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Ermittlungen gegen Trump-Organization Allen Weisselberg widmete sein Leben den Trumps – bringt er Donald nun zu Fall?

Donald Trump und Allen Weisselberg
Mittendrin, wenn auch nur in der zweiten Reihe: Allen Weisselberg (M.) mit Donald Trump und dessen Sohn Don Jr. (r.)
© Evan Vucci / Picture Alliance
Die New Yorker Justiz weitet ihre Ermittlung gegen Donald Trump aus. Mittendrin: Finanzvorstand Allen Weisselberg. Seit fast 50 Jahren arbeitet er für die Familie, nun versucht die Staatsanwaltschaft, ihn auf ihre Seite zu ziehen.

Bei den Republikanern läuft ohne Donald Trump nichts, trotz seiner Abwahl spielt die innerparteiliche Opposition gegen den Ex-Präsidenten kaum noch eine Rolle. Einem politischen Comeback aber stellt sich immer vehementer die Justiz in den Weg. Schon länger ermitteln die Staatsanwälte gegen den Geschäftsmann Trump sowie gegen sein Unternehmen; nun werden die Untersuchungen noch einmal ausgeweitet: "Wir haben die Trump Organization darüber informiert, dass unsere Ermittlungen nicht mehr rein zivilrechtlicher Natur sind. Wir ermitteln gegen die Trump Organization nun aktiv auf strafrechtlicher Ebene", sagte ein Sprecher der New Yorker Behörde.

Konkret geht es um einen ganzen Strauß an Vorwürfen: von Schweigegeldzahlungen an angebliche Ex-Affären, über Banken- und Versicherungsbetrug bis zu Steuerhinterziehung. Letitia James, Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaats New York hat nun die Zusammenarbeit mit Manhattans Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance angekündigt – beides übrigens Demokraten. Trump poltert aus seiner fernen Neu-Heimat Florida, dass die Demokraten ihn politisch ausschalten wollten und spricht von der "Fortsetzung der größten politischen Hexenjagd in der Geschichte der USA". Der Ex-Präsident hat Gründe, nervös zu werden. Während bei einem zivilrechtlichen Verfahren "nur" Geldstrafen drohen, könnten strafrechtliche Ermittlungen zu einer Anklage und sogar einer Haftstrafe führen.

Allen Weisselberg - ein Leben für die Trumps

Ins Zentrum der Staatsanwälte ist dabei Allen Weisselberg gerückt. Der 73-Jährige arbeitet schon sein ganzes Leben für die Trumps. Er begann als junger Buchhalter bei Fred Trump und ist mittlerweile Finanzvorstand des Unternehmens – inklusive Verwalter des Familienvermögens. Kaum jemand dürfte also derartig intime Kenntnisse über das Innenleben der Trump Organization haben wie er. Wohl exakt der Grund, warum sich die New Yorker Ermittler nun Weisselberg genauer anschauen. Vor kurzem hatte Bezirksstaatsanwalt Vance Informationen von einer feinen Privatschule angefordert, auf der Weisselbergs Enkel gehen. Möglicherweise wurden Zahlung an die Schule falsch deklariert. Vielleicht soll der Finanzchef damit unter Druck gesetzt werden – um am Ende gegen Donald Trump auszusagen. Auf ähnliche Weise wurde vor drei Jahren Trumps Anwalt und Ausputzer Michael Cohen dazu gebracht, die Seiten zu wechseln.

Cohen war es auch, der damals aussagte, Weissenberg hätte ihm über die Trump-Organization monatlich rund 30.000 Dollar zukommen lassen, damit er wiederum Schweigegeld an Pornodarstellerin und Trumps One-Night-Stand Stormy Daniels zahlen könne. Insgesamt sollen 130.000 Dollar an sie geflossen sein. Der Finanzvorstand wurde zu dem Thema auch von einer Grand Jury vorgeladen, berief sich aber auf sein Zeugnisverweigerungrecht. Neben dieser Angelegenheit interessieren sich die Staatsanwälte auch für Weisselbergs Rolle bei diversen Immobilienbewertungen – ebenso für seine Söhne Barry und Jack. Letzterer arbeitet bei einem von Trumps wichtigsten Kreditgebern, Barry bei "Trump Wollman Rink", dem Einbahnbetreiber im New Yorker Central Park.

Was weiß Weisselberg über Wertmanipulationen?

Schon lange kursieren Vorwürfe und Gerüchte über Trumps kreativen Umgang mit dem Wert seiner Immobilien. Beide Staatsanwaltschaften wollen nun wissen, ob es stimmt,  dass er ihn regelmäßig manipuliert habe. So soll sein Unternehmen die Werte ihrer Hotels und Golfplätze hochgerechnet haben, wenn es neue Kredite brauchte und heruntergerechnet, wenn es um Steuerzahlungen ging. So hatte es zuletzt auch Ex-Anwalt Cohen ausgesagt und ähnlich war Donald Trump beim Verkauf von Luxusapartments in seinem Trump-Tower in den 80er-Jahren vorgegangen. Weisselberg senior dürfte dazu sicher einiges beizutragen zu haben.

Ob der aber tatsächlich gegen seinen Chef aussagen wird, ist ungewiss. Angesichts seines Verhältnisses zu Donald Trump möglicherweise sogar eher unwahrscheinlich. Denn die beiden Familien sind bis aufs Engste miteinander verflochten. Jennifer Weisselberg zum Beispiel, bis zur Scheidung 2018 von Sohn Barry seine Ex-Schwiegertochter, wurde erst kürzlich von der New Yorker Staatsanwaltschaft dazu verdonnert, sämtliche Finanzunterlagen aus ihrer Ehe zu übergeben. Die Weisselbergs selbst wohnen seit knapp sechs Jahren in einem Trump-Komplex am Hudson River und seit 2002 besitzen sie ein Wochenendhaus 20 Autominuten von Trumps Wohnsitz Mar-a-Lago in Florida entfernt. Über das Verhältnis ihres Ex-Schwiegervater zum nahezu gleichaltrigen Donald Trump sagte Jennifer Weisselberg einst: "Er verehrt ihn mehr als seine eigene Frau. Für Don ist er nur ein Geschäft, für Allen aber ist es eine Liebesbeziehung."

Quellen: "Washington Post", "The New Yorker", USA Today auf Youtube, "New York Times"


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