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Interview

Forsa-Chef: Güllner: So kommen Merkels schlechte Zahlen zustande

Laut Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap ist die Zufriedenheit mit der Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel in nur einem Monat um zwölf Prozentpunkte eingebrochen. Forsa-Chef Manfred Güllner äußert sich im stern-Interview dazu, wie diese Zahlen zustande kommen.

Angela Merkel

AfD-Anhänger führen die Terroranschläge von Würzburg und Ansbach auf Angela Merkels Flüchtlingspolitik zurück, so Forsa-Chef Manfred Güllner

Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap ermittelt, dass nur noch 47 Prozent der Deutschen mit der Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel zufrieden sind - im Juli waren es noch 59 Prozent, immerhin zwölf Punkte weniger. Wie ist dieser rasante Verlust an Zustimmung, wenn es denn einer ist, zu erklären?

Zunächst muss man einmal mal schauen, ob dieser große Sprung wirklich die Realität adäquat abbildet. Denn Infratest Dimap fragt ja für den Deutschlandtrend immer nur punktuell, nämlich an zwei Tagen im Monat. Wir dagegen fragen Tag für Tag und Woche für Woche und vermeiden deshalb solche Ausschläge. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die AfD-Anhänger nach den Terroranschlägen von Würzburg und Ansbach einen klaren Bezug herstellen zwischen Merkels Flüchtlingspolitik und diesen Gewalttaten. Und das führt natürlich zu einer extrem negativen Beurteilung Merkels durch die Sympathisanten der AfD, die laut ARD über zehn Prozent der Befragten ausmachen - was ihren durchschnittlichen Zufriedenheitswert deutlich nach unten drückt. Hinzu kommen noch die CSU-Anhänger – von der ARD leider nicht getrennt ausgewiesen –, die Seehofer durch seine Attacken gegen Merkel von der Kanzlerin entfremdet hat.

65 Prozent der Befragten sind laut ARD-Deutschlandtrend weniger oder gar nicht zufrieden mit Merkels Asyl- und Flüchtlingspolitik – sieben Prozent mehr als noch im April. In einer Umfrage, die Ihr Institut Forsa für den stern gemacht hat, meinen 69 Prozent der Bundesbürger, die Terroranschläge von Würzburg und Ansbach seien nicht auf Merkels Flüchtlingspolitik zurückzuführen. Wie passt das zusammen?

Hier wird zunächst ein einzelnes Politikfeld beurteilt - nämlich die Asyl- und Flüchtlingspolitik. Wobei man sich auch hier die Aufschlüsselung nach Parteianhängern anschauen muss. Und da sehen wir, dass 100 Prozent der AfD-Sympathisanten mit Merkels Politik auf diesem Feld nicht einverstanden sind. Deshalb muss auch dieser Wert wieder entsprechend relativiert werden. Hinzu kommt, dass das Urteil über ein einzelnes Politikfeld nur wenig darüber aussagt, ob man einem Politiker alles in allem vertraut. Wir ja haben untersucht, ob die Menschen einen Zusammenhang sehen zwischen Merkels Flüchtlingspolitik und den Anschlägen von Würzburg und Ansbach - und da ist die große Mehrheit der Deutschen unaufgeregt und besonnen und sieht das nicht so.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer gewinnt im Gegensatz zu Merkel an Zustimmung – von 33 Prozent im Juli auf nun 44 Prozent. Sitzt er damit Merkel im Nacken, wie die "Welt" getitelt hat?

Überhaupt nicht. Wenn man sich die Anhänger der Union anschaut - die leider auch hier nicht getrennt ausgewiesen werden -, dann sieht man, dass die Zustimmung für Merkel bei den Unionsanhängern bei 74 Prozent liegt und für Seehofer nur bei 54 Prozent. Bei den AfD-Anhängern ist Seehofer dagegen mit 86 Prozent deutlich beliebter als bei den eigenen Anhängern.

Knapp zwei Drittel - nämlich 64 Prozent - sagen, dass der CSU ihre eigenen Interessen wichtiger sind als der Erfolg der Regierung. 40 Prozent finden es allerdings gut, dass sich die CSU sehr offensiv gegen die Kanzlerin positioniert, 91 Prozent meinen, die Koalitionspartner sollten stärker gemeinsame Lösungen vorantreiben, anstatt Streit in der Öffentlichkeit auszutragen. Ist das nicht widersprüchlich?

Wenn 91 Prozent den Koalitionspartnern zu mehr Gemeinsamkeit raten, entspricht das dem Konsensbedürfnis einer großen Mehrheit der Bundesbürger. Und dass zwei Drittel der CSU unterstellen, vor allem eigene Interessen zu verfolgen, ist kein Widerspruch zum ersten Wert. Auch wir stellen immer wieder fest, dass sich die Kritik der Mehrheit an Seehofer daran festmacht, dass man nicht an der Regierung beteiligt sein kann und gleichzeitig die Chefin dieser Regierung angreift. Opposition in der Regierung geht nicht, das ist auch schon der SPD nicht gut bekommen. Wenn sich dagegen 40 Prozent für eine offensivere Positionierung der CSU aussprechen, ist das in der Tat eine merkwürdige Zahl. Sie ließe sich allerdings nur plausibel interpretieren, wenn sie nach Partei-Anhängern aufgeschlüsselt wäre - und das ist auch hier leider nicht der Fall.

Interview: Werner Maths