Anschlag in Afghanistan FDP-Politiker fordert Rückzug


Bei einem Anschlag in Afghanistan sind drei deutsche Polizeibeamte getötet worden. Die große Koalition - aber auch FDP-Chef Guido Westerwelle - steht dennoch zu dem Engagement der Bundeswehr. Bei den Liberalen ist die Haltung aber offenbar nicht einheitlich: Ein prominenter FDP-Politiker fordert den Rückzug.

Bei einem Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind drei deutsche Polizisten getötet worden. Die Beamten waren nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA vom Bundeskriminalamt (BKA) nach Kabul entsandt worden. Unter den Toten sind auch Personenschützer des deutschen Botschafters in Kabul, Hans-Ulrich Seidt. Ein weiterer deutscher Polizist wurde demnach bei dem Anschlag verletzt.

Polizisten sind freiwillig im Irak

Erstmals sind damit deutsche Polizisten im Dienst in Afghanistan ums Leben gekommen. Im Gegensatz zu Soldaten, die auf Befehl in einen Einsatz gehen, können Polizisten frei entscheiden, ob sie eine solche Aufgabe übernehmen. Derzeit sind 40 bis 50 Polizisten für die Ausbildung der örtlichen Polizei in Afghanistan im Einsatz. Zur Zahl der Personenschützer an der Botschaft machte Matthias Wolf vom Innenministerium aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Bundesregierung halte auch nach diesem Attentat an dem deutschen Engagement in Afghanistan fest. Auch das Innenministerium und das Auswärtige Amt erklärten, ihre Missionen würden fortgesetzt. Wolf sagte, die Polizisten seien sehr motiviert.

Ein Beamter stammt aus Baden-Württemberg

Einer der drei getöteten deutschen Kriminalbeamten stammt aus Baden-Württemberg. Wie Landesinnenminister Heribert Rech mitteilte, war ein 39-jähriger Polizeiobermeister vom Polizeipräsidium Karlsruhe an das Bundeskriminalamt abgeordnet gewesen. Er habe großen Respekt vor der Arbeit der deutschen Sicherheitskräfte und Berater in Afghanistan. Die Beamten waren in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul getötet worden. Wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bekannt sagte, die Opfer seien "im Einsatz zum Schutz unserer dortigen Botschaft und des Botschafters selbst" gewesen.

Die Sicherheitsbeamten sollen auf dem Weg zu einem Schießstand im Bezirk Bagrami im Osten der afghanischen Hauptstadt gewesen sein, als am Straßenrand ein Sprengsatz explodierte. Die radikal-islamischen Taliban teilten auf ihrer Internetseite mit, sie hätten in Bagrami einen Anschlag mit neun Toten auf ausländisches Militär verübt. Opferangaben der Taliban sind oft deutlich übertrieben.

Zerstörter Wagen mit deutscher Flagge

Nach Augenzeugenberichten standen am Anschlagsort zwei weiße Geländewagen der Botschaft. Einer davon lag auf der Seite, ein anderer stand in der Nähe. Eines der Fahrzeuge ist nach Angaben der afghanischen Polizei zerstört und trägt eine deutsche Flagge. In Bagrami fährt die Bundeswehr seit mehreren Jahren Patrouille.

Örtliche Polizeikräfte hatten zunächst davon gesprochen, drei deutsche Soldaten seien getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Berlin dementierte jedoch diese Angaben. Zuletzt starben im Mai bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus drei deutsche Soldaten und fünf afghanische Zivilisten.

SPD-Chef Kurt Beck äußerte sein Mitgefühl für die Opfer. "Was an zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu machen ist, wird jetzt zu untersuchen sein." Beck warnte aber vor einem überstürzten Kurswechsel beim deutschen Engagement in Afghanistan. "Jedes Ereignis dieser Art muss in die Debatten um das Mandat (der Bundeswehr) einbezogen werden. Man kann aber jetzt nicht unter dem aktuellen Eindruck eines solchen Ereignisses eine grundlegende Kurskorrektur einleiten", sagte er am Rande seiner Sommerreise in Marburg. Deutschland werde zum Aussöhnungs- und Normalisierungsprozess in Afghanistan auch weiter seinen Beitrag leisten müssen, erklärte Beck, der zuvor mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gesprochen hatte.

"Lage nach wie vor ernst

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Lage in Afghanistan sei nach wie vor ernst: "Das Engagement in Afghanistan ist richtig und wichtig. Wir dürfen vor dem Terror der Taliban nicht zurückweichen." FDP-Parteichef Guido Westerwelle sagte, er sei "tief betroffen" vom Tod der drei Deutschen. "Die Opfer haben für Sicherheit und Stabilität in einem geschundenen Land gearbeitet. Wer vor dem Terror zurückweicht, kapituliert vor diesen Mördern."

Allerdings scheint die Haltung der FDP ambivalent. Für einen Rückzug der Deutschen aus Afhanistan sprach sich nämlich der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki aus, Mitglied des FPD-Bundesvorstandes und Chef der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein. "Das deutsche Engagement in Afghanistan muss ernsthaft überdacht werden", sagte Kubicki "stern.de". "Die Befriedung des Landes gelingt offenbar nicht. Die Deutschen werden immer mehr zu Angriffszielen, weil sie zunehmend als Besatzer betrachtet werden. Die Mandate der Bundeswehr dürfen nicht verlängert werden", sagte Kubicki.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker