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Australien: Ausdehnung statt Aufgabe

Trotz einer angeblichen Terrordrohung weigert sich Australien, seine Truppen aus dem Irak zurückzuziehen. Außenminister Downer denkt zudem über einen Einsatz in Sudan nach. EU und UN wollen den Druck auf das Land erhöhen.

Australien will trotz einer Terrordrohung angeblicher islamischer Extremisten seine Truppen im Irak belassen. Die Regierung nehme die Drohung ernst, werde sich ihr aber keinesfalls beugen, sagte Außenminister Alexander Downer am Sonntag im australischen Fernsehen. Auf einer Webseite werden nach Medienberichten im Namen einer Gruppe "Islamischer Tawhid" Anschläge in Australien und Italien angekündigt, sollten beide Länder ihre Truppen nicht aus dem Irak abziehen. Die Gruppe bezeichnet sich als Vertreterin des Terrornetzwerks Al Kaida in Europa.

Downer sieht in dem Abzugs Spaniens und der Philippinen aus dem arabischen Land die Ursache für die Drohung. "Dies hat bedauderlicherweise die Terroristen ermutigt, ihre Drohungen fortzusetzen", sagte der Außenminister. Australien hatte sich mit rund 2000 Soldaten an der Invasion des Irak beteiligt und hält in dem Land oder seiner Nähe derzeit rund 850 Mann stationiert.

Australische Truppen in den Sudan?

Alexander Downer denkt dagegen darüber nach, sich an einem Friedenseinsatz der Vereinten Nationen (UN) im Sudan zu beteiligen. "Es gibt gute Chancen dafür, dass wir einige Truppen in den Sudan schicken", sagte er. "Es wäre nur eine geringe Zahl, wenn wir dies beschließen würden, aber noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen."

Der UN-Sicherheitsrat müsse die nötigen Resolutionen für den Einsatz von UN-Truppen in dem afrikanischen Land noch ausarbeiten. Er denke auch darüber nach, ob die australische Regierung ihre Hilfen für die sudanesische Krisenregion Darfur ausstocken sollte.

Arabische Milizen haben in den vergangenen 15 Monaten Tausende Zivilisten in der Westprovinz Darfur getötet. In der Region Darfur sind rund zwei Millionen Menschen vom Hungertod bedroht und auf UN-Lebensmittel angewiesen. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Milizen aus ihren Dörfern geflüchtet. Die internationale Gemeinschaft hat die sudanesische Regierung wiederholt aufgefordert, die Milizen zu entwaffnen und Hilfsorganisationen Zugang zur Krisenregion zu gewähren.

Einen Tag vor Beratungen der EU-Außenminister drängte Bundesaußenminister Joschka Fischer zu weiterem Druck auf die sudanesische Regierung. "Wir werden den Druck weiter verstärken auf allen politischen Ebenen, die wir haben", sagte Fischer dem ZDF. Der Sudan steht auf der Tagesordnung des Treffens der Außenminister der Europäischen Union am Montag in Brüssel.

Sanktionen gegen Sudan immer wahrscheinlicher

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes stimmte sich Fischer in dieser Frage mit seinem US-Amtskollegen Colin Powell ab. "Beide waren sich einig, dass fortgesetzter Druck einer geschlossen handelnden internationalen Gemeinschaft notwendig sei", sagte ein Sprecher. Komme die sudanesische Regierung in Darfur nicht ihren selbst eingegangenen Verpflichtungen nach, würden Sanktionen der Vereinten Nationen unausweichlich. Fischer sagte: "Hier muss Sudan damit rechnen, dass sie tatsächlich ein Embargo gewärtigen müssen." Fischer sagte dem Präsidenten der Afrikanischen Union, Alpha Oumar Konare, die deutsche Unterstützung für ihren Einsatz in der Krisenregion zu.

DPA/Reuters / DPA / Reuters