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Atomstreit: Iran bietet Pause bei Urananreicherung an

Der Poker um das Atomprogramm des Iran geht weiter. Um Sanktionen zu verhindern, hat der Iran jetzt eine zweimonatige Aussetzung der Urananreicherung angeboten. Wie ernst gemeint das Angebot ist, bleibt fraglich.

Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Laridschani, hält die von der internationalen Gemeinschaft geforderte Aussetzung der Urananreicherung für "denkbar". In einem Interview mit der Wiener Tageszeitung "Kurier" sagte der iranische Unterhändler: "Vernünftige Lösungen sind immer denkbar". Nach Angaben europäischer Diplomaten hat der Iran bei den siebenstündigen Sondierungen mit dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana am Wochenende eine zweimonatige Aussetzung der Urananreicherung angeboten. Dies dürfte nach Einschätzung von Experten von der EU und insbesondere von den USA nicht akzeptiert werden. Sie fordern von Teheran eine unbefristete Aussetzung der Urananreicherung, weil sie befürchten, dass der Iran hochangereichertes Uran zum Bau von Atomwaffen verwenden könnte.

Laridschani sprach im Zusammenhang mit dem Streit um das iranische Atomprogramm von einem "vieldimensionalen Thema". "Es geht nicht nur um wirtschaftliche und politische Aspekte", sagte der Wissenschaftler dem "Kurier": "Wir wollen für ein bestimmtes Thema eine bestimmte Lösung finden. Unsere Lösung soll allumfassend sein und alle Probleme gleichzeitig beseitigen. Wir wollen das Problem nicht löschen, sondern lösen."

Laridschani und Solana hatten nach einer zweiten Gesprächsrunde am Sonntag angekündigt, dass sie ihre Sondierungen für eine Beendigung des Atomstreits in dieser Woche fortsetzen würden. In Brüssel hieß es dazu, vermutlich würden sich beide Seiten erneut an diesem Donnerstag in Wien zusammensetzen.

Erneutes Treffen in einer Woche

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte unterdessen in Teheran, Verhandlungen könnten dazu beitragen, den Konflikt um das Atomprogramm seines Landes zu beenden. Beide Seiten wollen sich in der kommenden Woche erneut treffen. Auch der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) wird sich auf seiner am Montag in Wien beginnenden Tagung mit dem iranischen Atomprogramm befassen.

Die Wiener Gespräche sollten die Chancen für weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und der EU ausloten und damit baldige UN-Sanktionen gegen den Iran verhindern. Teheran hatte Ende August die ultimative Forderung einer UN-Resolution nach unbefristeter Aussetzung seines Programms zur Urananreicherung abgelehnt. Solana sollte im Auftrag der EU-Außenminister erkunden, ob die iranische Regierung im Rahmen von neuen Verhandlungen über das Kooperationsangebot der Europäischen Union zu einem Anreicherungsstopp gebracht werden kann.

Bereits nach der ersten Gesprächsrunde am Samstag hatten beide Seiten von "Fortschritten" und einem "konstruktiven" Dialog gesprochen. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass Teheran angereichertes Uran zur Herstellung von Atombomben missbrauchen könnte. Teheran bestreitet dies jedoch. Die EU-Außenminister hatten sich Anfang vergangener Woche dafür ausgesprochen, den Konflikt wenn möglich auf diplomatischem Weg zu lösen. Auch China und Russland sind gegen Zwangsmaßnahmen.

USA stimmen für Sanktionen gegen den Iran

US-Außenministerin Condoleezza Rice befürwortet Sanktionen im Finanzbereich, um die Führung in Teheran zum Einlenken zu zwingen. Der Schlüssel sei wahrscheinlich das Geld, sagte Rice am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN. Es gebe Möglichkeiten, um den Geldhahn für Programme im Iran abzudrehen. Das werde der iranischen Führung deutlich machen, dass sie nicht die Vorteile des internationalen Finanzsystems in Anspruch nehmen könne, um die Einnahmen aus den Erdölexporten zu nutzen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer Konfrontation. "Die beste Lösung sind Verhandlungen. Ich befürchte, eine Konfrontation wird enorme Probleme auslösen, vor allem in einer Region, in der es bereits mehrere Krisen gibt", sagte Annan am Sonntag im französischen Radiosender Europe 1.

DPA / DPA