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Atomgespräche mit dem Iran gehen weiter: Verfestigte Positionen

Distanz und keine neuen Impulse: Heute werden die Gespräche um Irans Atomprogramm fortgesetzt - ohne große Hoffnung auf einen Durchbruch. Russland will die Sanktionen gegen den Iran lockern. Der Iran wird die Urananreicherung weiter fortsetzen.

Nach einmonatiger Pause werden heute die Atomgespräche mit dem Iran fortgesetzt. Von den bis Samstag in Istanbul angesetzten Beratungen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland mit der Islamischen Republik wird ein Durchbruch nicht erwartet. Der Iran wies am Donnerstag einen Fernsehbericht zurück, dem zufolge er einen neuen Vorschlag zum Tausch von Uran vorlegen will. Russland ging derweil auf Distanz zu den anderen Mitgliedern der Sechsergruppe und forderte Gespräche über eine Lockerung der gegen den Golfstaat verhängten Sanktionen.

Vor dem Beginn neuen Verhandlungsrunde hat der russische Außenminister Sergej Lawrow gefordert, auch über eine Aufhebung der gegen den Iran verhängten Sanktionen zu sprechen. Dieses Thema müsse "ebenfalls auf der Agenda stehen", sagte Lawrow am Donnerstag in der türkischen Metropole. Irans Unterhändler Said Dschalili zeigte sich nach seiner Ankunft gesprächsbereit. Nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen, Ahmet Davutoglu, sprach sich Lawrow gegen die Verhängung weiterer Sanktionen gegen den Iran aus. Dieser kürzlich von US-Außenministerin Hillary Clinton angedrohte Schritt sei "kontraproduktiv" für die Lösung der Atomfrage, sagte Lawrow. Nach seinen Erwartungen zum Erfolg der Verhandlungen befragt sagte Lawrow: "Wenn wir es schaffen, uns über die Perspektiven unserer Arbeit und zukünftiger Gesprächsrunden zu verständigen, wäre das schon ein gutes Ergebnis."

Dschalili sagte nach seiner Ankunft in Istanbul dem türkischen Staatsfernsehen TRT, die iranische Seite wolle den Dialog. Wenn auch die Gegenseite dazu bereit sei, dann seien "sehr gute Ergebnisse" möglich. Irans Botschafter bei der UN-Atomenergiebehörde (IAEA), Ali Asghar Soltanieh, sagte am Donnerstag jedoch, weder die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, noch Sanktionen oder Viren könnten Iran abhalten, die Urananreicherung weiter zu verfolgen. Soltanieh nahm damit Bezug auf den mutmaßlich gegen die iranischen Atomanlagen gerichteten Computer-Wurm Stuxnet.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, sagte am Donnerstag, sein Land wolle einen "bedeutsamen und praktischen Prozess" in Gang bringen, in dem die Hauptfragen des iranischen Atomprogramms angesprochen würden. EU-Außenministerin Catherine Ashton hatte vergangene Woche erklärt, in Istanbul gehe es um "konkrete und glaubwürdige Wege, um weiterzukommen". Am Abend waren nach Angaben eines türkischen Diplomaten Treffen zwischen Davutoglu und Ashton sowie Dschalili geplant.

Vertreter Irans sowie der sogenannten 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China sowie Deutschland wollen in Istanbul am Freitag und Samstag die Möglichkeit von Fortschritten im Atomstreit sondieren. Die Gespräche waren Anfang Dezember in Genf nach mehr als einem Jahr wieder aufgenommen worden. Der Westen verdächtigt den Iran, eine Atombombe bauen zu wollen, Teheran weist dies zurück.

AFP/Reuters / Reuters