fünf bis sechs Metern erreichten. Infolge des Sturms waren in Frankreich am frühen Mittwochnachmittag 225.000 Haushalte ohne Strom, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. 


Bäume stürzten auf Seilbahn

Betroffen waren Regionen im Norden und Nordosten von der Normandie bis ins Elsass. 2500 Mitarbeiter waren im Einsatz, um die Versorgung wieder herzustellen. Die Probleme mit der Stromversorgung hatten sich zeitweise auch in benachbarten deutschen Gebieten gezeigt; vor allem in Baden. In Irland und Großbritannien hatten ebenfalls Tausende Haushalte keinen Strom.

Im Schweizer Skigebiet Pizol im Kanton St. Gallen sind nach Unwettern mehrere Bäume auf die Tragseile einer Bergbahn gestürzt. Wie viele Menschen am Mittwoch in den Gondeln festsaßen, war zunächst unklar, Verletzte soll es keine geben, wie die Polizei mitteilte.

Helikopterflüge waren wegen des Sturmtiefs zunächst nicht möglich. Es würden Maßnahmen geprüft, wie die Wintersportler in Sicherheit gebracht werden könnten. Die Lawinengefahr in den Bergen wurde als "sehr kritisch" eingestuft.  

wue/dho / DPA