VG-Wort Pixel

Schnee und Eisregen erwartet "Reinhard" und "Tristan": Wegen dieser Tiefs droht das Winterchaos

Winter 1979: Zwei Männer graben in Schleswig-Holstein mit einer Schaufel ein Auto aus den Schneemassen
Winter 1979: Zwei Männer graben in Schleswig-Holstein mit einer Schaufel ein Auto aus den Schneemassen. Ähnlich heftige Schneefälle erwarten die Meteorologen in Teilen Deutschlands auch am Wochenende.
© Georg Spring / DPA
Es wird laut Meteorologen ein denkwürdiges Wochenende, vor allem für Gebiete in der nördlichen Mitte Deutschlands. Die sich anbahnende Wetterlage bringt Schneemassen, Verwehungen und Eisregen. Schuld daran sind die beiden Tiefs "Reinhard" und "Tristan".

Massenhaft Schnee, Eisregen, Glatteis: Was da derzeit auf Deutschland zurollt, hat es in der Form schon lange nicht mehr gegeben. Wetterexperten sprechen nicht umsonst von einem "denkwürdigen Wochenende". Doch was genau ist eigentlich der Grund für ein derartiges Wetter-Chaos? Laut einem Bericht des Deutschen Wetterdienstes heißen die beiden verantwortlichen Übeltäter "Tristan" und "Reinhard".

Bei "Tristan" handelt es sich um ein Tief, das von Südfrankreich aus in Richtung Adria und Balkan zieht. Im Gepäck hat es sehr milde und feuchte Luft aus dem Süden, die jedoch auf eine ziemlich kalte Luftmasse polaren Ursprungs trifft, die am südlichen Rand von Hoch "Gisela" schwerpunktmäßig über Skandinavien von Osten bis in den Norden Deutschlands zieht. In Deutschland bildet sich daher eine Luftmassengrenze mit großen Temperaturgegensätzen. Die liegt in rund anderthalb Kilometern Höhe auf der wärmeren Seite in Süddeutschland bei etwa plus 12 Grad, auf der kalten Seite im Norden dagegen bei etwa minus 12 Grad. Ein Temperaturunterschied, der nicht allzu häufig vorkommt. 

Wetter in Deutschland: Tief "Reinhard" und "Tristan" sind schuld

Indes drückt Tief "Reinhard" – ein Tief, das zum aktuellen Zeitpunkt über Großbritannien liegt und sich entlang der Luftmassengrenze nach Osten schiebt – die feucht-warme Luft aus dem Süden weiter gegen die kalte Luft im Norden. Infolgedessen – und weil die warme Luft zudem sehr feucht ist – kommt es an der Luftmassengrenze ab Samstagabend zu heftigen Schneefällen. 

Ab Samstagabend bis in die Nacht zu Montag rechnet der Deutsche Wetterdienst in der nördlichen Mitte Deutschlands mit 15 bis 35, lokal auch mit 40 Zentimeter Neuschnee. Am stärksten von diesen Schneefällen wird demnach das Münsterland und das Sauerland bis hin nach Sachsen-Anhalt und Thüringen betroffen sein. Doch Tief "Reinhard" sorgt nicht nur für Schnee, sondern auch für frischen Wind.

DWD erwartet Sturm und Wind mit bis zu 70 km/h

Dort, wo es am heftigsten schneit, weht es am stärksten. Laut DWD können Böen von bis zu 70 km/h auftreten. In Kombination mit dem Schneefall und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt treten teils extreme, meterhohe Schneeverwehungen auf, die Straßen- und Schienenwege unpassierbar machen können. Der DWD warnte daher alle Autofahrer, ihre Wagen nach Möglichkeit stehen zu lassen. "Fahren Sie nur mit Winterausrüstung und vermeiden Sie grundsätzlich Autofahrten!", hieß es in einer Warnmeldung von Samstag.

Zu den genannten Phänomenen kommt noch hinzu, dass in einem wärmeren Luftbereich südlich der Schneefallgebiete der Niederschlag von Schnee in Regen übergeht und zur Glatteisbildung führen kann. Dies kann zwei verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann der Regen auf gefrorenen Boden fallen. Zum anderen ist es möglich, dass der Regen nochmals durch eine Schicht kalter Luft von unter null Grad fällt, ohne zu gefrieren.

Warnung vor gefrierendem Regen

Wenn er dann auf eine Oberfläche oder einen Gegenstand trifft, gefriert er aber sofort. So können sich in kürzester Zeit regelrechte Eispanzer etwa auf Bäumen, Autos, Stromleitungen und -masten bilden. Durch die zusätzliche Traglast können so Äste abbrechen, Bäume umstürzen und Stromleitungen zusammenbrechen. Wo dieser sogenannte unterkühlte und gefrierende Regen auftreten, lässt sich im Vorfeld allerdings kaum detailliert ausmachen. Alle diese Faktoren stellen das Warnmanagement des Deutschen Wetterdienstes gerade vor enorme Herausforderungen.

Wetter: Schnee-Chaos von 1978 im Video

Für die neue Woche sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) zusätzlich eisigen Ostwind mit Sturmböen und strengem Frost voraus. "Örtlich kann an der Marke von minus 20 Grad gekratzt werden. Der Winter behält uns fest im Griff", sagte ein DWD-Meteorologe am Samstag in Offenbach. Vor allem in der Nordosthälfte Deutschlands geht es mit den Temperaturen kräftig nach unten. Dort werden am Montag und Dienstag nur noch Höchstwerte von minus acht bis null Grad erwartet. Im äußersten Südwesten hingegen zeigt das Thermometer zum Wochenstart plus drei Grad. An der Nordsee und den Alpen schwanken die Höchstwerte laut DWD um den Gefrierpunkt.

Quelle:  DWD, DPA

jek

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker