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Atom-Verhandlungen mit Iran Gespräche gehen in entscheidende Phase über


Vor dem Fristablauf am Dienstag gehen die Beratungen über das iranische Atomprogramm in die entscheidende Phase. Außenminister Steinmeier sprach von einem "Endspiel".

Vor dem Fristablauf am Dienstag haben in Lausanne die wohl entscheidenden Beratungen über das iranische Atomprogramm begonnen. Nach mehr als zehnjährigen Verhandlungen mit Teheran "beginnt hier sozusagen das Endspiel", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der Schweiz. Der iranische Präsident Hassan Ruhani telefonierte nach eigenen Angaben mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

In Lausanne berieten Steinmeier und sein französischer Kollege Laurent Fabius zunächst mit US-Außenminister John Kerry. Später trafen unter anderem Steinmeier und Fabius bilateral mit dem iranischen Chefdiplomaten Mohammed Dschawad Sarif zusammen.

Steinmeier rief alle Seiten zu letzten Anstrengungen auf. Die letzten Meter seien "die schwersten, aber eben auch die entscheidenden". Er hoffe, "dass der Versuch nicht aufgegeben wird, hier zu einer endgültigen Einigung zu kommen".

Ruhani teilte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, er habe mit Merkel über die Verhandlungen gesprochen. In dem Telefonat seien sich beide einig gewesen, dass "die Atomfrage gelöst und eine Einigung gefunden" werden müssten.

"Die Arbeit ist sehr kompliziert und schwierig", sagte seinerseits Sarif. "Die andere Seite" müsse "wählen zwischen Druck und einem politischen Abkommen". Er sei aber zuversichtlich, "dass alle Fragen gelöst werden können". Fabius bestand auf einer "robusten Einigung".

Einigung soll bis Dienstag gelingen

Die 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten plus Deutschland bemüht sich seit Jahren um eine Einigung mit dem Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm. Ziel ist es, dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnologie zu erlauben, ihm aber die Möglichkeit zu nehmen, Atomwaffen zu entwickeln.

Im Gegenzug sollen die in dem Konflikt verhängten Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Bis Dienstag soll eine politische Grundsatzvereinbarung stehen, bis Ende Juni ein vollständiges Abkommen samt technischen Einzelheiten. In dem jahrelangen Ringen wurden schon mehrfach Fristen überschritten, angesichts der nächsten US-Wahl in anderthalb Jahren scheint diesmal der Einigungsdruck besonders hoch.

So soll er um die Möglichkeit gebracht werden, insgeheim in kurzer Zeit eine Bombe zu entwickeln. Teheran pocht im Gegenzug darauf, dass die empfindlichen Wirtschaftssanktionen sofort aufgehoben werden, und nicht erst Schritt für Schritt.

Russland, China und Großbritannien ab Sonntag auch am Verhandlungstisch

Am Sonntag soll die Runde in Lausanne vollständig werden, dann werden auch die Außenminister Russlands, Chinas und Großbritanniens, Sergej Lawrow, Wang Yi und Philip Hammond, erwartet.

Lawrow wurde von der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti mit den Worten zitiert, die Chancen auf eine Einigung lägen bei "mehr als 50 Prozent". Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass der gewaltsame Konflikt im Jemen das Verhandlungsklima nicht trüben werde.

Im Jemen fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz seit Tagen Luftangriffe auf die schiitische Huthi-Miliz. Riad steht hinter dem außer Landes geflohenen jemenitischen Präsidenten Abd Rabo Mansur Hadi und wirft dem Iran vor, die Rebellen zu unterstützen. Die USA stehen der Allianz beratend zur Seite.

ono/AFP AFP

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