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Neuregelung in Alabama: Fällt Ihnen etwas auf? Diese Politiker haben für das härteste Abtreibungsgesetz der USA gestimmt

Der Senat von Alabama hat ein Gesetz verabschiedet, das sogar Vergewaltigungsopfer dazu zwingt, das Kind ihres Peinigers auszutragen. 25 Politiker stimmten für die Regelung - und sie alle haben etwas gemeinsam.

Eine Frau in pinker Klinik-Kleidung hält einen Draht-Kleiderbügel als Werkzeug für eine "Heim-Abtreibung" in der rechten Hand

Der US-Bundesstaat Alabama hat das strengste Abtreibungsgesetz in den gesamten Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht. Der Senat verabschiedete am Dienstag mit 25 zu 6 Stimmen eine Neuregelung, wonach Schwangerschaftsabbrüche nur noch erlaubt sind, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder der Fötus eine unheilbare Krankheit hat. Sogar nach einer Vergewaltigung oder nach Inzest sind Frauen dem Gesetz zufolge verpflichtet, das Kind auszutragen. Ärzten, die dennoch einen Fötus abtreiben, drohen demnach bis zu 99 Jahre Haft. Die republikanische Gouverneurin Kay Ivey muss das Gesetz noch unterzeichnen, damit es in Kraft tritt.

Im Senat von Alabama haben die Republikaner eine klare Mehrheit. 27 der Volksvertreter gehören der Partei von US-Präsident Donald Trump an, nur acht den Demokraten. Von den 27 Republikanern haben 25 für das Gesetz votiert, zwei - die Senatoren Tom Whatley und Jimmy Holley - haben nicht mit abgestimmt. Dies sind die Politiker, die das fast vollständige Abtreibungsverbot in Alabama im Senat abgesegnet haben:

Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist: Die 25 Politiker sind allesamt weiße Männer. 25 weiße, männliche Republikaner haben beschlossen, dass Frauen künftig auch die Babys ihrer Vergewaltiger austragen müssen. Nicht eine einzige Frau hat dafür gestimmt. Ohnehin gibt es im Senat von Alabama nur vier Senatorinnen und die gehören alle der oppositionellen demokratischen Partei an. Eine von ihnen, die Senatorin Vivian Davis Figures, hat aus Protest gegen das neue Gesetz einen Zusatzartikel zur Abstimmung vorgelegt, der es für einen Mann zu einem Verbrechen machen würde, sich sterilisieren zu lassen, wie die US-Nachrichtenseite "Slate" berichtet. Das sei eine Frage der Fairness, da es keine Gesetze gebe, die über Männerkörper bestimmten, erklärte sie. Ihr Zusatzartikel wurde abgelehnt.

Das Quasi-Abtreibungsverbot in Alabama rief in Teilen der US-Bevölkerung eine Welle der Empörung hervor. Auch die Tatsache, dass das Gesetz ausschließlich von weißen Männern beschlossen wurde, blieb nicht unbemerkt:

"Nicht ein Uterus. NICHT EIN UTERUS.", kommentierte Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter ein Bild der Senatoren.

Und der frühere Baseballprofi Brandon McCarthy twitterte: Es gibt nicht eine einzige Sache auf dieser Welt, die ein Mann erleben könnte, die der Erniedrigung auch nur nahe kommen würde, gesetzlich gezwungen zu sein, das Baby deines Vergewaltigers zur Welt zu bringen."

Die Hoffnung der Kritiker der Neuregelung ist, dass sie am Ende gar nicht in Kraft tritt, weil sie einem Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahre 1973 widerspricht, das Abtreibungen in den gesamten USA erlaubt. Die größte Menschenrechtsorganisation der Vereinigten Staaten, die American Civil Liberties Union, kündigte denn auch bereits an, das neue Gesetz anzufechten. Das ist allerdings auch genau das, was die Abtreibungsgegner nach eigener Aussage bezwecken. Nachdem US-Präsident Donald Trump dafür gesorgt hat, dass der Supreme Court vorwiegend mit konservativen Juristen besetzt ist, hoffen sie, dass die Richter die 46 Jahre alte Entscheidung kippen.

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Quellen: The Alabama LegislatureAlabama Senate Republican Caucus"Slate", "AL", "The Guardian", Twitter