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85. Geburtstag von Fidel Castro: Kuba feiert seinen Máximo Líder

"Sozialismus oder Tod" - das ist das Motto von Fidel Castro. Präsident ist der Revolutionsführer im Ruhestand seit Jahren nicht mehr, doch noch immer ist er in Kuba allgegenwärtig. Seit Tagen wird im Land sein 85. Geburtstag gefeiert.

Mit Rauschebart und grüner Uniform - so kennt die Öffentlichkeit den Revolutionär Fidel Castro. Als junger Mann jedoch hätte der heute 85-jährige Politiker fast als charmanter Hollywood-Star durchgehen können. Geboren wird Fidel Castro am 13. August 1926 als Fidel Alejandro Castro Ruz im ostkubanischen Birán. Sein Vater ist ein Zuckerrohrplantagenbesitzer, seine Mutter eine Haushälterin. Fidel und seine fünf Geschwister sind alle uneheliche Kinder. Einige Quellen gehen allerdings davon aus, dass Castro erst 1927 geboren wurde und für die Einschulung älter gemacht wurde.

Castros Leben verläuft zunächst in geregelten Bahnen, doch schon während seines Jurastudiums fällt er durch politisches Engagement auf. 1948 heiratet er Mirta Diaz-Balart, mit der er einen Sohn bekommt. Zwei Jahre später eröffnet der promovierte Jurist eine Anwaltskanzlei in Havanna. Am 26. Juli 1953 aber nimmt sein Leben eine entscheidende Wendung. Castro führt einen Aufstand gegen Diktator Fulgencio Batista an, der Angriff scheitert jedoch. Während der Gerichtsverhandlung spricht Castro seinen berühmten Satz: "Die Geschichte wird mich freisprechen!" Seine Todesstrafe wird später in 15 Jahre Haft umgewandelt, schon nach zwei Jahren hinter Gittern darf er das Land verlassen.

Castros Strategie nach seiner Freilassung: Der bewaffnete Kampf im Untergrund in kleinen geheimen Zellen, die über das ganze Land verstreut sind. Er geht mit seinen Unterstützern ins mexikanische Exil und beginnt die militärische Ausbildung seiner Guerilleros. In Mexiko lernt er den aus Argentinien stammenden Revolutionär Ernesto "Che" Guevara kennen.

Von 1956 bis 1959 kämpft Castro gegen das Batista-Regime, die Guerilleros verstecken sich in den Bergen der Sierra Maestra. Als "Commandante en Jefe" (Befehlshabender Kommandant) führt Castro die Rebellenarmee an. Nach über zwei Jahren Kampf gegen das zahlenmäßig weit überlegene kubanische Militär stürzt er schließlich Batista und verkündet den Sieg der Revolution.

Im Februar 1959 wird Castro, der vor der Revolution noch sagte, er wolle keine Macht, als Ministerpräsident vereidigt. Staatschef wird er allerdings erst 1976. Seinen ersten Staatsbesuch stattet der Revolutionsführer den USA ab, die er anfangs noch bewundert. Empfangen wird er aber nicht von Präsident Dwight D. Eisenhower, sondern "nur" vom Vize Richard Nixon. Später sind die USA Castros Feind Nummer eins, die CIA versucht mehrfach, ihn zu ermorden.

Fidel Castros Weggefährte Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt "Che", wird Präsident der kubanischen Nationalbank und Minister für Industrie. Außerdem macht er sich zusammen mit Fidels Bruder Raúl daran, Beziehungen zu anderen sozialistischen Ländern aufzunehmen.

Neben dem politischen Geschäft pflegt Fidel Castro zahlreiche Hobbys. Eines davon ist der Sport. Neben Schach und Baseball spielt das Staatsoberhaupt auch Basketball.

Während Castro in seinem Land versucht, den Sozialismus aufzubauen, sehen die USA die Entwicklung auf dem Inselstaat mit Sorge. Im April 1961 versucht eine Söldnertruppe von Exilkubanern mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA das Regime zu stürzen. Castros Revolutionsarmee schlägt die Invasion in der Schweinebucht zurück. Am 14. Oktober 1962 fotografiert ein US-Aufklärungsflugzeug auf Kuba sowjetische Raketenabschussanlagen. Damit beginnt die Kuba-Krise, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs führt. Sie wird Ende des Monats beendet, die Raketen werden abtransportiert.

Ein wichtiger Pfeiler von Castros Politik ist in den 60er- und 70er-Jahren der Internationalismus. Kuba, das Entwicklungshilfe von der Sowjetunion bekommt, ist nicht nur den Ostblockstaaten verbunden. Es sendet Truppen zur Unterstützung kommunistischer Regimes und Bürgerkriegsparteien, so zum Beispiel nach Nicaragua und Angola.

Castro gibt sich gerne menschennah. Tatsächlich begeht er während seiner Herrschaft aber zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Politische Gegner werden oft ohne Gerichtsverfahren verhaftet und hingerichtet, für "soziale Abweichler", darunter auch Homosexuelle und HIV-Infizierte, gibt es Arbeitslager. Insgesamt 638 Attentatsversuche soll es auf Fidel Castro gegeben haben, viele davon unterstützt druch die CIA.

In Kuba selbst betreibt die Staatsführung einen unglaublichen Personenkult um Fidel Castro. Er ist nicht nur die Hauptfigur des "Album de la revolucion cubana", sondern auch allgegenwärtig auf Plakaten, Postern und Briefmarken. Die Kinder in der Schule müssen seine Reden studieren und Lieder und Gedichte zu seiner Lobpreisung auswendig lernen.

Noch kurz vor dem Untergang der UdSSR bestärken der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow und Fidel Castro in einem Freundschaftsabkommen ihre jahrzehntelangen Beziehungen. Nach dem Systemwechsel im Ostblock 1991 stürzt Kubas Wirtschaft allerdings in eine schwere Rezession. Castro erlaubt von 1993 an beschränkte Privatinitiativen, auch um Devisen und ausländische Investoren ins Land zu holen.

Mit dem Alter zeigt sich Fidel Castro immer seltener in der Öffentlichkeit. 2004 stürzt Castro eine Treppe hinunter, später streuen die USA Gerüchte, er leide an Parkinson. Als er 2006 eine Darmblutung erleidet und operiert werden muss, sind seine Tage als oberster Politiker gezählt.

Castro gibt zunächst die Führung des Staates an seinen jüngeren Bruder und Stellvertreter Raúl ab - vorläufig, wie es heißt. Erst viel später, nämlich im November 2010, erklärt er erstmals, dass er schon zu diesem Zeitpunkt alle Führungsämter abgab, auch die des Parteichefs. Er ist aber weiterhin der eigentliche Machthaber im Hintergrund.

Im Februar 2008 bestimmt die Nationalversammlung Raúl Castro nun auch formell zum neuen Staats- und Regierungschef. Fidel hatte zuvor endgültig seinen Verzicht erklärt. Im April 2011 bestätigt er sein Ausscheiden aus der Führung der Kommunistischen Partei (KP). Beim Parteikongress übernimmt Raúl Castro nun auch formell den Posten als Erster Sekretär des Zentralkomitees der KP.

mlr