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Berlusconis Fall "Ruby-Gate" Schluss mit Bunga-Bunga


Sicher ist: Silvio Berlusconi ist Italiens Ministerpräsident. Mit wem er Bunga-Bunga macht, ob er einen "welken Arsch" hat oder gar einer ist - das klärt nun ein Gericht. Eine große Oper!
Von Niels Kruse

Natürlich war es gelogen, als es hieß, Ruby Rubacuore sei die Nichte des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Rein äußerlich hätte sie durchaus mit ihm verwandt sein können. Doch die damals 17-Jährige stammt aus Marokko und heißt bürgerlich Karima al Marough. Und irgendwie musste das Mädchen aus den Fängen der Polizei geholt werden, denn es verkehrte in den höchsten Regierungskreisen Italiens, und so jemand schmort nicht einfach im Gefängnis, vor allem dann nicht, wenn sie zum engsten Umfeld des Ministerpräsidenten gehört. Irgendjemand aus seinem Büro jedenfalls drängte und drohte und ersann schließlich die Mär eines diplomatischen GAUs für den Fall, dass das Mädchen nicht entlassen werden würde.

Dieser Zwischenfall ereignete sich so oder so ähnlich im Frühling vergangenen Jahres - was genau passiert ist, wird ein Gericht ab dem 6. April versuchen aufzuklären. Die Mailänder Richterin Christina Di Censo hat jetzt entschieden, dass sich der italienische Regierungschef wegen Amtsmissbrauchs und Bezahlung einer minderjährigen Prostituierten verantworten muss. "Ruby-Gate" wird diese pikante Angelegenheit in Anspielung auf den Namen der jungen Dame genannt, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Berlusconi doch noch über eine der vielen Frauen stolpern könnte, denen er sich wie auch immer gewogen zeigte.

Freilich glaubt kaum ein Italiener daran, dass der umtriebige Ministerpräsident tatsächlich im Gefängnis landen wird, hat eine Umfrage nun ergeben. Sie ahnen wohl warum. Zu oft schon hat er sich mit mehr oder wenigen eleganten Tricks aus seinen Affären gezogen. In seiner gesamten Amtszeit wurden nicht weniger als 36 Gesetze auf den Weg gebracht, um den Medienunternehmer und Milliardär vor möglichen Prozessen zu schützen. Doch laut Oberstem Gericht sind einige dieser maßgeschneiderten Verordnungen verfassungswidrig. Und die Beweislage im Fall von "Ruby-Gate" scheint eindeutig zu sein, zumal sich einige Damen vom Hof des Milliardärs nun gegen ihren Mentor verschworen zu haben scheinen.

Zahlte Berlusconi und falls ja, wieviel?

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat eine Reihe von Gesprächen und Telefonaten abgehört. In einigen Unterhaltungen geben die jungen Damen damit an, vom Cavaliere reichlich beschenkt und bezahlt worden zu sein. Ruby Rubacuore (Ruby, die Herzenbrecherin) etwa soll ausgesagt haben, dass sie mehrmals auf dem Anwesen Berlusconis in Arcore bei Mailand gewesen sei. 30.000 Euro soll sie dafür bekommen haben, nebst üppigen Geschenken. Als Gegenleistung habe es für den Ministerpräsidenten Bunga-Bunga gegeben, Berlusconis mittlerweile berühmteste Ausschweifung, von der zwar niemand so richtig weiß, was sich dahinter verbirgt, außer natürlich, dass es sich dabei um irgendeine Form der Intimität handelt. Und ob alles so stimmt, was Ruby, die blutjunge Marokkanerin, erzählt, ist fraglich. Denn sie behauptet auch, von Berlusconis Buchhalter 170.000 Euro erhalten zu haben.

Doch das alles klingt zu schön, um wahr zu sein. Noch im Mai wurde Karima, die Herzensbrecherin von der Polizei festgenommen, nachdem sie eine Frau, bei der sie untergekommen war, beklaut haben soll. Zu dem Zeitpunkt hatte die 17-Jährige keine Aufenthaltserlaubnis und hätte in die Fürsorge der Kirche übergeben werden sollen. Schon mit 14 war Karima von zu Hause abgehauen, sie soll sich mit Diebstahl und Prostitution über Wasser gehalten und von einer Karriere im Showgeschäft geträumt haben. Nachdem Berlusconis Büro sie aus der Haft freibekommen hatte, soll sich Nicole Minetti um das Mädchen gekümmert haben.

"Er will seinen welken Arsch retten"

Die wiederum war einmal Model und Zahntechnikerin Berlusconis, mittlerweile ist sie Abgeordnete seiner Partei in der Lombardei. Sie gilt als "Haremsdame" am Hofe des Ministerpräsidenten, die dem "alten Sack", wie sie ihn mittlerweile nennt, die Frauen besorgt hat. Darunter auch Iris Berardi, eine Brasilianerin, ebenfalls minderjährig, und angeblich ebenfalls für ihre Anwesenheit in Arcore üppig entlohnt. Die italienischen Ermittler hatten ein Telefonat von der Politikerin und einer Freundin abgehört, in dem sie sich über Berlusconi bitterlich beschwert haben will. "Es interessiert mich nicht, ob der alte Sack Regierungschef ist. So lasse ich mich nicht bloßstellen, nur weil er seinen welken Arsch retten will", soll Nicole Minetti gesagt haben. Ein "Ausbruch", wie sie kurz nach Bekanntwerden des Plausches einer Zeitung sagte. Schließlich sei sie Abgeordnete seiner Partei PdL und Berlusconi somit ihr "Bezugspunkt".

Wenn sich all die Vorwürfe als wahr erweisen sollten, die die Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen den Ministerpräsidenten zusammengesammelt haben, dann dürfte es diesmal eng werden für ihn. Auf Amtsmissbrauch stehen bis zu zwölf Jahre Haft, auf Bezahlung einer minderjährigen Prostituierten drei Jahre. Berlusconi selbst streitet natürlich alles ab. "Medienmüll" nennt er die Anschuldigungen, eine politisch motivierte Kampagne, um ihn loszuwerden. Immerhin: Dem Umstand, die junge Marokkanerin aus der Haft befreit zu haben, hat er bereits eingeräumt: "Ich habe ein Herz", sagte er dazu. "Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, helfe ich ihm."

Bald schon stehen die nächsten Prozesse an

Hilfsbereitschaft wird er vom Gericht nicht erwarten dürfen, denn es besteht aus drei Frauen. Und die Italienerinnen sind derzeit nicht gut auf ihren Regierungschef zu sprechen. Erst vor zwei Tagen waren mehrere Tausend gegen Berlusconi auf die Straße gegangen, um ihn zum Rücktritt zu bewegen. Und Ende Februar und Anfang März warten schon die nächsten beide Prozesse gegen den Cavaliere. Es könnte bald Schluss sein mit Bunga-Bunga an der Regierungsspitze.

mit Agenturen

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